Ehrenamt

Senioren lassen sich mit Rikschas durch Bochum kutschieren

Die Initiatoren aus Bochum suchen Verstärkung: Barbara Jessel referiert in den Claudius Höfen vor Interessierten.

Die Initiatoren aus Bochum suchen Verstärkung: Barbara Jessel referiert in den Claudius Höfen vor Interessierten.

Foto: Gero Helm

Bochum-Ehrenfeld.   Der Verein „Ehrenfelder Miteinander“ hat das Projekt „Radeln ohne Alter“ in Bochum gestartet. Für den Kauf von Rikschas werden Spenden benötigt.

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„Ich habe wieder was von der Stadt gesehen“, freut sich Gerda Fuchs. Die Seniorin war einer der beiden ersten Passagiere von „Radeln ohne Alter Bochum“. Das ist Projekt ein des Vereins „Ehrenfelder Miteinander“, bei dem Senioren in besonderen Fahrrädern, sogenannten Rikschas, bei kleinen Touren umher gefahren werden. „Es ist schöner, als wenn ich im Auto fahren würde“, findet Albert Gerkens, der mit Gerda Fuchs beispielsweise zum Bahnhof gefahren wurde.

Das Projekt in Bochum ist kein Einzelfall: 2012 gründete sich der Weltverband „Cycling without Age“ mit Sitz in Kopenhagen. Mittlerweile gibt es die Bewegung in fast 40 Ländern. Barbara Jessel brachte die Idee nach Ehrenfeld. Sie war zuvor zu Besuch in Kopenhagen und lernte dort Ole Kassow, den Initiator, kennen. „Kassow war mit dem Fahrrad unterwegs und sah einen Senioren auf einer Bank sitzen. Er sprach ihn an und nahm ihn mit auf eine Tour durch Kopenhagen“, erläutert Jessel die Projektentstehung vor Interessierten.

Piloten werden gesucht

Der Ehrenfelder Verein befindet sich bei „Radeln ohne Alter“ noch ganz am Anfang. Gesucht werden deshalb Piloten, also die Leute, die die Rikscha fahren. „Das ist was für Leute, die Bock auf das Fahren und auf Gespräche haben“, sagt Jessel. Wer mitmachen will, wird vorab geschult und bekommt ein Fahrtraining. Zukünftig soll es auch Erste-Hilfe-Kurse geben.

Die Initiatoren verfolgen eine Philosophie: Piloten sollen großzügig sein, indem sie alten Menschen ihre Zeit schenken. Dafür bekommen sie viele Geschichten von vergangenen Tagen zu hören, sollen aber auch selbst erzählen. Durch diese Gegenseitigkeit entstehen dann Beziehungen zwischen Piloten und Passagieren.

Projekt beim Stadtteilfest vorgestellt

Während der Fahrt nehmen sich beide Seiten Zeit, schließlich wäre man mit dem Wagen deutlich schneller am Ziel, nähme aber weniger von seiner Umwelt wahr. Außerdem soll das Alter nicht im Fokus stehen. „Das Leben endet nicht mit einem festgelegten Alter“, betont Gabriele Gaul.

Schon beim Stadtteilfest haben die Aktiven ihr Projekt vorgestellt. Das stieß auch auf Anklang, etliche Leute ließen sich durch die Gegend fahren. „Es war faszinierend, wie die Leute reagiert haben. Die Autos wurden alle langsamer.“

Der Verein braucht Geld

Ein Problem gibt es aber: Noch haben die Bochumer keine Rikscha. Bisher kam eine aus Bonn geliehene Rikscha zum Einsatz. Ungefähr 11.000 Euro koste ein Exemplar insgesamt, in dem ein E-Bike verbaut ist. „Unser Ziel sind drei Rikschas“, so Dagmar Bartsch.

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