Partymeile

Vision Bermudadreieck 2030: Große Pläne für die Partymeile

Willkommen im Bermudadreieck: Skulpturen wie diese hier am Otto-Sander-Platz sollen künftig den Weg ins Szeneviertel weisen - so jedenfalls wünscht es sich die ISG.

Willkommen im Bermudadreieck: Skulpturen wie diese hier am Otto-Sander-Platz sollen künftig den Weg ins Szeneviertel weisen - so jedenfalls wünscht es sich die ISG.

Foto: Vivamo

Bochum.   Bochums Bermudadreieck plant Großes. Ein Szenemarkt für Kunst und Handwerk soll die Partymeile aufwerten. Die Macher hoffen auf Geld vom Land.

Das Bermudadreieck will mehr sein als eine reine Partymeile. Geht es nach den Gastronomen und Immobilieneigentümern, entwickelt sich Bochums Ausgehquartier bis 2030 zu einem europäischen Szeneviertel. Vier bis fünf Millionen Besucher könnte dies jährlich anziehen; immerhin rund ein Drittel mehr als heute, schätzen die Verantwortlichen.

„Vision Bermuda3eck 2030“ heißt ein Arbeitspapier der Immobilien- und Standortgemeinschaft Bermudadreieck (ISG), das derzeit im Rathaus geprüft wird. Die ISG will mit ihrem Ideenpaket teilhaben an den Fördermillionen, die im Zuge des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) in die Bochumer Innenstadt fließen. Es geht um eine mittlere zweistellige Millionensumme.

Bekannteste Bausteine des ISEK sind der Bau des Büro- und Geschäftsquartiers Viktoria-Karree auf dem ehemaligen Justizgelände an der Viktoriastraße und das Haus des Wissens im Telekomblock gegenüber dem Rathaus mit Volkshochschule, Bücherei und Markthalle. Auch die Neugestaltung des Rathaus-Umfeldes inklusive Abriss des Bildungs- und Verwaltungszentrums (BVZ) gehören zum Paket.

Attraktiv für Familien und Ältere

Zum Fördergebiet gehört aber auch das Bermudadreieck. Daher sind die Gedankenspiele der ISG, die vom Szene-Markt hinter der Brüderstraße über ein Grönemeyer-Museum bis hin zu einer Eisbahn am Konrad-Adenauer-Platz reichen, bei der Stadt willkommen. „Wir begrüßen es sehr, dass sich die ISG so detailliert Gedanken gemacht hat“, sagt Stadtplaner Burkhard Huhn.

„Uns geht es um die Weiterentwicklung des Dreiecks“, sagt Edgar Neufeld, bei der ISG zuständig für Strategie und Standortentwicklung. „Insbesondere wollen wir attraktiver werden für Familien, Kinder und Ältere.“ Das neue Motto laute daher auch „Bermudadreieck Bochum – Eins für alle.“

Für die Krisenhilfe an der Viktoriastraße gilt das indes nicht. Aus Sicht der ISG ist eine Umsiedlung der Drogenberatungsstelle erforderlich, um die angestrebten Ziele der Vision 2030 zu erreichen.

„Wenn wir die Kulturlage Bochums und des Ruhrgebietes werden wollen, müssen wir das Thema lösen“, sagt Neufeld. Es gehe aber nicht um „eine Abstrafung von Menschen in Krisensituationen“, sondern darum, anzuerkennen, dass es hier immer wieder zu „gefühlten Angstsituationen“ komme.

„Gäste des Musikforums fühlen sich sichtlich unwohl, wenn sie die Straße queren und zum Parkhaus P8 laufen“. Schwierig bis unmöglich sei zudem die Vermietung angrenzender Immobilien. „Die Läden links und rechts von der Krisenhilfe sind seit Jahren nicht vermarktbar“, so Volker Brunswick vom ISG-Vorstand.

Drei Identitäten: Kultur, Mainstream, Kiez

Drei Lagen, drei Identitäten, drei Plätze – die Vision Bermudadreieck 2030 zerlegt das Ausgehviertel in Bereiche: Kultur, Mainstream, Kiez. Das ist das Ergebnis von mehreren Workshops der Immobilien- und Standortgemeinschaft Bermudadreieck (ISG).

„Wir haben 100 Stunden Interviews mit 16 Personen geführt, um herauszufinden, welche Stärken, Identitäten, aber auch Konflikte das Dreieck hat“, so Edgar Neufeld. Beteiligt waren Unternehmer im Viertel, aber auch Vertreter der Stadt.

Kunst und Kultur etablieren

Herausgekommen sind dabei viele ganz unterschiedliche Aussagen wie „Die Marke ist stärker denn je, aber die Erwartung wird nicht erfüllt“, „der Normalo fehlt“, „Hotspot der Sommernacht“ oder „der Entertainment-Faktor muss gesteigert werden“.

Deutlich geworden sei insbesondere die soziale Funktion des Bermudadreiecks“, so Neufeld. „Wir sind Treffpunkt für unterschiedlichste Zielgruppen, wir stehen für Weltoffenheit und Toleranz.“ Klar geworden sei aber auch, dass man mehr für Familien, Kinder und Ältere anbieten und „zurück zur ursprünglichen DNA“ finden müsse.

Es werde in den kommenden Jahren daher verstärkt darum gehen, die Kunst- und Kulturszene im Dreieck zu etablieren. Veranstaltungsorte wie Riffhalle, Rotunde, Konrad-Adenauer-Platz (KAP) und Musikforum seien dafür prädestiniert.

Schmausen wie in Barcelona

Parallel zur „Kultur“-Achse an der Viktoriastraße könnten sich entlang der Kortumstraße „Mainstream“-Angebote entwickeln. Ein Broadway für Bochum. Neufeld: „Hier kann es richtig bunt und laut zugehen.“ Als „Baustelle“ erkannt ist der Bereich am Engelbertplatz. Erste Ideen zur Gestaltung sind vorhanden: eine große Skulptur oder Lichtstele am Eingang zur U-Bahn. Der Graf zieht um.

Das beliebte Bratwursthaus indes könnte zu einem Streetfood-Markt ausgebaut werden. Arbeitstitel „Terminal II“. „Ich denke an eine feste Halle, ganzjährig nutzbar“, sagt Inhaber Ronald Gottwald. „In etwa vergleichbar mit dem Feierabendmarkt am Springerplatz. Etwas fürs ältere Publikum, wo man Wein trinken, Schinken und Käse essen, ein bisschen Barcelona- oder Bologna-Feeling bekommen kann.“

Die größte Herausforderung für die Akteure stellt die Entwicklung im Bereich Brüderstraße dar. Razzien der Polizei in den dort ansässigen Shisha-Bars haben das Image beschädigt. Ideen für den sogenannten „Kiez“ sind daher besonders wichtig.

Die Brüderstraße selbst soll Fußgängerzone werden, um die Flächen der Außengastronomie zu vergrößern, und im Bereich dahinter zwischen Neustraße und Kreuzstraße soll ein Szenemarkt für Kunst, Handwerk, Fashion und Lifestyle entstehen, der „Bermuda-Off-Market“.

„Das wäre ein komplett neues Angebot, das viele, insbesondere junge Besucher anziehen und ein touristisches Highlight werden könnte“, sagt Edgar Neufeld.

Keine Konkurrenz zur Markthalle

Die Entwicklung der rund 5000 Quadratmeter großen Brachfläche, die der Stadt gehört, wäre zudem ein klassisches Projekt, für das Fördergelder im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) vermutlich zu erhalten wären. Erste Investoren für den Betrieb eines Off-Markets gebe es jedenfalls, verspricht Neufeld. „Wichtig zu wissen ist, dass weder der Off-Market noch der Streetfood-Markt eine Konkurrenz zur geplanten Markthalle im Telekomblock sind.“

Politik entscheidet im September

An Ideen mangelt es den Machern im Dreieck jedenfalls nicht. In einem ersten Schritt und möglichst kurzfristig soll das Szeneviertel innerhalb Bochums besser ausgeflaggt werden. Hinweistafeln und Skulpturen sollen auf Plätzen der Innenstadt und an den Eingangspunkten aufs Bermudadreieck aufmerksam machen. Illuminationen markanter Gebäude und entlang der Viktoriastraße sind ebenso im Konzept aufgeführt wie vermietbare Büroflächen (Co-Working-Spaces), ein Grönemeyer-Museum, eine Eisbahn am KAP im Winter und eine Seilbahn als Verbindung zur Ruhr-Uni.

Bei der Stadt werden alle Vorschläge geprüft. Nicht nur die aus dem Dreieck. Förderfähig oder nicht förderfähig, lautet die alles entscheidende Frage. Die Liste aller ISEK-Ideen, die im Rathaus vorliegen, ist 250 Punkte lang. „Bis zur Sommerpause“ so Stadtplaner Burkhard Huhn, werde die Prüfung daher dauern. Die Politik erhalte dann eine Vorlage, über die im September der Rat entscheide.

Leserkommentare (7) Kommentar schreiben