Familienerbstück

Luther-Psalter von 1599 gibt Bochumerin manches Rätsel auf

Monika Bauriedl mit ihrem Luther-Psalter aus dem späten 16. Jahrhundert.

Monika Bauriedl mit ihrem Luther-Psalter aus dem späten 16. Jahrhundert.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum.  Monika Bauriedl aus Bochum ist im Besitz eines Luther-Psalters von 1599. Das Familienerbstück gibt manches Rätsel auf.

Das Buch ist eher klein, aber kompakt, es liegt schwer in der Hand. Dem Pergamenteinband sieht man an, dass er schon sehr oft angefasst worden sein muss. Auch beim Umblättern der Seiten sollte man vorsichtig sein - kein Wunder, das „gute Stück“, um das es sich hier handelt, ist ein original Luther-Psalter - gedruckt 1599!

Sicher aufbewahrt

Besitzerin des Buches ist die Bochumerin Monika Bauriedl, die das Familienerbstück an einem sicheren Ort aufbewahrt. „Das Buch liegt in einem Safe; solange, bis ich weiß, wo ich damit dran bin.“ Das ist nämlich offenbar nicht so leicht zu sagen, Bauriedl hat schon verschiedene Versuche unternommen, um eine Einschätzung über den historischen und den finanziellen Wert des 420 Jahre alten Stückes ist. Mit bislang wenig Erfolg, zwar füllen ihre Schreiben an Museen, Bibliotheken und Antiquariate inzwischen einen ganzen Hefter. Aber richtig weitergekommen ist die Gertherin nicht.

Aus dem Besitz der Uroma

Der Psalter - eine Ausgabe der biblischen Psalmen in Martin Luthers Übersetzung - entstammt dem Familienbesitz. „Schon meine Uroma hatte das Buch Anfang des 20. Jahrhunderts in Gebrauch“, sagt Bauriedl. Aber offenbar ist es noch viel älter. Wie und von wem es in grauer Vorzeit in die Familie kam, weiß Bauriedl nicht, sie habe ihre Familiengeschichte nicht weiter als ins 19. Jahrhundert untersucht, sagt sie.

Nach dem Tod ihrer Mutter hatte sie das Druckwerk bei der Wohnungsauflösung gefunden. „Ich habe es somit geerbt“, sagt die Bochumerin. Unbedingt behalten möchte sie es nicht: „Ich habe keine Verwendung mehr dafür.“

Viele Recherchen

Bauriedl würde es gern an eine Bibliothek vermitteln, oder auch verkaufen. Nur: Wieviel ist der Psalter wohl wert? Das steht nicht wirklich fest: „Angeblich einen vierstelligen Euro-Betrag.“ Um den Stand der Dinge zu checken, hat Bauriedl Briefe geschrieben und Emails verschickt. Viel ist, wie gesagt, dabei nicht herausgekommen.

Immerhin weiß sie nun, dass die besagte Luther-Ausgabe von 1599 relativ selten in Bibliotheken vorhanden ist, es gibt Exemplare in der Württembergischen Landesbibliothek, in der Staatsbibliothek Berlin sowie in Glasgow.

Mit Zierelementen

Typisch für diese spezielle Druckausgabe ist deren Gestaltung. Der Drucker hat sie mit ansprechenden Holzschnittbordüren sowie Initialen und anderen typographischen Zierelementen ausgestattet. Wertmindernd, so erfuhr Bauriedl, könne sich der Zustand des Artefakts erweisen. „Das Buch müsste restauriert werden, zumal der Einband hat es nötig“, sagt die Bochumerin.

Aus diesen Gründen meldete sie sich in der Redaktion. „Ich würde wirklich gern wissen, was ich da in meinem Besitz habe und was es wert ist“, sagt Monika Bauriedl. Sie will nichts unversucht lassen, um das Geheimnis um das Familienerbstück aus dem 16. Jahrhundert zu lüften.

Hinweise erbeten

Wenn sie es abgeben würde, dann nicht unter Wert, sagt die Bochumerin: „Ich möchte nicht, dass es als Spekulationsobjekt angekauft und möglicherweise überteuert im Internet verhökert wird.“ Wer helfen kann, möge sich mit der WAZ-Redaktion in Verbindung setzen (kultur.bochum@waz.de).

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