Gastronomie

„Omi backt“ in Bochum: Seniorinnen bessern ihre Rente auf

Renate Nolte (65) ist eine von insgesamt fünf Seniorinnen, die im Café „Omi backt“ in Bochum-Ehrenfeld Teig knetet.

Renate Nolte (65) ist eine von insgesamt fünf Seniorinnen, die im Café „Omi backt“ in Bochum-Ehrenfeld Teig knetet.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  Im Bochumer Café „Omi backt“ stehen Seniorinnen am Backofen. Seit Oktober hat das Café in Ehrenfeld geöffnet. Eine feste Karte gibt’s nicht.

Der Quarkstreusel-Kuchen bräunt im Ofen – das Landfrauenkochbuch liegt aufgeschlagen neben der Rührschüssel. Renate Nolte (65) knetet dort mit in Jahrzehnten geübten Handgriffen den nächsten Teig. Im Café „Omi backt“ in Bochum-Ehrenfeld bessern Seniorinnen mit ihren Lieblingskuchen ihre Rente auf. „Ehrliche Küche“, nennen das die beiden Café-Betreiber. „Wie eine große Familie ist das“, sagen die Seniorinnen.

Und genau das – so erzählen es Arndt Klomfass und Uli Köllner – sei die Idee des gemeinsamen Cafés an der Hunscheidtstraße gewesen. „Meine Oma backt sehr gerne, die Familie aber kommt zu selten zum Essen zum Besuch.“ Und so backt Oma Klomfass nun regelmäßig mit vier anderen Seniorinnen Torte, Muffins und Blechkuchen für die zahlende Kundschaft.

Café „Omibackt“ in Bochum hat keine feste Speisekarte

Als das Cupcake-Café „Zuckerbäckerei“ die Räume in Ehrenfeld aus Platzgründen verließ, schnappten sich die beiden Geschäftsmänner das Ladenlokal und renovierten es innerhalb von zwei Monaten. Ein alter Schrank markiert nun die Durchreiche in die offene Küche, die original 80er-Jahre-Fliesen haben die Heimwerker unter dem alten Boden hervorgeholt. Rezepte aus einem 50er Jahre Flohmarkt-Kochbuch verzieren die Wände. Eine feste Speisekarte gibt es nicht. Gegessen wird, was in der Glasvitrine landet – sowie Eis und Waffeln.

Welche Kuchen es gibt, bestimmen die Seniorinnen. Sie diktieren ihren Chefs in einer gemeinsamen Chat-Gruppe eine Einkaufsliste mit den benötigten Zutaten. Renate Nolte etwa steht zwei bis dreimal in der Woche im Café. 450 Euro bekommen die Senioren für ihre Arbeit. „Mir macht die Arbeit hier total Spaß“, sagt Renate Nolte. Die ehemalige Verwaltungsangestellte ist im Februar in Rente gegangen und hat nun ihr Hobby zum (Halbtags-) Beruf gemacht.

In der Nachbarschaft scheint der Laden gut anzukommen. „Am Sonntag waren wir um 16.45 Uhr ausverkauft. Die Kuchen waren aufgegessen“, sagt Uli Köllner. Und wenn doch mal etwas übrig bleibt? „Wir bieten das bei der App ‘To good to go’ an.“ Über diese App verkaufen einige Restaurants und Cafés übrig gebliebene Ware für einen Bruchteil des Originalpreis – anstatt sie wegzuschmeißen.

Betreiber suchen weitere Omis (und Opis) mit Freude am Backen

Für die Café-Inhaber ist „Omi backt“ ein Herzensprojekt, so sagen sie. Im „richtigen Leben“ arbeiten sie als Werbefach- und Immobilienkaufmann. „Uns ging es immer um Spaß“, sagt Uli Köllner. Die Café-Betreiber wollen ihr Café-Konzept auch in anderen Städten fortführen. „Wir denken über Filialen und Düsseldorf und Essen nach.“

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