Stadtjubiläum

100 Jahre Bottrop: Geschichtswerkstatt steuert Buch bei

Fast alle Autoren von „Lebensräume. 100 Jahre Stadt Bottrop. 1919-2019“ kamen jetzt zur Buchvorstellung ins Stadtarchiv.

Fast alle Autoren von „Lebensräume. 100 Jahre Stadt Bottrop. 1919-2019“ kamen jetzt zur Buchvorstellung ins Stadtarchiv.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Elf Autoren schauen aus elf verschiedenen Blickwinkeln auf Bottrops Stadtgeschichte. Themen reichen vom Bergbau übers Image bis zur Zuwanderung.

Zwei Jahre Arbeit stecken in der neuesten Publikation zum Stadtjubiläum, elf Autoren haben daran mitgewirkt, um 100 Jahre Stadt Bottrop aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten: „Lebensräume“ ist der Titel des Bandes, der auf mehr als 300 Seiten viel Lesestoff für geschichtlich Interessierte bietet.

Dabei stammen die Autoren größtenteils aus der Geschichtswerkstatt. Sie haben für ihre umfänglich recherchierten Aufsätze teils ungewöhnliche Ansätze gewählt. „Rudolf Isfort erzählt die Geschichte der Stadt, Deutschlands und der Welt am Beispiel der Aegidistraße“, hebt etwa Stadtarchivarin und Buch-Redakteurin Heike Biskup bei der Vorstellung des Bandes hervor.

Einfache Menschen von der Aegidistraße

Hobby-Historiker Isfort selbst beschreibt es so: „Ich bin auf die Idee gekommen, als Prototypen für den einfachen Menschen Leute von der Aegidistraße zu nehmen“, wobei er seine Sozialisierung habe einfließen lassen.

Auch Wilfried Krix bewegten offenbar persönliche Erlebnisse zu seinem Beitrag „Von Klein-Warschau bis Innovation City. Das Bottrop-Bild im Wechselbad von 100 Jahren.“ Er habe auf der damaligen Ruhröl in der Boy gearbeitet, berichtet der Autor. „Wir in Bottrop hatten nicht das beste Image.“ Er erinnert sich an Witze und den Spruch „Da wird ja noch mit Zloty bezahlt“, den er an der Berufsschule Gelsenkirchen hörte. Was sich da bis heute geändert habe, versuche er darzulegen.

Vereine als tragende Säulen der Stadtgesellschaft

„Ein besonders positives Image haben hier die Wälder“, bemerkt Stefan Voßschmidt, der sich genau mit diesem Thema befasst: „Wälder in Bottrop“. Neue Erkenntnisse hat Antje Herbst gewonnen, die sich mit der „Bedeutung der Vereine für die Stadt Bottrop“ beschäftigte. „Es gab Zeiten, da gab es bis zu 800 bis 900 Vereine in Bottrop“, so Herbst. „Jeder, vom Säugling bis zum Greis, kommt in Bottrop mit Vereinen in Verbindung – und sei es nur, dass man zum Karnevalsumzug geht.“ Sie sei inzwischen sicher, dass die Stadt ohne Vereine nicht funktionieren würde.

Mit VHS-Leiter Uwe Dorow (zur Gründung der Volkshochschule vor hundert Jahren) und Thomas Schwarzer, Leiter des Referats Migration, steuern auch zwei Verwaltungsmitarbeiter Beiträge bei. Schwarzer betrachtet die Zuwanderungsgeschichte, denn „ohne Migration keine Stadt Bottrop“. Aktive Akteure aus dem Kulturleben sind es auch, die „100 Jahre Kulturschaffen in Bottrop“ im Gespräch aufarbeiten – aufgezeichnet von Rainer Neuwirth.

Karten verdeutlichen Entwicklung optisch

Dazu kommen – natürlich – ein Beitrag über die „Stadt des Bergbaus“ von Josef Tümmers, der Blick auf die „Veränderungen in der religiösen Landschaft“ von Josef Bucksteeg, ein Artikel zur Stadtplanung vom zwischenzeitlich verstorbenen früheren Oberstadtdirektor Norbert Wallmann und eine Einführung von Andreas Kamp. Optisch wird die Entwicklung Bottrops durch Stadtpläne von 1921, 1958, 1978 und 2018 verdeutlicht – sie finden sich in einer Tasche ganz am Ende des Bandes.

„Ich denke, dieses Buch ist eine bleibende Geschichte“, würdigt Kulturamtsleiter Andreas Kind den Band. Ein Werk, das auch über das Stadtjubiläum hinaus interessant bleibe.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben