Porträt

Stefan Hunstein ist Schauspieler und Fotograf in einem

Stefan Hunstein als von Lebensüberdruss gezeichneter François in der Houellebecq-Aufführung „Unterwerfung“.

Stefan Hunstein als von Lebensüberdruss gezeichneter François in der Houellebecq-Aufführung „Unterwerfung“.

Foto: Tobias Kruse/Ostkreuz

Bochum.  Stefan Hunstein kennt man als starken Schauspieler am Bochumer Schauspielhaus. Doch der Bühnenkünstler hat auch fotografische Qualitäten.

Stefan Hunstein ist nicht nur ein starker Schauspieler, sondern auch ein gefragter Fotograf. Der in München lebende Künstler, der seit letztem Jahr zum Schauspielhaus-Ensemble zählt, ist bis zum 27. November in der Rathausgalerie der bayrischen Landeshauptstadt mit einer umfangreichen Foto-Werkschau vertreten. Die Vernissage war ein voller Erfolg: viel Publikum, viele Belobigungen. Für den 62-Jährigen ein, wie er sagt, „ganz großes, ein irres Erlebnis“. Kaum jemand weiß, dass Hunsteins Anfänge, sowohl darstellerisch als auch fotografisch, in Bochum liegen.

Als junger Schauspieler kam der gebürtige Kasselaner während der Intendanz Frank-Patrick Steckel nach Bochum, später war er vor allem den Münchner Kammerspielen und dem Bayrischen Staatsschauspiel verbunden. Im Frühjahr wirkte er in „Die Ratten“ mit, jener Hauptmann-Inszenierung, mit der sich die große, einst in Bochum bekannt gewordene Regisseurin Andrea Breth vom Burgtheater und dem Wiener Publikum verabschiedete.

Gespräch mit dem Publikum

Aktuell ist Hunstein ein tragende Säule im neuen Ensemble von Johan Simons. Vor allem in dessen Michel-Houllebecq-Inszenierungen „Plattform“ und „Unterwerfung“ kommt er groß ‘raus. Hunstein spielt in beiden Aufführungen die zentrale Rolle, manchmal als Doppelvorstellung an einem Abend, was über vier Stunden maximale Konzentration verlangt.

„Es ist eine große Herausforderung für mich, aber beide Einrichtungen bedeuten mir auch sehr viel“, sagt Hunstein. Houllebecq sei mit seinen Themen (Islamophobie, Weltekel, Frauenhass) kontrovers, gleichwohl aber auch eminent politisch – und stets sehr zeitbezogen: „Ich merke bei den Publikumsgesprächen nach der Vorstellungen, wie sehr die angesprochenen Themen die Menschen aufwühlen.“

Einen starken Akzent setzt Stefan Hunstein auch in Simons’ „Hamlet“.

Gelungene Charakterstudie

Überragend mit Sandra Hüller in der beherrschenden Titelrolle besetzt, scheint etwas weniger „Luft“ zu sein für die anderen Figuren des Shakespeare-Dramas. Doch macht Hunstein aus der Rolle des Claudius eine überzeugende Charakterstudie der Unzulänglichkeit. Er zeigt Hamlets Onkel als Überzeugungstäter ohne Überzeugung, der den Mord an seinem Bruder – Hamlets Vater – längst nicht so gut „verarbeitet“ hat, wie es ihm lieb gewesen wäre.

Das Innere der Fotografie

Stefan Hunstein bezieht in seinen Rollen stets klar Stellung, was auch für seine Fotografie gilt, die sich an Marshall McLuhans These „Das Medium in die Botschaft“ orientiert. „Ich stehe dem Fotografieren eigentlich skeptisch gegenüber“, sagt der Fotograf. Ihn interessiere nicht so sehr das Abbilden der Welt, sondern die mediale Untersuchung dessen, was Fotografie kann – und was nicht.

Erste Ausstellung in Bochum

„Ich bin kritisch dem Dokumentarischen gegenüber und fokussiere mich auf das Innere der Fotografie selbst“, sagt Hunstein, der während seiner Bochumer Schauspielzeit, also Mitte der 80er Jahre, auch seine erste Ausstellung hierzulande hatte: in der längst untergegangenen Galerie „Die Halle“, die Charlotte Ebers seinerzeit in einer aufgelassenen Fischfabrik im Griesenbruch führte.

Als Bildkünstler haftet seinen konzeptuellen Arbeiten immer etwas Surreales und Traumhaftes an; bereits 1991 war Stefan Hunstein für diesen individuellen Blick mit dem Deutschen Photopreis geehrt worden.

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