Gewalt

Neue Kampagne: Stadt Bochum fordert von Bürgern Respekt ein

Auch bei der Arbeitsvermittlung kommt es immer wieder zu verbalen Übergriffen.

Auch bei der Arbeitsvermittlung kommt es immer wieder zu verbalen Übergriffen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Markus Scholz

Bochum.  „Respekt bitte!“: So heißt eine Kampagne der Stadt Bochum. Immer mehr Mitarbeiter werden bedroht und beleidigt. Dem müsse man entgegentreten.

Mitarbeiter der Stadtverwaltung sehen sich immer häufiger Beleidigungen und Feindseligkeiten ausgesetzt. Es kam auch schon zu Übergriffen. „Der Anstand kommt unter die Räder“, warnt Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD). Zusammen mit dem Personalrat startete er am Donnerstag eine Kampagne. Titel: „Respekt bitte!“

Polizeibeamte und Feuerwehrleute im Einsatz, Mitarbeiter im Jobcenter und in der Arbeitsagentur, zuletzt die Müllwerker des USB auf den Wertstoffhöfen: Sie alle klagen über zunehmende Attacken, Pöbeleien und Aggressionen bis hin zu Gewalt. Die unsäglichen, meist anonymen Hasstiraden in den sozialen Medien, so scheint es, finden ihre Fortsetzung im realen Leben. „Opfer“, sagt Thomas Eiskirch, „werden dabei ausgerechnet die Menschen, die eigentlich helfen und unterstützen wollen.“

Personalrat: Kollegen werden aufs Übelste beschimpft

Das erleben auch viele der 6000 Beschäftigten der Stadt. „Kollegen werden aufs Übelste beschimpft. Das wird immer mehr und geht quer durch alle sozialen Schichten und Nationalitäten“, beobachtet der stellvertretende Personalratsvorsitzende Uwe Schmidt.

Die Verwaltungsspitze hat reagiert und mit dem Personalrat eine Dienstvereinbarung unterzeichnet. Per Notfallknopf auf dem Computer-Bildschirm können Mitarbeiter, die sich bedroht fühlen, ihre Kollegen im Nachbarbüro alarmieren. Ein Betriebspsychologe kümmert sich um Kolleginnen und Kollegen, die brenzlige Situationen durchstehen mussten. Zudem sind im Rathaus Sicherheitskräfte unterwegs: vor allem im Sozialamt, im Ausländeramt und im Bürgerbüro, wo es besonders häufig zu Wortgefechten kommt.

Kampagne wendet sich direkt an die Bürger

Mit der „Respekt“-Kampagne geht die Stadt nun einen Schritt weiter und wendet sich direkt an die Bürger. „Sie verdienen Respekt – unsere Beschäftigten auch!“, heißt es auf mehr als 40 Aufstellern, die bald in allen städtischen Dienststellen und Bezirksverwaltungen stehen werden. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt arbeiten engagiert dafür, Ihre Anliegen gut und so schnell wie möglich zu bearbeiten. Auch wenn hierbei mal etwas nicht gelingt, sollte ein respektvoller Umgang selbstverständlich sein. Das erwarte ich von den Beschäftigten und auch von Ihnen!“, appelliert Eiskirch auf den Plakaten, die sein Konterfei zeigen.

Der OB, der schon mehrfach selbst bedroht wurde, weiß: „Die, die man eigentlich erreichen müsste, erreicht man damit wohl nicht.“ Personalrat Schmidt ergänzt: „Schlimm, dass man eine solche Kampagne überhaupt braucht.“ Beide unterstreichen dennoch die Notwendigkeit der „Respekt“-Offensive. Sie biete wichtige Rückendeckung für die Mitarbeiter – und sei dazu angetan, manche Bürger zum Nach-, bestenfalls Umdenken zu bewegen.

Gespräche mit Polizei und Feuerwehr

Die Stadtverwaltung sei derzeit auch in Gesprächen mit der Polizei und Feuerwehr, die sich besonders häufig einem lärmenden, schamlosen und gewaltbereiten Pöbel gegenübersehen. Gemeinsam, so Eiskirch, gelte es, die wachsenden „Grenzüberschreitungen“ einzudämmen und zu einem vernünftigen Umgangston zurückzukehren. „So geht es nicht weiter.“

Leserkommentare (8) Kommentar schreiben