Poker

Die Weltmeisterin im Amateur-Poker kommt aus Bochum

Christine Kruse ist Amateur-Weltmeisterin geworden.

Christine Kruse ist Amateur-Weltmeisterin geworden.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Christine Kruse hat in Wien Ende April den Weltmeistertitel im Pokern zum THC Bochum geholt. Die 66-Jährige spielt seit 16 Jahren.

Bunte Chips liegen gestapelt auf dem Poker-Tisch, das Kartendeck ist ausgebreitet. Den Blicken von Franz-Josef Vergin kann man hinter seiner gespiegelten Sonnenbrille nicht folgen. Auch Christine Kruse versucht möglichst ausdruckslos zu gucken. Flüchtig geht ein Blick zu ihren Karten. Aber welches Blatt sie auf der Hand hat, lässt sich daraus nicht deuten. Das hat Methode und bringt Erfolg. Die 66-Jährige spielt seit 16 Jahren Poker, ist Mitglied beim THC Bochum, dem Texas Hold’em Club. Seit April darf sie sich Weltmeisterin nennen. Im Concord-Card-Casino in Wien-Simmering sicherte sie sich diesen Titel bei den Weltmeisterschaften der Amateure.

Angefangen hat alles mit Scrabble: „Das habe ich immer online gespielt, bis mein Mann mich überredet hat, es mal mit Poker zu versuchen“, erinnert sie sich. Von Anfang an war sie mit Spaß und Ehrgeiz dabei: „Poker ist eine Sache der Konzentration und der Psychologie, denn man muss seine Mitmenschen gut einschätzen können“, sagt sie.

Wahrscheinlichkeiten einschätzen

Auch Mathe, schon zu Schulzeiten eins ihrer Lieblingsfächer, spielt eine wichtige Rolle. „Es geht darum, Wahrscheinlichkeiten einzuschätzen“, sagt sie. In Wien hat sie Ende April bewiesen, dass sie das ziemlich gut kann: Von Poker-Spielern etwa aus England, Irland oder Belgien blieb am Ende nur Kruse übrig. Nach wie vor erntet sie überraschte Reaktionen, wenn sie von ihrer großen Leidenschaft, ihrem Hobby berichtet.

„Poker ist noch eine Männerdomäne, in Wien war ich die einzige Frau. Zuvor hatte ich mich für das Team Deutschland qualifiziert“, sagt Kruse und präsentiert stolz ihre Medaillen. Stolz sind auch ihre Vereinskollegen im Texas Hold’em Club Bochum. Mit ihnen spielt sie wöchentlich, stets ohne Geldeinsatz in der Variante Texas Hold’em. „Man kann hier gut üben und dazulernen, außerdem ist es gesellig“, sagt Vorsitzender Lukas Lange, der seit mehr als zehn Jahren spielt. Üben kann man dabei auch sein Pokerface. Lange rät: „Authentisch bleiben und sich nicht verstellen.“ Schon als Kind könne man dafür trainieren – etwa, wenn die Mutter fragt, ob man genascht habe, sagt er augenzwinkernd.

Strategie ist beim Pokern wichtig

„Ich liebe die Turnieratmosphäre“, sagt Thomas Berens und Franz-Josef Vergin mit dem Spitznamen „Mumie“ sagt: „Man muss dem Gegner immer vermitteln, dass man genau das Blatt hat, welches man nicht hat.“

Mit Dirk Dobbert ist auch ein professioneller Dealer aus Hohensyburg mit dabei. „Ich dachte immer Pokern sei ein Glücksspiel, aber es hat viel mit Strategie zu tun“, sagt er. Einen Traum teilen übrigens viele der 55 Vereinsmitglieder: Einmal nach Las Vegas.

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