Umwelt

Kleine Forscher neugierig auf Expedition in ihrer Stadtnatur

Nma (9), Johanna (8) und Lena (8) v.l. erleben im Rahmen der Aktion „Wildnis für Kinder" die Naturfläche in Westenfeld.

Nma (9), Johanna (8) und Lena (8) v.l. erleben im Rahmen der Aktion „Wildnis für Kinder" die Naturfläche in Westenfeld.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Westenfeld.  Die Wildnis für Kinder öffnet sich wie eine kleine Oase neben der Straße. Insekten und unzählige Bäume und Kräuter lassen sich ganz nah erleben.

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Hier würde auch kein Navigationsgerät weiterführen, zur Orientierung dient nur das heruntergetretene Gras. Da muss ja schon jemand hergestapft sein. Wer es weiß, erkennt, dass tatsächlich schon so etwas wie ein Weg durch die Sträucher und Brombeerranken einigermaßen angelegt ist, aber auch nur, weil geschichtete Totholzstapel den Rand markieren. Willkommen in der Wildnis für Kinder, gleich neben der Westenfelder Straße und in Sichtweite der Häuser am Frankenweg.

Ganz nah und gleichzeitig weit weg ist die quirlige Truppe hier in „ihrer“ Stadtnatur, denn sie hat nichts gemeinsam mit den Grünanlagen, die die Sieben- bis Neunjährigen kennen. Einige aus der Kindertagesstätte an der Lohackerstraße kennen sogar diese „Wildnis für Kinder“ schon, die auf Initiative der Biologischen Station Östliches Ruhrgebiet in Herne hier ausgewiesen ist. Die hat für heute auch drei „Expeditionsführerinnen“ geschickt, die den neugierigen Besuchern zeigen und erklären, was sich ihnen hier so bietet. Die sind schon mit Feuereifer dabei, Grashüpfer und Käfer in Bechergläsern einzusammeln und anschließend durch die Lupe zu untersuchen.

Grashüpfer mit ganz langen Fühlern

„Es gibt welche mit kurzen Fühlern,“ erklärt Antonia Hammer, „und welche mit Fühlern, die so lang sind wie die Grashüpfer selbst.“ Die Kinder zucken noch ein bisschen zurück, wenn eins der Insekten mit großen Sprüngen entkommt, aber ein „iiiih!“ ist hier nicht zu hören. Alles ist neu, alles ist spannend, aber nichts ist eklig.

Daniel Fey aus Wanne-Eickel, der „irgendwie“ von dem Termin für die Exkursion in die Kinder-Wildnis erfahren hat, ist mit seinen Jungs Ben und Leo dabei. Alle tragen robuste Hosen, Gummistiefel oder Wanderschuhe. „Die sind alle wirklich einfach zu begeistern,“ meint Fey schmunzelnd, „und an die Spielkonsole oder das Tablet denken die im Moment überhaupt nicht. Hier kann man alles sehen, fühlen, riechen, das ist viel spannender.“

Karten zur genauen Bestimmung

Einen Stapel Karten hat Lisa Habenichts von der Biologischen Station dabei, um Insekten und Pflanzen zu bestimmen und zu vergleichen. Lisa ist Geografin und froh, heute den Kindern die „Natur näher bringen zu können.“ Dabei findet sie es schon erstaunlich, „wie viel die schon wissen.“ Gerade hat eins der Mädchen ohne lange zu rätseln den Schößling im hohen Gras als „Stieleiche“ erkannt. „Stadtgeografie ist spannend,“ meint Lisa, „ich will auf keinen Fall später nur im Büro oder im Labor hocken und Gutachten wälzen.“

Es bleibt spannend für die kleinen Forscher, sie sollen mit einer Binde über den Augen die Rinde der Bäume erst ertasten und anschließend die Stämme wiederfinden. Oder ihr Partner führt sie sozusagen „blind“ durch die holprige Gegend, vorsichtig um alle Hindernisse herum.

Kinder kennen sonst nicht viel Wildes

Antonia Hammer, heute die „Chefin“ im Gelände, hat mit einem Praktikum in der Biologischen Station angefangen und Geschmack am praktischen Teil gefunden: „Ich finde es hier einfach super, cool.“ Auch Nancy Westermeier, Leiterin der Kita Lohackerstraße, staunt, obwohl ihre Hortkinder schon regelmäßig in der „Wildnis für Kinder“ sind. „Es könnte ruhig mehr von solchen Flecken geben,“ meint sie, „die Kinder kennen ja sonst nur Parks oder Friedhöfe.“

Auf eigene Faust sollten die Kinder allerdings in dem weitläufigen Gelände vielleicht doch nicht unterwegs sein. Antonia erzählt: „Als wir hier vorher nach dem Müll geguckt und ein bisschen Platz zum Durchkommen gemacht haben, hab’ ich schon gedacht: Hier hört dich keiner.“

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