Nachtleben

Im Bochumer „Prater“ fühlen sich Fox-Tänzer ausgegrenzt

Im „Tanzhaus“ zeigen die Disco-Fox-Tänzer im „Prater“ jetzt ihre Figuren. Es gibt Klagen. „Eine Legende ist gestorben“, meint ein Ex-Besucher

Im „Tanzhaus“ zeigen die Disco-Fox-Tänzer im „Prater“ jetzt ihre Figuren. Es gibt Klagen. „Eine Legende ist gestorben“, meint ein Ex-Besucher

Foto: Vladimir Wegener

Bochum.  Mit neuem Konzept auf verkleinerter Fläche ist die Bochumer Diskothek „Prater“ an den Start gegangen. Disco-Fox-Tänzer fühlen sich ausgegrenzt.

„Premium Nightlife“ verheißt das neue Konzept im „Prater“. Disco-Fox-Tänzer indes fühlen sich im Nachtleben ausgegrenzt. „Wir sind nicht mehr erwünscht“, klagt Arnim Sperl als „ehemaliger Stammkunde“ in einem offenen Brief an die WAZ. Die Betreiber widersprechen. „Alle Tänzer sind hier nach wie vor gern gesehen. Aber: Wir sind keine Tanzsporthalle“, sagt Geschäftsführerin Jessica Quante.

Mit bis zu 3000 Besuchern an den Wochenenden zählt der „Prater“ zu den größten deutschen Diskotheken. Zuletzt geriet das bald 30 Jahre alte Urgestein in Turbulenzen. Ein verändertes Freizeitverhalten und vielerorts ruinöse Rabattaktionen macht Marketingleiter Hendrik Büchten für die Probleme verantwortlich, die die gesamte Branche träfen: „50 Prozent des Marktes sind weggebrochen.“

„Tanzsporthalle“ statt Disko

Der „Prater“ mit seinen fast 100 Mitarbeitern soll überleben. Als „Premium“-Marke will sich die Großraumdisko mehr denn je von der Konkurrenz abheben. Dies auf kleinerer Fläche, die um 1000 auf knapp 4000 Quadratmeter geschrumpft ist. Der Gebäudeflügel hin zur Dorstener Straße wurde Anfang des Jahres aufgegeben.

Damit verschwand neben dem „Swing“ (80er-90er-Mix) auch das „Theater“: der Saal, in dem bislang die Disco-Fox-Fraktion zu Hause war. Nicht immer zur Freude der Geschäftsführung. Zunehmend hätten die Tänzer das Areal als „Tanzsporthalle“ begriffen, in der sie sich und ihre Tanzfiguren präsentierten, schildert Hendrik Büchten. „Verzehrt wurde ein Glas Wasser am kompletten Abend. Das ist für einen Gastronomiebetrieb wirtschaftlich nicht tragbar.“

Parkettboden und Klimaanlage

Die Fox-Tänzer wirbeln nun durch das „Tanzhaus“: ein neu geschaffener Clubbereich, rund die Hälfte kleiner als das 485-qm-„Theater“. „Sehr klein“ sei die Tanzfläche, „eingeengt“ fühlten sich die Besucher, schlecht sei die Luft, nicht ausreichend seien die Sitzplätze, bemängelt Arnim Sperl in seinem offenen Brief. Und: Durch die Fenster, die im „Tanzhaus“ eingebaut wurden, kämen sich die Tänzer vor „wie im Terrarium“. Fazit: „Eine Legende ist gestorben.“

Neuer Club sei „angemessen groß“

Dabei sei Freude statt Trauer angesagt, entgegnet Jessica Quante. Der neue Fox-Club sei „angemessen groß“, verfüge über einen hochwertigen Parkettboden und eine leistungsstarke Klimaanlage. „Bisher sind bei uns keine Klagen laut geworden.“ Auch gegenüber der WAZ äußern sich die Fox-Tänzer positiv. „Klar war es im ,Theater’ größer. Aber wir sind froh, dass wir überhaupt noch einen Ort für unser Hobby haben“, sagt Sarah (42). Platz genug sei vorhanden, ergänzt ein Mittänzer. „Allerdings: Einige Stammgäste von früher sind jetzt auch nicht mehr hier.“

So wie Arnim Sperl, für den es sich im „Prater“ ausgetanzt hat.

>> VIERTER CLUB SOLL BALD ERÖFFNEN

Neben dem „Tanzhaus“ stehen den Besuchern nach wie vor der „Dom“ mit Charts und House (neuerdings mit VIP-Lounges) sowie der „Goldclub“ mit Black Music zur Verfügung.

Alsbald soll ein vierter Club eröffnen. Mit welchem Konzept und welcher Musikfarbe, will der „Prater“ noch nicht verraten.

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