WAZ-Stadtteilcheck

Die Zeit der Kneipenvielfalt in Hordel ist lange vorbei

Anne Drobing kennt in Hordel alle und alles. Natürlich auch den „Heidekrug“, die letzte Traditionsgaststätte im Umfeld.

Anne Drobing kennt in Hordel alle und alles. Natürlich auch den „Heidekrug“, die letzte Traditionsgaststätte im Umfeld.

Foto: Gero Helm

bochum.   Anne Drobing hat das Sterben der zahllosen Wirtschaften in ihrem Stadtteil hautnah miterlebt. Gut aber, dass es die „Casa Maria“ gibt.

Wer an Hordel denkt, denkt an die schmucke Bergarbeitersiedlung Dahlhauser Heide und das Industriemuseum Zeche Hannover – aber kaum an kulinarische Genüsse. Tatsächlich landet der Stadtteil der „Kapps-Kolonie“ im WAZ-Check ganz hinten, was die gastronomische Vielfalt angeht. Nicht verwunderlich, aber auch nicht ganz zu Recht, findet Anne Drobing, Hordeler Urgestein und als langjährige SPD-Ortsvereinsvorsitzende mit allem im Sprengel bestens vertraut.

Verabredet sind wir am „Heidekrug“ an der Hordeler Heide – die letzte Wirtschaft in Hordel, aber auch das stimmt nicht ganz, denn der „Krug“ liegt, hart an der Ortsgrenze, wohl schon in Hamme. Von hier aus geht der Spaziergang durch Ober- und Unterhordel, und Anne Drobing hat viele Gelegenheiten, innezuhalten und auf Vergangenes hinzuweisen.

Sie weiß nicht nur, wo früher ein Tante Emma-Laden oder ein Frisör heimisch waren, sondern kennt noch die Örtlichkeiten, wo einst mit dem „Heideröslein“, den „Barbara-Stuben“ oder dem Haus Klenka urtümliche Hordeler Wirtsstuben auf Kundschaft warteten.

Tasse Kaffee im Tennisclub

„Direkt am Zechentor gab es das Haus Hüchtemeier“, erinnert sich die 66-Jährige, deren Familie eng mit der Zeche Hannover verbunden war. „Hier haben die Frauen am Zahltag die Männer abgeholt, damit sie nicht alles Geld vertranken“, schmunzelt Anne Drobing.

Mit dem Niedergang der Kohle, aber auch wegen der gewandelten Freizeitkultur hat sich das Umfeld in den letzten 40 Jahren radikal verändert. Heute gibt es in Hordel keine Kneipen mehr, auch Discounter, Bäcker und Imbissbude fehlen. Wer ausgehen möchte, müsse dennoch nicht zwangsläufig nach Bochum fahren, sagt Anne Drobing mit Bestimmtheit. Und lädt auf eine Tasse Kaffee ins Vereinsheim des Tennisclubs TC Grün-Weiß ein.

Hier führt Pächter Carlos Solar Gomez die „Casa Maria“; eine öffentliche Gastronomie mit Sonnenterrasse und großem Saal, in dem Hochzeiten, Geburtstage, Beerdigungen gefeiert werden. „Wir sind für alle Anlässe ausgestattet“, sagt Solar Gomez. Natürlich könne man auch abends einfach auf ein Bier vorbeikommen. Anne Drobing wünscht sich, dass noch viel mehr Hordeler das gastronomische Vor-Ort-Angebot schätzen lernen: „In der ,Casa’ gibt’s die besten Gambas weit und breit“, befindet sie. Auch wenn sie selbst gar keine mag.

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