Unikat

Historiker findet Riesenbuch in der Bibliothek der RUB

Nils Beese hat das Riesenbuch im nicht-öffentlichen Teil der Ruhr-Universität gefunden.

Foto: Svenja Hanusch

Nils Beese hat das Riesenbuch im nicht-öffentlichen Teil der Ruhr-Universität gefunden.

Bochum.   69 Zentimeter hoch und 56 Zentimeter breit ist das Riesenbuch aus der Bibliothek der Ruhr-Universität. Lesen kann man darin allerdings nicht.

Wirklich handlich ist das „Riesenbuch“ der Universitätsbibliothek nicht. Nils Beese, Fachreferent für Geschichte, Anglistik und Rechtswissenschaft, muss es auf einem Rollwagen durch die Gegend schieben. Kein Wunder: Das Buch ist 69 Zentimeter hoch und 56 Zentimeter breit. Eher unpraktisch also für die Lektüre zwischendurch.

Und nicht nur dem geneigten Bibliomanen fällt bei näherer Betrachtung auf, dass man es sowieso gar nicht lesen kann. „Es handelt sich hierbei um eine Buchattrappe, die wohl besonders wegen ihres ästhetischen Werts erworben wurde“, sagt Nils Beese.

Drucke des Malers Albrecht Dürer

Die Attrappe hat also keine Seiten. Ihre leere Hülle ist mit Drucken des Malers Albrecht Dürer gefüllt. „Die Schatulle hat eher unikalen Wert, die Drucke an sich sind nicht so wertvoll“, erklärt Beese. Er hat sie von einem Kollegen schätzen lassen. Der Bibliothekar hat das Buch selbst wiederentdeckt, beim Stöbern im nicht-öffentlichen Bereich der Uni-Bibliothek.

Im Besitz des Stücks ist die RUB nämlich schon seit 1962; es wurde damals aus einer Sammlung von Paul Ernst erworben. Seit Nils Beese es aus dem Keller geholt hat, steht es im geschlossenen Magazin unter der Kennung ERN 7112. Dahin kommt man als Besucher nicht so einfach, die Bücher muss man vorbestellen. Mitarbeiterin Coretta Max holt sie dann aus dem Archiv.

Unter anderem stehen hier 36 Inkunabeln, also Bücher aus der Anfangszeit des Buchdrucks. „Zum Schutz der Bücher bewahren wir sie in kleinen Behältern aus säurefreiem Papier auf“, erklärt Coretta Max. Außerdem sei es wichtig, die Bücher aus dem 15. Jahrhundert vor Feuchtigkeit zu schützen. Staub hingegen schadet den Werken nicht.

Bücher mit persönlichen Widmungen

Einige Exemplare weisen Spuren des Bücherwurms auf. Kleinere Löcher säumen die zum Teil aufwendig, mühevoll dekorierten Bücher. „Diese Bücher hatten früher noch eine ganz andere Bedeutung als heute“, erzählt Nils Beese, „ein Buch war auch immer ein Ausdruck von Macht und Reichtum.“

Besonders wertvoll heute sind alte Bücher mit persönlichen Widmungen oder Notizen. „Viele Leute erwarten bei uns keine Sammlung älterer Bücher“, meint der Historiker Beese, zu neu wirke Architektur und Aussehen des Campus. Trotzdem ruhen hier einige Schätze. Im Keller werden noch circa 1000 Bücher aufbewahrt. Mal schauen, was Nils Beese beim nächsten Besuch von dort nach oben holt.

>>> Drei Fragen an Nils Beese

  1. In der Unibibliothek sieht man immer mehr Menschen, die am Computer arbeiten und immer weniger, die tatsächlich vor Büchern pauken. Braucht man Bibliotheken da überhaupt noch? Nils Beese: "Es stimmt schon, dass wir in der Uni-Bibliothek in Bochum immer weniger physische Bücher bestellen und uns vermehrt um die Ausweitung der Bib im digitalen Raum kümmern. In Forschungsbibliotheken, wie in Weimar beispielsweise, wird das Buch aber auch in Zukunft noch die wichtigste Rolle spielen."

  2. Die Uni-Bibliothek ist trotz Digitalisierung und Open-Access-Möglichkeiten von zu Hause immer noch gut besucht, wieso? Beese: "Weil eine Bibliothek sich über mehr definiert als über ihren Buchbestand. Sie war schon immer auch Sozial-, Arbeits- und Kreativraum, das ist eine gesellschaftliche Kultur und verändert sich auch mit der Digitalisierung nicht. Wir als Universitäts-Bibliothek wollen den Studierenden vor allem auch eine Möglichkeit schaffen, in Ruhe und konzentriert lernen zu können."

  3. Arbeiten und forschen Sie persönlich noch viel mit physischen Büchern? Beese: "Das kommt ganz darauf an. Möchte ich mich intensiv mit einem Thema beschäftigen, viel dazu wissen, kann das haptische Erlebnis wertvoll sein. Zeitschriftenartikel und andere kürzere Texte lese ich aber in der Regel digital. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass das eine Generationenfrage ist und sich bald noch mehr Richtung E-Books verändert."

>>> INFO: Lesesaal-Bestellung für das geschlossene Magazin

  • Wer Bücher aus dem geschlossenen Magazin der Universitätsbibliothek ausleihen möchte, muss diese vorher online bestellen. Das funktioniert über den OPAC der Ruhr-Universität.

  • Bestellte Bücher können dann an der Informations-Theke abgeholte werden (bis 12 Uhr bestellte Bücher noch am selben Tag, später bestellte am Folgetag). Einige Bücher aus dem geschlossenen Magazin sind allerdings nicht ausleihbar. Man kann aber eine „Lesesaal-Bestellung“ ausfüllen und die Exemplare dann vor Ort in der Bibliothek lesen.

  • Weitere Informationen dazu gibt es online auf: www.ub.ruhr-uni-bochum.de

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