Auszeichnung

Wettbewerbspreis verbindet Psychotherapie und Kunst

Kuratorin Tanja Kleine-Quadflieg (li.) mit den RUB-Professoren Silvia Schneider und Jürgen Margraf.

Kuratorin Tanja Kleine-Quadflieg (li.) mit den RUB-Professoren Silvia Schneider und Jürgen Margraf.

Foto: ngo Otto / FUNKE Foto Services

Das Zentrum für Psychotherapie der Ruhr-Uni vergibt zum zweiten Mal seinen Kunstpreis. Er stößt auf großes Interesse: Es gab 600 Einreichungen.

Eine Bochumer Auszeichnung, die noch nicht allzu bekannt ist, wird von einer Institution der Ruhr-Uni vergeben: der Preis „Psyche – Kunst – Gesundheit“ des Zentrums für Psychotherapie. Der nähere Blick auf den Preis und dessen Hintergrund ist in mehrfacher Hinsicht lohnend.

Zum zweiten Mal verliehen

Außerhalb interessierter Kreise kennt kaum jemand das Zentrum für Psychotherapie. Dabei werden in dem im „Bochumer Fenster“ (ehemalige Stadtbadgalerie) angesiedelten Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit (FBZ) nicht nur Wissenschaft und Ausbildung betrieben, sondern pro Jahr auch über 2000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit psychischen Störungen behandelt. „Das FBZ nimmt damit in Bochum und im Ruhrgebiet eine bedeutende Rolle in der Versorgung von Menschen mit psychischen Problemen ein“, steht für FBZ-Leiter Prof. Jürgen Margraf fest.

Seit Gründung der Einrichtung 2011 erfüllt das Zusammenspiel von Psyche, Kunst und Gesundheit eine wichtige Funktion im Psychotherapiekonzept. „Kunst und kreatives Tun werden als bedeutsames Element für den Erfolg der Psychotherapieeinrichtung verstanden“, so Prof. Silvia Schneider (Klinische Kinder- und Jugendpsychologie). So kam man auf die Idee, den Heil- und Forschungsansatz durch das Ausloben eines eigenen Kunst-Awards zu betonen. In diesem Jahr wird der mit 10.000 Euro dotierte Preis „Psyche – Kunst – Gesundheit“ zum zweiten Mal verliehen.

Großes Interesse

Er stößt auf großes Interesse: 630 (!) Künstlerinnen und Künstler hatten sich auf die Ausschreibung gemeldet. Eine auch mit Kunstexperten besetzte Jury wählte 15 Werke von jungen ebenso wie von arrivierten Kreativen aus; die Exponate sind in den Räumen des FBZ ausgestellt und öffentlich zugänglich. Die ebenfalls öffentliche Preisvergabe findet am Donnerstag, 6. Juni, um 17 Uhr im „Bochumer Fenster“ statt.

Kunst und Psyche stehen seit je in enger Wechselbeziehung: Bilder als Spiegel der Seele, die helfen können, unser eigenes Sehen und Erleben neu zu deuten. Die für die Ausstellung ausgewählten inspirierenden und einfühlsamen Gemälde, Plastiken und Installationen weisen genau in diese Richtung. Es sind keine Kreativarbeiten, die z.B. während Psychotherapiesitzungen entstanden, vielmehr handelt es sich um originäre Kunstwerke, die sich mit dem Thema „Mensch und Psyche“ auseinandersetzt.

Sie sind nicht immer nur „schön“, sondern widersprüchlich wie das Leben selbst. So Klara Kaysers 3,7 x 2,5 m große Kaltnadelradierung „Ragnarök“, auf der Kratzer oder Schrammen wie auf menschlicher Haut nachgebildet werden. Oder Dana Widawskis Fliesen-Fries „Geh doch“, der sich das Ornament als Verhaltensmuster aneignet. Aber es gibt auch spielerische Lösungen für komplexe Themen wie in Lindy Annis’ „Simple Souls“, einer Mobilé-Installation aus Miniaturkörpern aus farbigem Papier und Nähfaden.

Die Ausstellung ist in den laufenden Betrieb des Forschungs- und Behandlungszentrums eingebunden und dient Patienten wie Mitarbeitern gleichermaßen als Inspiration. Die Kunstwerke finden sich sowohl in den Aufenthaltsbereichen als auch in den Therapieräumen.

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