Podiumsdiskussion

Politische Podiumsdiskussion am Bochumer Neuen Gymnasium

Sie diskutierten im Neuen Gymnasium über die „Zerstörung der Volksparteien“: (v.li.) Oliver Fahle, Sarah Philipp, Kurt Cácerees, Wibke Brems, Moderator Tim Pöppel und Christian Haardt..

Sie diskutierten im Neuen Gymnasium über die „Zerstörung der Volksparteien“: (v.li.) Oliver Fahle, Sarah Philipp, Kurt Cácerees, Wibke Brems, Moderator Tim Pöppel und Christian Haardt..

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum.  Welche Rolle spielen Volksparteien noch in der Politik? Bei einer Podiumsdiskussion am Neuen Gymnasium gab es überraschende Antworten.

Um zehn Uhr morgens sind die Stühle in der Aula des Neuen Gymnasiums bis auf den letzten Platz besetzt, denn die Schüler und Schülerinnen des Leistungskurses Sozialwissenschaften Q2 hatte die gesamte Oberstufe zur eigens organisierten Podiumsdiskussion eingeladen. „Die Zerstörung der Volksparteien!? – Wohin entwickelt sich unser politisches System in Zeiten von Fridays For Future, Youtube und Social Media?“ lautet ihre Ausgangsfrage.

Politiker, Aktivist und Wissenschaftler diskutieren mit

Eingeladen hatte der Kurs den Film- und Medienwissenschaftler der Ruhr-Universität, Oliver Fahle, die SPD-Politikerin Sarah Philipp, Kurt Cácerees als Mitglied der Bewegung Fridays For Future (FFF), die Grünen-Politikerin Wibke Brems sowie den CDU-Politiker Christian Haardt.

Die drei Schüler-Moderatoren halten sich nicht mit höflichem Geplauder auf, sondern kommen gleich auf drängende Fragen zu sprechen. Drei zentrale Fragen gliedern die Diskussion: Wie lässt sich der Stimmrückgang der etablierten Parteien begründen? Welche Bedeutung hat Social Media für Politik und Wahl? Welche Bedeutung trägt die ökologische Dimension für die derzeitige politische Entwicklung?

Starker Stimmrückgang bei den Parteien

Sarah Philipp (SPD) erklärt den Stimmrückgang ihrer Partei mit deren verfehlter Sozialpolitik und einer Wählerwanderung zu den Grünen. CDU-Mann Haardt, der auf das Video des Youtubers Rezo angesprochen wird, gesteht eine dilettantische Reaktion der CDU ein, bezweifelt jedoch einen Einfluss des „Zerstörungsvideos“ auf die Wählerschaft der CDU.

Vielstimmigkeit prägt die Diskussion

Als Antwort auf die Frage nach der Bedeutung von Social Media erläutert Medienwissenschaftler Fahle, es habe einen Umbruch in der Art und Weise der politischen Einflussnahme durch Medien gegeben. Nachkriegsdemokratie und politische Information durch klassische Medien wie Zeitung, Rundfunk oder Fernsehen würden immer mehr durch Soziale Medien abgelöst. Heute prägten Vielstimmigkeit, die Auflösung von Hierarchien, Komplexität und Authentizität die aktuelle Politik.

Energische Diskussion

Deutlich lebhafter und energischer wird die Diskussion beim Thema der ökologischen Dimension. Auch wenn die Frage lautet, welchen Einfluss Klimathemen auf Gesellschaft und Politik haben, geraten die Teilnehmenden bald in eine klimapolitische Diskussion, allen voran Kurt Cáceeres von FFF.

Scharfe Kritik seitens „Fridays Fot Future“

Scharf kritisiert er das „viele Gelaber um Nichts“ der großen Parteien und deren Mangel an Visionen. Er meint: „Niemand kommt, um uns zu retten, also müssen wir uns selber retten“. Diese Haltung stößt bei den Schülern im Publikum auf begeisterte Zustimmung und so bleibt den anwesenden Vertretern der Parteien nichts übrig, als sich auf diese zu beziehen. Die Grünen-Politikerin Brems will von der jungen Bewegung lernen, und sogar Haardt gesteht eine gewisse Einflussnahme durch sie ein.

Interesse für Politik geweckt

Das Raunen, der Applaus, die kritischen Fragen der Moderation sowie anschließende Fragen der Schülerschaft zeigen: Junge Menschen interessieren sich für Politik, denn diese bestimmt ihre Zukunft. Aber sie nutzen veränderte Mittel und Wege, um sich zu informieren, um Meinungen zu hören und zu verbreiten. Ob die politische Partei ein zukunftsfähiges Modell für junge, politische Partizipation ist, wird hier bezweifelt.

Die Podiumsdiskussion wird jährlich von Volker Gorn, Lehrer am Neuen Gymnasium, gemeinsam mit interessierten Schülerinnen und Schülern zu brisanten Themen der Zeit organisiert. So entsteht ein Umfeld, in dem sie politische Interaktion erproben können – und ihre Gäste aus Politik und Gesellschaft lernen auch etwas dazu.

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