Prozess

Vergewaltiger (57) von erneuten Sex-Vorwürfen freigesprochen

Die JVA Bochum: In der Dusche und in einer Zelle sollen die Übergriffe passiert sein. Das war aber nicht nachweisbar.

Die JVA Bochum: In der Dusche und in einer Zelle sollen die Übergriffe passiert sein. Das war aber nicht nachweisbar.

Foto: Marius Becker / dpa

Bochum.  Ein Häftling, der sieben Jahren wegen Sexualstraftaten absaß, soll in der JVA einen Mithäftling sexuell genötigt haben. Er wurde freigesprochen.

Das Amtsgericht war sicher, dass der 57-jährige Angeklagte, ein damaliger Strafhäftling, in der JVA Bochum einen Mitgefangenen (26) sexuell bedrängt hat. „Für uns ist vollkommen klar, dass es Übergriffe gegeben hat“, sagte Richter Dr. Axel Deutscher am Montag in der Urteilsbegründung. Dennoch wurde der Angeklagte freigesprochen, weil die Aussage des 26-Jährigen viel zu durcheinander war.

Die beiden saßen im Jahr 2018 zusammen in der JVA. Der 26-Jährige wegen Kleinkriminalität, der 57-Jährige verbüßte eine siebenjährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung und sexuellen Kindesmissbrauchs. „Wir haben oft über Sex, Frauen und Beziehungen gesprochen“, sagte der 26-Jährige.

Gespräche über Sex, Frauen und Beziehungen

Er selbst ist heterosexuell, der Ältere bisexuell und an dem jungen Mann interessiert. „Ich hatte Gefühle für ihn entwickelt“, sagte er im Prozess. Laut Anklage soll er den 26-Jährigen im Februar 2018 in der Dusche am Geschlechtsteil angefasst haben, dann aber zurückgestoßen worden sein. Im Juli 2018 soll er in seiner Zelle erneut versucht haben, den Mitgefangenen nach einer Umarmung sexuell anzufassen.

„Er steht auf mich. Ich habe ihm gesagt, dass ich nichts von ihm will. Er hat es trotzdem gemacht“, sagte der 26-Jährige den Richtern. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.

Der 26-Jährige hatte die mutmaßlichen Übergriffe Mitgefangenen und dem JVA-Personal erzählt. Danach kam es zur Anzeige.

Richter zum Angeklagten: „Sie sind eine Zeitbombe“

Vor Gericht bestätigte der 26-Jährige zwar, sexuell attackiert worden zu sein, Doch dabei wich er so massiv von seinen früheren Vernehmungen ab, dass das Gericht nicht mehr feststellen konnte, wann genau und was genau der Angeklagte getan haben soll. Deshalb der Freispruch nach dem Zweifelsgrundsatz. Vorsätzlich die Unwahrheit habe der 26-Jährige nicht gesagt, erklärte Richter Deutscher, nur habe er die Vorfälle jetzt im Prozess „nicht mehr auf die Reihe gekriegt“. Der Zeuge soll drogen- und alkoholabhängig sein.

Dem Angeklagten gab der Richter trotz Freispruchs mit auf den Weg: „Sie sind eine Zeitbombe.“

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