Schwurgericht

Mordprozess um Audi R8: Angeklagter liefert neue Tatversion

Auf dem Foto ist der Audi R8 abgebildet, der einem Russen auf mörderische Weise geraubt wurde. Der Wert des Autos: 81.000 Euro.

Foto: Polizei Bochum

Auf dem Foto ist der Audi R8 abgebildet, der einem Russen auf mörderische Weise geraubt wurde. Der Wert des Autos: 81.000 Euro. Foto: Polizei Bochum

Bochum/Witten.  Der Prozess um den Raubmord an einem Verkäufer eines Audi R8 neigt sich dem Ende entgegen. Trotzdem gab es am Freitag eine weitere Tatversion.

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Einer der beiden Angeklagten (30, 33) in dem Mordprozess ist ein eiskalter Lügner. Sie beschuldigen sich gegenseitig, einen russischen Verkäufer (29) eines 81 000 Euro teuren Audi R8 erwürgt zu haben, um den Sportwagen zu erbeuten. Am 11. Dezember will das Schwurgericht in Bochum entscheiden, wer der Lügner ist – und der Mörder. Bereits am 24. November soll der Oberstaatsanwalt sein Plädoyer halten.

Seit Juli dauert nun die Wahrheitssuche der Richter. Trotzdem hat der 33-Jährige, ein Bochumer, am Freitag eine weitere, völlig neue Version des vermeintlichen Tatgeschehens erzählt. Beiden Angeklagten droht „lebenslänglich“ wegen heimtückischen Mordes aus Habgier.

Mit der Beute im Internet geprahlt

Laut Anklage begingen die beiden die Tat am 16. Januar in der Wohnung des 33-Jährigen im Werner Norden.Der 30-Jährige soll den R8-Besitzer, der extra aus Moskau für den Verkauf angereist war, abgelenkt und der 33-Jährige ihn dann von hinten in den Schwitzkasten genommen und einen Hammer auf seinen Kopf geschlagen haben.

Das Opfer erstickte. Danach – so der Vorwurf – versteckten die beiden die Leiche in einem Waldstück in Witten-Durchholz. Nach der Tat fuhren die Männer mit dem R8 des Toten durch die Gegend und prahlten damit im Internet.

Skrupellosigkeit, Egozentrik und völlige Gefühllosigkeit

Es gibt sehr große Zweifel, ob der 33-Jährige, ein Auto-Tuner, die 81 000 Euro für den Russen überhaupt besaß. „Ich habe ihm das Geld übergeben“, behauptete er am Freitag. Der Mitangeklagte habe den Russen dann völlig überraschend erwürgt. Nachher habe er der Leiche sogar die Finger abschneiden wollen, um eigene DNA-Spuren unter den Fingernägeln zu beseitigen. Der 30-Jährige aber, der damals bei der Tat dabei war, sagt, dass der andere den Russen getötet habe.

Eine Psychiaterin hält den wegen Betruges mehrfach vorbestraften 33-Jährigen für voll schuldfähig. Sie attestierte ihm am Freitag Skrupellosigkeit, Egozentrik und völlige Gefühllosigkeit bei der Durchsetzung materieller Interessen.

Am Freitag wurde auch bekannt, dass der 33-Jährige, der sich in der U-Haft einen Vollbart hat wachsen lassen, einen Kassiber aus dem Gefängnis herausgeschmuggelt haben soll. Darin bestellte er von seinem Vater Hefe, Pfeffer und ein Handy. Das Handy, sagte er, habe er in der JVA verkaufen wollen. „Die Handys gehen da für 1000 Euro weg.“ Gefunden wurde der Kassiber Anfang November bei einer Durchsuchung der Wohnung seines Vaters.

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