Kino

Netflix-Produktion „The Irishman“ rückt ins Kino-Programm

Opulente Bilder in „The Irishman“: Joe Pesci (li.) als Russell Bufalino und Robert De Niro als Frank Sheeran in einer Filmszene.

Opulente Bilder in „The Irishman“: Joe Pesci (li.) als Russell Bufalino und Robert De Niro als Frank Sheeran in einer Filmszene.

Foto: DPA

Bochum.  Kino-Geschichte mit vielen Wendungen: Martin Scorseses „The Irishman“ wurde fürs Internet produziert, läuft nun aber doch im Metropolis.

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Für Fans des kunstvollen Kinos ist es das Ereignis des Jahres: Martin Scorseses neues, gewaltiges Epos „The Irishman“, eine Fortschreibung und – möglicherweise – der Endpunkt der langen Reihe von Mafia-Filme des US-Kultregisseurs.

Auffällig aber, dass der von der Filmkritik hoch gelobte Krimi „The Irishman“ nur in einem einzigen Kino in Bochum und auch dort nur in einer einzigen Vorstellung pro Woche läuft. Woran liegt das? Wohl nicht nur an der herausfordernden Länge des nicht-synchronisierten Spielfilms, die dreieinhalb Stunden beträgt. Sondern eher an den speziellen Umständen der Filmrechte, die mit „The Irishman“ zusammenhängen.

Einer, der sich intensiv mit der Problematik auseinandergesetzt hat, ist Michael Meier, der Betreiber des Metropolis, des Casablanca und des Capitol. Der Bochumer Kino-Mogul hat „The Irishman“ auf eigene Faust auf den Spielplan gesetzt, wenn man es so sagen will. „Ich wollte diesen starken Film unbedingt auf der großen Leinwand zeigen“, sagt Meier.

Opulenz und Starbesetzung

Ein irritierendes Unding, denn das Scorsese-Opus wurde gar nicht fürs Kino, sondern für den Streamingdienst „Netflix“ produziert. Aber warum landet solch‘ ein Opus, das wegen seiner Opulenz und seiner Starbesetzung (Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci, Harvey Keitel) nach der großen Leinwand geradezu schreit, im Internet? Meier vermutet, dass es die explodierenden Kosten waren, die dem Kino-Produzenten Paramount Pictures die Lust genommen haben; „es ist von 150 Millionen Dollar die Rede“, sagt Meier. So kam es, dass Netflix die Rechte übernahm. Mit der Absicht, „The Irishman“ kostenpflichtig im Internet zu vermarkten.

In voller Länge, über drei Stunden

Dennoch blieben weltweit Kino-Enthusiasten nicht untätig. Auch der deutsche Filmwelt-Verleih nahm „The Irishman“ in sein Programm auf, wenn auch nur für kurze Zeit. So kam Michael Meier mit seinen Bochumer Kinos an Aufführungskopien; in dieser und der nächsten Woche wird das Werk im Metropolis-Kino im Hauptbahnhof gezeigt. In voller Länge, also über drei Stunden.

Für Meier ist die Entwicklung um „The Irishman“ bezeichnend für ein verändertes Sehverhalten.

Erlebniswelt Kino in Gefahr

„Streaming wird immer populärer, anspruchsvolle Filme haben es im Kino immer schwerer.“ Zwar sorgten Blockbuster wie die Marvel-Fantasy-Abenteuer dafür, dass der Zulauf in die Kinos im ablaufenden Jahr sogar Zuwächse hatte. Aber mittelfristig, fürchtet Meier, „geht die Erlebniswelt Kino verloren, wenn wir nicht aufpassen“.

„Büchse der Pandora“

TV-Filme im Kino zu zeigen, hält Meier für zweischneidig: „Hoffentlich öffnen wir damit nicht die Büchse der Pandora“, sagt er. Meint: Große Filmfirmen wie Disney könnten zukünftig gar nicht mehr fürs Kino produzieren, sondern stattdessen bloß ihre Internet-Streaming-Produktionen dorthin umheben. Als Zweitverwertung, nicht als originäres großes Kino für die große Leinwand.

Dass aber Internet-Produktionen wie jetzt „The Irishman“ doch noch im Kino laufen, hat einen anderen, simplen Grund: Netflix möchte mit seinen Filmen gern Preise gewinnen, am liebsten den „Oscar“. Die Regularien der Film-Branche schreiben dafür allerdings eine Kinoverwertung zwingend vor. So müssen etwa Filme, die für den Oscar nominiert werden, mindestens sieben Tage in einem Kino im Großraum Los Angeles zu sehen sein.

Schielen auf den „Oscar“

Bei „The Irishman“ ist das der Fall. Ihm werden jetzt schon gute Chancen auf die begehrteste Trophäe im Film-Business eingeräumt.

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