Tanz

Tanzperformance im Prinz-Regent-Theater wagt das Experiment

Die Schauspielerin Florence Minder und der Tänzer Pascal Merighi gestalteten den Abend.

Die Schauspielerin Florence Minder und der Tänzer Pascal Merighi gestalteten den Abend.

Foto: Heinrich Brinkmöller-Becker

Bochum.  „1+1=1“ heißt die Performance des Tänzers Pascal Merighi und der Schauspielerin Florence Minder im Bochumer Prinz-Regent-Theater. Ein Experiment.

1 +1 = 1. Das ist mathematisch zwar Humbug, aber eben der Name eines Tanztheater-Projekts in Co-Produktion mit der Kompanie Merighi/Mercy und Venedig Meer ASBL, das am Wochenende im Prinz-Regent-Theater Premiere feierte.

Dabei haben sich der französische Tänzer Pascal Merighi und die belgisch-schweizerische Schauspielerin Florence Minder drei Tage lang zusammen ausprobiert, um ihre individuellen künstlerischen Herangehensweisen miteinander abzugleichen und zu sehen, was dabei heraus kommt.

Denn was passiert eigentlich, wenn sich ein Tänzer und eine Schauspielerin in eine Art Laborsituation begeben? Wenn sie das Experiment wagen, ohne Vorgaben gemeinsam ein Projekt zu entwickeln mit den ihnen eigenen künstlerischen Mitteln?

Fast schon ungeschliffen

Das Ergebnis ist eine sehr offene, fast schon rohe ungeschliffene Performance, der das Prozesshafte und Unfertige zu jedem Zeitpunkt anzusehen ist.

Doch ein perfektes Produkt ist auch nicht gewollt, es ist die Annäherung, die zählt. Der Bühnenraum des PRT ist kahl, eine schwarze, leere Box, was sehr gut die Laborsituation bedient. Der Dritte im Projekt, Soundartist Mikel R. Nieto, sitzt hinter Mischpult und Laptop und schickt akustische Collagen, fragmentierte Melodien und Geräusche in den Raum.

Dekonstruierte Tanznummer

Tänzer und Schauspielerin treffen zum ersten Mal aufeinander in einer Art dekonstruierter Tanznummer, die vage an die Szene zwischen Uma Thurman und John Travolta in Quentin Tarantinos Film „Pulp Fiction“ erinnert. Doch die Szene währt nur kurz, überhaupt ist der Abend eine Abfolge von kleineren Abschnitten, die wenig Bezug zueinander zu haben scheinen. Man könnte sie als unterschiedliche Versuchsanordnungen der Annäherung und Zurückweisung interpretieren.

Sprache findet kaum statt, und wenn darf natürlich nur Schauspielerin Florence Minder einige Sätze sprechen, dem Tänzer Merighi sind nur unartikulierte Laute gegeben. Hier wird das Spiel mit den angestammten künstlerischen Mitteln und deren Zuschreibungen besonders deutlich. Das ist sicherlich einer der reizvollsten Momente des Abends, wenn beide ihre Ausdrucksformen zueinander in Beziehung setzen und sie auch karikieren.

Zeitlupenkampf am Boden

Am stärksten sind jedoch die Szenen, in denen beide auch wirklich körperlich interagieren. Wenn sie eine Art verfremdetes Pas de Deux versuchen, wenn sie sich gegenseitig die T-Shirts ausziehen, tauschen und wieder anziehen oder in einer Art Zeitlupenkampf auf dem Boden wälzen, dann entstehen spannende Szenen, die das Publikum fesselt.

Eher träge ziehen sich die Teile der Performance hin, wenn beide minutenlang still ausharren oder sich zu lange in der Wiederholung bestimmter Aktionen verlieren. Doch es ist ein Experiment und da ist alles erlaubt. Auf der Suche nach gemeinsamen Bewegungsmustern und unterschiedlichen Herangehensweisen gelingen einige schöne Momente, die den Abend insgesamt sehenswert machen.

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