Abbrucharbeiten

Staub am Justizareal – Passanten fürchten Gesundheitsgefahr

Schweres Gerät kommt mittlerweile an einem Teil des früheren Justizzentrums zum Einsatz. Das geht erst dann, wenn alle Gefahrenstoffe ausgebaut sind, so das Abbruchunternehmen Moß.

Schweres Gerät kommt mittlerweile an einem Teil des früheren Justizzentrums zum Einsatz. Das geht erst dann, wenn alle Gefahrenstoffe ausgebaut sind, so das Abbruchunternehmen Moß.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum.   Der Abbruch des alten Justizzentrums in Bochum schreitet voran. Passanten machen sich Sorgen darüber, ob Staub die Gesundheit gefährdet.

Staub, Lärm, der Abriss des alten Justizzentrums geht nicht spurlos an der Bochumer Innenstadt vorbei. Mehr noch als Maschinengeräusche und Schmutz beschäftigt Anwohner und Passanten aber die Frage: Werden Gefahrenstoffe bei den Abbrucharbeiten freigesetzt? Ein Leser sagte dieser Tage der Redaktion, seit er eine Staubwolke eingeatmet habe, müsse er ständig husten.

Streng genommen dürften überhaupt keine Gefahrenstoffe frei gesetzt werden. „Bevor der maschinelle Abbruch beginnt, muss sichergestellt sein, dass alle Stoffe ausgebaut sind“, so Bauleiter Matthias Lögering vom Abbruchunternehmen Moß. „Sanierung“ heiße dieser Ausbau im Fachjargon.

Keine Angaben über genaue Größenordnung

Wie saniert und welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen, darüber wachen am Justizzentrum drei Gutachter, „die sich gegenseitig auf die Finger schauen“, so der Bauleiter. Einen Gutachter habe die Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) als Bauherr des künftigen Viktoria-Karrees beauftragt, einen das Abbruchunternehmen Moß selbst und einen weiteren die von Moß beauftragte Firma, die alle Sanierungsarbeiten vornimmt. Lögering: „Außerdem kontrollieren uns die Bezirksregierung und die Berufsgenossenschaft.“ Zuletzt sei dies vor einigen Tagen der Fall gewesen. „Wenn ein Bereich saniert ist, dann schauen sich die Gutachter diesen noch einmal ganz genau an. Und erst wenn sie ihr Okay geben, fängt der maschinelle Abbruch an“, so Bauleiter Lögering.

Die Menge der Schadstoffe, die insgesamt erst ausgebaut werden müssen, sei im Vorfeld der Arbeiten geschätzt worden. Über die Größenordnung mochte die Firma Moß am Mittwoch keine Informationen herausgeben. Auch bei der Bezirksregierung in Arnsberg gab es dazu keine Angaben.

Beim Justizzentrum geht es um etwa 30 unterschiedliche Fraktionen, die ausgebaut und getrennt werden müssen. Darunter ist auch Asbest, mit dem u.a. Innenräume verblendet wurden. Das seit 1990 als Baustoff in Deutschland verbotene Material muss sorgsam ausgebaut werden, wird in große weiße Säcke verpackt und auf Deponien entsorgt. An der Außenhaut der bislang abgerissenen Gebäude, so Lögering, sei kein Asbest verbaut worden.

Dämmstoffe sind Richtung Husemannplatz aufgetaucht

Wohl aber sind Dämmstoffe beim Abriss der Fassade Richtung Husemannplatz aufgetaucht, von denen niemand zuvor Kenntnis gehabt hatte. Die Stelle sei gewässert worden, „damit nichts durch Staub und Wind verschleppt wird“, so der Bauleiter.

Es habe sich um eine überschaubare Fläche gehandelt. Dass der Abriss des Kopfgebäudes zum Husemannplatz im Moment gestoppt ist, habe mit diesem Fund indes nichts zu tun; auch wenn weitere deutlich erkennbare Bereiche mit Dämm-Material zu sehen sind. „Wir müssen erst wieder auf der Baustelle Platz schaffen, ehe der Abbruch weitergehen kann“, so der Bauleiter.

Steinwolle und Glaswolle sind ungefährlich

Dämmstoffe, sofern es sich um künstliche Mineralfasern wie Steinwolle und Glaswolle handelt, sind eigentlich ungefährlich – sagt Klaus Franz, ehemaliger Bürgermeisterkandidat der CDU Bochum und langjähriger Vorsitzender des Gesamtverbandes Dämmstoffindustrie. Anders als Asbestfasern lösten sich die modernen, in Deutschland seit 1995 verwendeten biolöslichen Fasern auf.

Gleichwohl müssten auch Mineralfasern auf Deponien entsorgt werden, räumt Franz ein. Das gilt vor allem für die vor Oktober 2000 hergestellten künstlichen Mineralfasern, die, als „gesundheitsgefährdender Abfall“ gelten, wie es etwa in einer Entsorgungsvorschrift des Kreises Düren heißt.

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