Vor Gericht

Amokfahrt von Silvester: Wut und Tränen im Gerichtssaal

Szene auf dem Berliner Platz, einen Tag nach der Amokfahrt in der Silvesternacht.

Szene auf dem Berliner Platz, einen Tag nach der Amokfahrt in der Silvesternacht.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop / Essen.   Im Prozess gegen den Amokfahrer von Bottrop und Essen haben am Mittwoch die ersten Opfer ausgesagt. Dabei fielen auch deutliche Worte.

Es war ein bedrückender Moment, als die zweifache Mutter aus Bottrop langsam zum Zeugentisch lief. Sie trug noch immer eine Fuß-Manschette – eine Folge der Amokfahrt von Silvester. Die 46-Jährige war in der Nacht am schwersten von allen Opfern verletzt worden. Der Amokfahrer hatte sie auf dem Berliner Platz in Bottrop gleich zweimal mit seinem Mercedes überrollt. Es ist wohl pures Glück, dass sie überlebt hat.

Man wollte das neue Jahr mit Familie und Freunden auf der Straße feiern

„Wir sind vor dem Krieg in Syrien geflüchtet, um unsere Familie zu schützen“, sagte die Mutter von zwei Töchtern den Richtern unter Tränen. „Und dann mussten wir so etwas erleben.“

Die 46-Jährige hatte mit Freunden und Familie auf der Straße feiern wollen, als der Amokfahrer plötzlich auf sie zukam. „Ich habe versucht, mich zu retten, aber das ging nicht mehr.“ Die Folgen waren dramatisch. Die Knieschlagader war durch das zweimalige Überfahren – erst vorwärts, dann im Rückwärtsgang – abgerissen worden, auch die Leber blutete.

Das Akzeptieren einer Entschuldigung bleibt offen

Fünf Wochen musste die Bottroperin im Krankenhaus bleiben, davon eine Woche auf der Intensivstation. Sie wurde dreimal operiert, kann aber bis heute noch nicht wieder richtig gut laufen. „Ich habe Schmerzen“, sagte sie den Richtern.

Dann wandte sie sich direkt an den Amokfahrer und meinte zu dessen möglicherweise fremdenfeindlichen Motiven: „Ich mache keinen Unterschied zwischen den Menschen – egal welcher Religion und Nationalität.“ Ob sie die Bitte um Entschuldigung des 50-Jährigen annehmen will, wisse sie noch nicht.

Ihr ebenfalls vernommener Ehemann wurde in diesem Fall deutlicher: „Ich nehme die Entschuldigung nicht an“, sagte er.

„Er wollte meine Familie vor meinen Augen umbringen. So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Auch der Ehemann war gestürzt, nachdem er sich in seiner Verzweiflung vor das Auto gestellt hatte. Statt anzuhalten hatte der 50-Jährige jedoch Gas gegeben.

Täter droht unbefristete Unterbringung in der Psychiatrie

Der Amokfahrer war in der Silvesternacht in Bottrop und Essen gezielt in Gruppen von Menschen mit Migrationshintergrund gefahren. 14 Personen wurden verletzt. Zum Prozessauftakt hatte sich der 50-jährige auf Erinnerungslücken berufen, eine fremdenfeindliche Einstellung aber bestritten. Im Prozess droht ihm die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.

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