Erziehung

Jugendamt Bochum verzeichnet weniger „Hilfe zur Erziehung“

745 Fälle von „Hilfe zur Erziehung“ gab es 2017 in Bochum.

745 Fälle von „Hilfe zur Erziehung“ gab es 2017 in Bochum.

Foto: imago stock

Bochum.   Um 30 Prozent sind die Zahlen bei „Hilfe zur Erziehung“ in Bochum im Jahr 2017 gesunken. Aber es wurden deutlich mehr Heimaufnahmen verzeichnet.

Jahr für Jahr das Gleiche. Die Fälle, in denen Städte erzieherische Hilfen leisten, nehmen immer weiter zu. Auch in Bochum. Im vergangenen Jahr schien der Bedarf besonders groß gewesen zu sein. 508 zusätzliche Fälle, ein Plus von 10,5 Prozent, meldete der Statistikdienstleister IT-NRW – eine alarmierende Entwicklung weit über dem Landesdurchschnitt (+2,9 Prozent).

„Wir waren schockiert, als wir die Zahlen gesehen haben. Das konnte gar nicht sein“, sagt Ruth Piedboeuf-Schaper, Abteilungsleiterin des Sozialen Dienst im Jugendamt der Stadt. Tatsächlich blicke der Soziale Dienst auf ein „sehr erfolgreiches Jahr“ zurück. Übermittlungsfehler lassen offenbar die Bochumer Zahlen in einem falschen Licht erscheinen.

Stadt liegt im Landestrend

Tatsächlich liege die Stadt bei den erzieherischen Hilfen eher im Landestrend und verzeichne bei der „Hilfe zur Erziehung“ – den pädagogischen und therapeutischen Leistungen für Kinder und Jugendlichen, die im oder außerhalb des Elternhauses leben – sogar eine äußerst positive Entwicklung.

745 Fälle bedeuten einen Rückgang um fast 30 Prozent gegenüber 2016. „Und darauf sind wir schon ziemlich stolz“, so Piedboeuf-Schaper. Zurückzuführen sei das auf die intensive Vorbeugung, die mit 32 Schulsozialarbeitern, elf Stellen der Kita-Sozialarbeit sowie mit dem Netzwerk von Partnern wie Gesundheitsamt, Beratungsstellen und anderen betrieben werde.

Fälle von Heimerziehung steigen um 17 Prozent

Insgesamt bleibt der Hilfebedarf, der von der Erziehungsberatung bis zur Heimaufnahme reicht, aber auf einem hohen Niveau. Um 17 Prozent zugenommen hat die Zahl der Heimerziehung (770) – vor allem wegen der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Auf 432 verdoppelt hat sich sogar die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit seelischer Behinderung.

Die Gründe für diesen dramatischen Anstieg, den auch andere Jugendämter in Großstädten feststellen, sind vielfältig. Sie beruhen auf persönlichen Fehlentwicklungen ebenso wie auf äußere Umstände und äußern sich in Verhaltensstörungen, Entwicklungsstörungen, Suchtkrankheiten.

Soziale Missstände, Armut, falscher Umgang mit Medien und Sozialen Medien spielen dabei eine Rolle. Und: „Wir erleben immer mehr überforderte Eltern“, so die Abteilungsleiterin.

2018 wahrscheinlich wieder Anstieg

Für 2018 zeichnet sich bereits ab, dass nicht erneut weniger Hilfen geleistet werden. Gerade Migranten, die Gemeinschaftseinrichtungen verlassen und in eigene Wohnungen ziehen, haben einen großen Bedarf an Unterstützung. Landesweit hatten 2017 insgesamt 36 Prozent der jungen Menschen, die Hilfen zur Erziehung erhalten, eine ausländische Herkunft.

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