Bühne

Prinz-Regent-Theater bereitet neue Jugend-Produktion vor

Szene aus „Kassandra“, der letzten Inszenierung des PRT-Jugendclubs „Progenitur“.

Szene aus „Kassandra“, der letzten Inszenierung des PRT-Jugendclubs „Progenitur“.

Foto: Schnorrbusch

Bochum.  Am Prinz-Regent-Theater macht sich der Jugendclub „Progenitur“ an die Arbeit für seine neue Produktion. Diesmal geht es um „Schwaches Fleisch“.

Das Prinz-Regent-Theater, jüngst ausgezeichnet mit dem Hamburger „Monica-Bleibtreu-Preis“, gehört zu den renommiertesten privaten Bühnen der Region. Ein Status, der verpflichtet, gerade auch, was die Bühnen-Nachwuchsarbeit angeht. Das junge PRT-Ensemble „Progenitur“ steht für diesen Anspruch. Nun wird dessen nächste Neuproduktion vorbereitet; ihr Titel: „Schwaches Fleisch“.

Menschen ab 15 Jahren gesucht

„Progenitur“ wird als Zukunftsprojekt von den Stadtwerken gefördert und ermöglicht somit dem Prinz-Regent-Theater ein Engagement, das ansonsten aus finanziellen Gründen vielleicht gar nicht möglich wäre. In diesem Jahr steht bereits die dritte Runde an. Die Theaterpädagogin und Regisseurin Ruth Hengel sucht für die neue Inszenierung aktuell junge Menschen ab 15 Jahren. Zuletzt brachte „Progenitur“ eine herausfordernde Aneignung von Christa Wolfs „Kassandra“ auf die Bühne.

Die Produktion stand aber nur kurz im Spielplan, weil mehrere der jungen Akteure an Schauspielschulen aufgenommen wurden. Nun wird sich neu sortiert. Ende des Jahres soll Ruth Hengels Stückentwicklung stehen, sie ist eine Theaterkünstlerin, die man in Bochum durch ihre Arbeit am Jungen Schauspielhaus kennt.

Alltägliche Entscheidungen

„Unter dem Arbeitstitel ,Schwaches Fleisch’ beschäftigen sich das Ensemble mit den alltäglichen Entscheidungen, mit denen die Menschen schon im Augenblick des Handelns hadern, etwa wenn ihr Konsumverhalten nicht ihrem Anspruch an Nachhaltigkeit entspricht“, erläutert PRT-Geschäftsführerin Anne Rockenfeller. Dabei erproben die jungen Schauspieler verschiedene szenische und performative Formate. Die Proben werden mit einem verpflichtenden Auftakt-Workshop am Dienstag, 3. September, von 16 bis 19 Uhr eingeläutet. Die Premiere ist im Januar 2020 vorgesehen. Die wöchentlichen Proben finden dienstags von 16 bis 19 Uhr sowie teilweise am Wochenende statt.

Auf den Grund gehen

Dabei werden Szenen erarbeitet, die zum Thema „Verführung und Gewissensfragen“ hinführen: Warum tun wir manchmal etwas, obwohl wir eine andere Handlung für besser halten? „Das altgriechische ,Akrasia’ bezeichnet genau diesen Vorgang – eine Person führt eine Handlung aus, obwohl sie eine andere Handlung für besser hält“, so Rockenfeller.

Jede Epoche habe ihre erdichteten und realen Repräsentanten dieses allzu menschlichen Phänomens: Die Königin Phaidra, die Hippolytos begehrt, obwohl sie es nicht darf. Oder den General Harras, der als Luftwaffenoffizier die Befehle des Nazi-Regimes ausführen musste.

Gewissensfragen plagen

Auch im Gegenwarts-Alltag plagen uns Gewissensfragen, wenn auch keine unmittelbar existenziellen, so doch solche mit weitreichenden Konsequenzen: Einfach den schnellen „Coffee to go“ kaufen, oder lieber verzichten und damit Müll vermeiden? Fleisch essen oder vegetarisch leben? Rauchen oder endlich damit aufhören? Die Wahrheit sagen oder lügen? Treu sein oder untreu werden?

Moralisch und anständig

„Wir treffen täglich Entscheidungen, mit denen wir schon im Moment der Entscheidung hadern. Wir sind mit uns selbst nicht einverstanden“, sagt Anne Rockenfeller. Fragen wie: Wollten wir nicht eigentlich etwas anderes? Etwas Nachhaltigeres, moralisch Vertretbareres, Anständigeres? will die Jugend-Produktion „Schwaches Fleisch“ auf den Grund gehen.

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