Klassik-Kino

Stummfilm zu Live-Klängen begeistert im Bochum Musikforum

Auf der Goldsuche in Alaska stapft Charlie (Charles Chaplin) durch Eis und Schnee.

Auf der Goldsuche in Alaska stapft Charlie (Charles Chaplin) durch Eis und Schnee.

Foto: ZDF / Tobis Filmkunst

Bochum.  Die Bochumer Symphoniker richten den Fokus auf Charlie Chaplin. Zu dessen Stummfilm „Goldrausch“ musizierte das Babelsberger Filmorchester.

„The Gold Rush“ („Goldrausch“) von 1925 ist einer der brillantesten Filme der Stummfilm-Ära. Im Anneliese-Brost-Musikforum wurde der Film im großen Saal gezeigt, dazu spielte das Deutsche Filmorchester Babelsberg eine sehr spritzige Original-Filmmusik. Das Besondere: Drehbuch, Regie, Hauptrolle und Filmmusik - alles stammt aus der Feder des großen Charles Chaplin.

Grotesk-lustige Szenen

Fast märchenhaft begann der Film des großen Slapstick-Lehrmeisters über die große Suche der gierigen Goldsucher in Alaska. Chaplin, als Landstreicher und Antiheld, sucht dagegen die Liebe, und immer wieder „menschelt“ es, wo doch so viel gekämpft wird: gegen das Stürme, gegen Schurken, gegen die materielle Welt, die unerreichbar scheint. Unerreichbar ist das Timing der allesamt kurzen Szenen, die immer auf einen Gag hinauslaufen – teilweise lachte das Publikum bei den Slapsticks in grotesken, da lebensbedrohlichen Szenen, am Lautesten.

Zum staksig laufenden Chaplin mit Melonenhut spielt das Filmorchester in genauester Gleichzeitigkeit eine Art schottisch-englisch anmutende Folklore, auch an Strauss-Walzer erinnern einige der musikalischen Bilder. Interessant: Auch Chaplin hat bei größtmöglicher Dramaturgie, etwa bei Sturm, sich eindeutig bei den russischer Komponisten bedient; Nikolai Rimskij-Korsakows „Hummelflug“ erklingt gleich mehrfach!Der Einsatz der typischen Knall-Effekte wie Peitsche und große Trommel unterstützen die Überraschungseffekte, teilweise bereitete die Musik den Slapstick mit leicht ironischen Motiven in der Trompete oder Fagott sogar vor!

Dröhnende Tonspur

Eine sehr ansprechender, Augen und Ohren schmeichelnder Abend im Rahmen des von den Bochumer Symphoniker aufgelegten Fokus’ „Chaplins Universum“. Und eine Wohltat angesichts der lautstark-dröhnenden Tonspuren des aktuellen Kinos.

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