WAZ-Hilfsaktion

Mit Rolli-Spende geht’s für behinderten Bochumer aufwärts

Dank an alle Spender: (v.l.) Sabine und Marvin Reinke mit den „Ruhrroller“-Kameraden Robert Zühlsdorf, Peter Kalthoff und Dietmar Erhardt.

Dank an alle Spender: (v.l.) Sabine und Marvin Reinke mit den „Ruhrroller“-Kameraden Robert Zühlsdorf, Peter Kalthoff und Dietmar Erhardt.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.   Vor einem Jahr startete die WAZ eine Hilfsaktion für einen behinderten Jungen in Bochum. Ein Sportrollstuhl gibt Marvin nun Kraft und Lebensmut.

„Hockey bedeutet mir alles“, sagte Marvin Reinke, als ihn die WAZ Ende 2017 erstmals daheim in Weitmar besuchte. Es war der Beginn einer Hilfsaktion, die den heute 18-Jährigen entscheidend vorangebracht hat. „Ohne die WAZ und die weiteren Unterstützer“, sagt der Rollstuhlfahrer, „wäre ich nicht da, wo ich bin.“

Seit der Geburt leidet Marvin an einer spastischen Lähmung. Seit 2016 ist er auf den Elektrorollstuhl angewiesen. Für die Ruhrrollers von Tusem Essen geht er in der 3. Bundesliga auf Torejagd. Der Hockey-Sport gibt ihm Kraft und Lebensmut. Doch der Verband hat neue Regeln eingeführt. Im Liga-Betrieb sind nur noch Rollis mit 13 km/h Höchstgeschwindigkeit zugelassen. Marvins altersschwaches Modell brachte es nur auf sechs Stundenkilometer.

WAZ-Bericht löst Welle der Hilfsbereitschaft aus

Hilfe von ihrer Krankenkasse durften die Reinkes nicht erwarten. Die Rolli-Ausstattung für Sportarten falle „nicht in die Leistungspflicht“, hieß es bei der Techniker-Krankenkasse. Letzte Lösung: die WAZ.

Tatsächlich löste der Bericht eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Zahlreiche Leser spendeten Geld. Das Care-Center Rhein-Ruhr erwirkte einen Preisnachlass beim Hersteller. Das Taxi- und Krankenfahrten-Unternehmen Reitemeier Hebben leistete ebenso einen Beitrag wie die Solidarfonds-Stiftung NRW.

„Genial!“, strahlte Marvin, als er im Frühjahr 2018 seine ersten Proberunden mit dem neuen Rolli drehte. Haken links, Haken rechts, blitzschnell vor und zurück: „Großartig! Kein Vergleich zu meinem alten Rolli.“ Mutter Sabine war zu Tränen gerührt: „Allein hätten wir das nie geschafft. Marvin hätte seinen Sport wohl aufgeben müssen.“

Auch in der Schule ist alles top

Das wäre fatal gewesen, sagt Sabine Reinke beim Wiedersehen ein Jahr später. Selbstbewusster sei ihr Sohn geworden, eigenständiger, mutiger. Das zeigt sich nicht zuletzt im Berufskolleg in Wetter, wo Marvin den Hauptschulabschluss anstrebt und inzwischen zu den Klassenbesten zählt. „Schulisch soll es in jedem Fall weitergehen. Ohne den Sport hätte ich mich niemals so entwickelt“, sagt er und seine Augen blitzen.

Dankbar sind sie auch bei den Ruhrrollers. „Die Mindestgeschwindigkeit für die Turnier-Rollis ist ein großes Problem im Behindertensport. In Holland übernehmen die Kassen die Kosten. In Deutschland leider nicht“, schildert Trainer Robert Zühlsdorf. Viele Familien könnten die 10.000 Euro nicht stemmen. Der Sport bleibt auf der Strecke.

Lob von der Hockey-Nationaltrainerin

Nicht so bei Marvin. Gut bewährt habe sich der neue, leistungsstarke Rolli. Bei den Ruhrrollers hat er es zum Jugendwart gebracht. In der Liga steht am Samstag ein Heimspiel in Essen, im August ein internationales Turnier in Eindhoven an.

Für Marvin geht’s bergauf. In der Schule mit guten Noten. Im Sport mit einem Sonderlob der Hockey-Nationaltrainerin, die dem Bochumer bescheinigte: „Aus dir kann was werden.“ Die damaligen Spender haben dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet. „Dafür“, so Familie Reinke, „sagen wir von Herzen Dank.“

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