Stadtteil-Check

Warum die Hofsteder mit ihrem Viertel hart ins Gericht gehen

Mit dem Herz vor Ort: (v.l.) Friedhelm Hohlbein, Heike Rößler, Sigrid Menneken, Vera Smolka und Mares Peuler mögen Hofstede gern.

Mit dem Herz vor Ort: (v.l.) Friedhelm Hohlbein, Heike Rößler, Sigrid Menneken, Vera Smolka und Mares Peuler mögen Hofstede gern.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Hofstede.  Beim Stadtteil-Check bekommt Hofstede schwache Noten. Der Grund liegt auf der Hand: Denn ein Zentrum wird hier von vielen schmerzlich vermisst.

Andere Stadtteile haben schöne Zentren für gemütliche Treffs beim Bäcker und im Café. Nur in Hofstede sieht die Lage anders aus: „Nichts, gar nichts ist da“, sagt Friedhelm Hohlbein, Ur-Hofsteder seit über 40 Jahren. „Kein Supermarkt, kein Restaurant, kaum eine Kneipe, alles ist weg.“

Kein Wunder, dass sein Viertel im Stadtteil-Check unserer Zeitung keine guten Noten bekommt. Die Hofsteder selber geben ihrem Stadtteil die Gesamtnote 2,82. Nimmt man die Bewertungen aller aller 13 Kategorien, nach denen wir unsere Leser gefragt haben, zusammen, liegt Hofstede auf Platz 26 aller 30 Stadtteile – also weit im hinteren Drittel.

Doch im Gespräch mit einer Reihe alteingesessener Hofsteder offenbart sich etwas sehr Sympathisches. Denn so sehr sie sich um die Zukunft ihres Sprengels sorgen und so hart sie mit ihm ins Gericht gehen: Ihr Herz hängt doch dran. „Obwohl längst nicht alles super läuft: Ich fühle mich hier wohl“, sagt Vera Smolka, die an jedem Montag den Stadtteilspaziergang organisiert (Treff: 11 Uhr am Johanneshaus).

Gute Noten beim Nahverkehr

Einzig im Bereich Nahverkehr (Note 2,15) schneidet Hofstede gut ab. Die Linie 306 verbindet den Stadtteil zuverlässig mit der Innenstadt. „Auch die Krankenhauslinie nutze ich oft“, sagt Sigrid Menneken. Gemeint ist der Bus 388, der an so manchem Hospital Halt macht und auch durch Hofstede kurvt.

Die Einkaufsmöglichkeiten (Note: 2,54) sehen die Hofsteder kritisch. „Wenn man mobil ist, dann geht’s“, meint Vera Smolka, die mit dem Fahrrad zum Einkaufen nach Herne-Eickel fährt. Denn seit vor bald vier Jahren der letzte Edeka in Hofstede geschlossen hat, steht der Stadtteil ohne einen zentralen Nahversorger dar. „Der Laden steht bis heute leer, was viele hier extrem bedauern“, hat Quartiersmanagerin Heike Rößler beobachtet.

Gerade bei den Älteren ohne Auto erfreue sich das nahe gelegene Hannibal-Center keiner großen Beliebtheit. „Mit einem Rollator über die Ampeln zu kommen, ist ganz schwierig“, sagt Hohlbein.

Restaurants? Fehlanzeige!

Eher mau stehe es auch um das gastronomische Angebot (Note 4,20): Einige aus der katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus von Flüe würden sich nach den Gottesdiensten im Hannibal-Center zum Kaffee treffen. „Wo will man sonst auch hin?“ lächelt Smolka. Immerhin: Die Restaurants in Eickel seien allesamt einen Besuch wert.

Die medizinische Versorgung (Note 3,11) sei zwar gegeben, aber nicht üppig. „Die Basis ist da“, meint Mares Peuler. Das sind Zahnarzt, Hausarzt und eine Apotheke. Auch eine Tagespflege sei vor Ort, was viele als wichtig empfinden. „Zum Facharzt fahre ich immer in die Stadt“, sagt Sigrid Menneken.

Gar kein gutes Haar an ihrem Stadtteil lassen die Hofsteder beim Thema Sicherheit (Note 3,13): „Wenn es dunkel wird, gehe ich nicht mehr raus“, meint Vera Smolka, während Sigrid Menneken erzählt, dass sie die kurze Strecke zum Kirchenchor stets mit dem Auto fahre: „Alleine gehe ich da nicht hin, da sind mir zu viele dunkle Büsche. Und man sieht wenig Polizei.“

Für Senioren wird einiges geboten

In der Seniorenfreundlichkeit belegt Hofstede mit der Note 3,54 einen hinteren Rang. Das sehen die Einheimischen anders, denn gerade die kirchlichen Angebote seien durchaus gegeben. Auch das Programm des Quartiersbüros – vom Stadtteil-Café im Jugendfreizeithaus (Riemker Straße 12) bis zum Nachbarschaftsprojekt „Kaffee trifft Kakao“ in der Emil-von-Behring-Schule – lohne sich sehr. Was einfach fehlt: „Ein Treffpunkt für Ältere“, sagt Smolka. Das alte Hausmeister-Gebäude an der Braunsberger Straße könnte Anlaufstelle für Vereine werden, auch die Awo signalisierte schon die Bereitschaft, da mitmachen zu wollen. Doch das Haus ist marode, eine Neunutzung derzeit mehr als unklar.

Ältere loben das Gemeinschaftsgefühl

Vor allem unter den älteren Hofstedern sei das Gemeinschaftsgefühl (Note: 3,72) groß. „Ich habe lange in einer Apotheke gearbeitet und kenne daher ganz viele Menschen“, erzählt Sigrid Menneken. „Man wird erkannt und gegrüßt, das finde ich ganz toll.“ Bei den Jüngeren sei dieser Zusammenhalt allerdings nicht mehr so stark. Bei der Sauberkeit (Note 3,76) schneidet Hofstede schwach ab: „Aber so dreckig ist es hier wirklich nicht“, sagt Smolka.

Und was von allen lobend erwähnt wird: Rund um den Hofsteder Bach ist der Stadtteil sehr grün. „Als naturverbundenem Sauerländer bieten sich mir am Rande der Großstadt viele Möglichkeiten, im Grünen zu wandern“, freut sich Friedhelm Hohlbein.

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