Schwurgericht

Totes Baby im Plastiksack: Angeklagte hatte Psycho-Probleme

Verteidiger Henry Alternberg neben der Angeklagten. Ganz rechts eine Justizwachtmeisterin.

Verteidiger Henry Alternberg neben der Angeklagten. Ganz rechts eine Justizwachtmeisterin.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Bochum.  Die Angeklagte, die ihr Neugeborenes nicht richtig versorgt haben soll, so dass es starb, war eventuell nur vermindert schuldfähig.

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Die 35-jährige Bochumerin, die wegen des Todes ihrer neugeborenen Tochter kurz nach der Geburt vor dem Schwurgericht steht, war nach Einschätzung einer Psychiaterin (46) wegen psychischer Störungen eventuell nur vermindert schuldfähig. Das sei nicht auszuschließen, sagte sie am Mittwoch.

Im Raum steht eine viele Jahre dauernde Haftstrafe, weil das Gericht davon ausgeht, dass die Angeklagte das Kind aktiv getötet und es nachher in einen Plastiksack gesteckt habe. Nur wenige Minuten soll das Kind gelebt haben. Die Angeklagte bestreitet einen Tötungsvorsatz.

Schwangerhaft wurde vor allen Leuten verheimlicht

Schwangerschaft und Geburt hatte die seit vorigem September in U-Haft sitzende Angeklagte vor ihrem kompletten Umfeld verheimlicht. Das Baby brachte sie im Oktober 2016 allein in der Wohnung ihrer Eltern im Bochumer Nordosten zur Welt. Die nicht eingeweihten Eltern alarmierten dann den Rettungsdienst wegen angeblicher Nierenprobleme ihrer Tochter. Die von Ärzten alarmierte Polizei fand dann später die unbekleidete Babyleiche in dem Müllsack.

Die Anklage wirft der Frau Totschlag durch Unterlassen vor, weil sie vor der Geburt Komplikationen bemerkt, sich aber nicht ärztlich um das Kind gekümmert habe. Es sei lebenstüchtig gewesen. Der Tod des Kindes sei der Angeklagten „gleichgültig“ gewesen.

Bereits 2014 und 2015 hatte die Frau nach verheimlichten Schwangerschaften zwei Kinder geboren, die dann in Pflegefamilien kamen.

Angeklagte: „Für mich gab es gedanklich die Schwangerschaft nicht“

Die Psychiaterin schilderte die arbeits- und berufslose Angeklagte als eine Frau, die „eine Neigung zum pathologischen und zwanghaften Lügen“ habe. Sie habe eine „unreife Persönlichkeitsstruktur“ und sei trotz hinreichender Intelligenz an der Schwelle zum Erwachsenwerden gescheitert.

Angst und Scham vor ihrem Versagen habe sie gehabt. Um ihre Probleme zu lösen und wegen ihres „instabilen Selbstwertes“ habe sie dann ein Lügenkonstrukt aufgebaut. Auch sich selbst hatte die Angeklagte offenbar belogen: „Für mich gab es gedanklich die Schwangerschaft nicht. Ich versuchte, alles zu verdrängen, für mich durfte es eine Geburt nicht geben“, sagte sie. Die Psychiaterin erklärte dazu: „Sie hat sie nach innen verdrängt und nach außen verheimlicht.“

In der nächsten Woche sollen die Plädoyers gehalten werden.

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