Schulwechsel

Wie sich der Schulalltag für die WAZ-Familie verändert hat

Am Nachmittag zieht es Bryan auf den Fußballplatz. Noch lässt ihm die Schule ausreichend Zeit für sein Lieblingshobby.

Am Nachmittag zieht es Bryan auf den Fußballplatz. Noch lässt ihm die Schule ausreichend Zeit für sein Lieblingshobby.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Für Kinder ist der Schritt von der Grundschule auf die weiterführende Schule eine aufregende Sache. Auch Bryan ist nun Fünftklässler.

So lange für das Fußballtraining am Nachmittag genug Zeit bleibt, kann die Schule Bryan nicht die Laune verderben – im Gegenteil: „Bisher macht es Spaß“, sagt der Fünftklässler. Und zeigt erst einmal seinen neuen Schülerausweis vor. Auf der Vorderseite Foto, Name, Geburtsdatum, auf der Rückseite das Wappen der Hildegardis-Schule, die Bryan seit Ende August besucht.

Was die Begriffe im Wappen bedeuten? Bryan runzelt die Stirn, „Scientia“, „Disciplina“ und „Bonitas“ sagen ihm nichts. Aber in seiner bilingualen Klasse steht ja auch nicht Latein, sondern Französisch auf dem Stundenplan, jeden Tag.

Neue Fächer und Vokabeln lernen

Englisch hat Bryan nur zweimal in der Woche. „Jetzt wird die Grundlage geschaffen für den bilingualen Unterricht ab der siebten Klasse“, erklärt Mama Susan Kuriewicz. „Später gibt es wieder mehr Englischstunden.“

Die Entscheidung für die Zweisprachigkeit betrifft nicht nur Bryan: „Am Wochenende haben wir beide 66 Vokabeln gebüffelt“, sagt Susan. „Meine kleine Katze, mon petit chat.“

Auch neu: die Fächer Erdkunde und Biologie. Und viele Freunde. 25 Kinder gehen in Bryans Klasse, sieben Jungen, 18 Mädchen. Unter Jungs versteht man sich eben, findet Bryan, ist doch klar – und was ist mit den Mädchen? Kein Kommentar.

Allerdings scheinen einige Mädchen Bryan durchaus sympathisch zu finden: Mit zehn Stimmen ist er zum Klassensprecher gewählt worden – rein rechnerisch also auch von den Mitschülerinnen.

Seine Aufgaben? Bryan zählt auf: „Streit schlichten, zu Sitzungen gehen, neue Regeln bilden, die Schülersprecher wählen und helfen, wenn Kinder Probleme mit den Lehrern haben.“

Gute Noten für ordentliche Ordner

Das Verantwortungsbewusstsein der Kinder zu stärken, gehört zum Selbstverständnis der Schule. So standen die ersten Tage ganz im Zeichen von Planung und Organisation.

Materiallisten und Buchpläne wurden ausgegeben, Buchpaten zugeteilt, damit sich die Kinder abwechseln können und nicht jeder immer jedes Buch einpacken muss, Hausaufgaben-Paten, die einander informieren, wenn einer von ihnen krank war.

Einfach Pause machen geht nicht

Auch im Unterricht macht sich bemerkbar, dass auf dem Gymnasium einiges anders ist. „Wer fertig ist, bekommt eine neue Aufgabe“, erzählt Bryan. „Da kann man nicht einfach Pause machen.“ Zudem wird benotet, wie ordentlich die Kinder Hefte und Ordner führen.

Susan war erst skeptisch, wie Bryan den großen Schritt vom behüteten Grundschulleben zum Alltag an einem Gymnasium bewältigt, doch er scheint sich gut zu schlagen. „Er ist viel organisierter, als ich gedacht habe“, sagt Susan.

Auch zum Vokabellernen musste Bryan eher seine Mama motivieren als umgekehrt. Wegen beruflicher Weiterbildungen hat die nämlich momentan selbst ziemlich viel zu lernen, so dass sie auf „mon petit chat“ gut verzichten könnte.

Schulleiter setzt auf Kommunikation

Einen Elternabend hat Susan bereits hinter sich und ist noch immer beeindruckt von der Ansprache des Schulleiters. Er habe betont, wie wichtig die Zusammenarbeit von Kindern, Eltern und Lehrern sei und an die Eltern appelliert, Probleme offen anzusprechen. Gelegenheit dazu wird sich schon im November bieten, wenn der erste Elternsprechtag stattfindet – bei dem es ausdrücklich nicht um Zensuren gehen soll, „um den Kindern nicht zuviel Druck zu machen“, erklärt Susan.

Der Frust nach der Ablehnung durch das Schiller-Gymnasium, Bryans absolute Wunschschule, scheint längst vergessen zu sein. Am Ende zählt für ihn schließlich nur: „Ich muss immer was zu tun haben, Lernen oder Fußball“.

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