Awo

Mit Rost und Kohle erinnert Bochum an Awo-Gründerin Juchacz

Der Künstler Julien Deiss (rechts) unterhält sich dem Kurator Frank Schablewski. Im Hintergrund sein Bild von Marie Juchacz.

Der Künstler Julien Deiss (rechts) unterhält sich dem Kurator Frank Schablewski. Im Hintergrund sein Bild von Marie Juchacz.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum-Hofstede.  Gemälde von Marie Juchacz wurde anlässlich des 100. Jubiläums der Awo angefertigt. Entstanden ist die Awo-Gründerin aus Rost und Kohle.

Marie Juchacz zieht alle Blicke auf sich. Eindeutig sind Haltung und Gesicht nicht zu lesen. Manchmal wirkt ihr Blick streng, manchmal wirkt er vertraulich. Je nach Standpunkt im Empfangsraum des Verwaltungszentrums der Arbeiterwohlfahrt (Awo) werden andere Charakteristika der Frau betont.

Keine bloße Kopie eines Fotos

Das stand im Fokus des Malers Julien Deiss: Sein Gemälde der Awo-Gründerin sollte schließlich keine Kopie einer Fotografie, sondern eine besondere und komplexe Darstellung ihrer Person werden. 1919 hat Marie Juchacz die Arbeiterwohlfahrt gegründet. 100 Jahre später feiert die Awo in Bochum das Jubiläum mit mehreren Festen, möchte jedoch auch eine langfristige Erinnerung schaffen.

Mahnung und Ermunterung zugleich

„Das Bild dient als Symbol. Es soll etwas Bleibendes für die Nachfolge sein“, sagt Serdar Yüksel, Unterbezirksvorsitzender der Awo. Dabei soll es Mahnung und Ermunterung zugleich sein: Bei der Suche nach einer geeigneten Porträtvorlage ist zum Beispiel aufgefallen, dass es kein einziges Bild von Marie Juchacz aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 gibt. Sie floh in dieser Zeit über Frankreich bis in die USA.

Kontakt zum Künstler bestand schon

Die Künstlerwahl fiel nicht schwer: Serdar Yüksel kennt Julien Deiss schon seit einigen Jahren durch eine Ausstellung im Bochumer Schauspielhaus. Die Idee, ein Gemälde von „Marie“ anfertigen zu lassen, besteht schon seit einiger Zeit. Vor einem Jahr begann die konkretere Planung, Anfang des Jahres hat Julien Deiss die Räumlichkeiten begutachtet und sich für die hohe Wand als Ort für sein Gemälde entschieden.

Der Arbeitsprozess hat nicht nur in Deiss‘ Atelier in Kopenhagen stattgefunden, sondern auch in einer Scheune in Mettmann: „Hier konnte ich die Größe das erste Mal richtig auf mich wirken lassen“, sagt der Künstler. Außerdem habe er dort die Möglichkeit gehabt, die perspektivische und lichtabhängige Gestaltung durch etwa veränderbare Lichtverhältnisse vorzunehmen.

Bild hängt in der Awo-Zenrale

Mittlerweile hängt das zwei mal drei Meter große Portrait in der Awo-Zentrale. Zur Vernissage spricht Frank Schablewski über Marie Juchacz und das Gemälde, das drei Fotografien zur Vorlage hatte: Eine aus Marie Juchacz‘ Jugend, eine aus der Mitte ihres Lebens und eine, die sie als ältere Frau zeigt. Die Verwendung von Rost und Kohle auf der Leinwand stellt nicht nur einen lokalen Bezug zum Ruhrgebiet her, sondern sorgt auch für etwa ein leuchtendes Orange, das die generell in diesem Farbton gehaltene „Marie“ an einigen Stellen besonders konturiert. Was nun noch fehlt, ist eine Informationstafel neben dem Gemälde, die Marie Juchacz und ihr Wirken vorstellt.

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