Europawahl

Andrea Nahles kämpft auf dem Markt in Bottrop um Wähler

Die SPD-Bundesvorsitzende Andrea Nahles, die Bottroper SPD-Vorsitzende Sonja Voßbeck und SPD-Europa-Kandidatin Kirsten Einck (von rechts) diskutieren auf dem Markt mit Wählerinnen und Wählern.

Die SPD-Bundesvorsitzende Andrea Nahles, die Bottroper SPD-Vorsitzende Sonja Voßbeck und SPD-Europa-Kandidatin Kirsten Einck (von rechts) diskutieren auf dem Markt mit Wählerinnen und Wählern.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Die SPD-Bundesvorsitzende, Andrea Nahles, diskutierte auf dem Bottroper Wochenmarkt mit Bürgern. Leichtes Spiel hatte sie dabei nicht.

Andrea Nahles will kämpfen - dafür, dass die europäischen Sozialdemokraten nach der Europawahl stärkste Kraft und der niederländische Spitzenkandidat Frans Timmermans neuer Präsident der EU-Kommission werden. Andrea Nahles muss kämpfen - weil ihr die Bürger beim Treffen auf dem Wochenmarkt im Bottroper Stadtkern oft kritische Fragen stellen. Und Andreas Nahles kämpft - freundlich, lächelnd und auch schon mal mit leicht erhobener Stimme, wenn der Widerspruch zu heftig wird.

„Wir kämpfen“, verspricht die SPD-Vorsitzende Parteianhängern wie Kritikern, die die schlechten Umfragewerte der SPD ansprechen. Auf europäischer Ebene trennen Sozialdemokraten und Konservative nur wenige Stimmen, sagt sie. „Es kommt sehr auf Deutschland an“, betont Andrea Nahles, um die 15 Jahre lange konservative EU-Präsidentschaft zu beenden. „Ich erwarte keine Wunder“, sagt die SPD-Chefin, „aber jede Stimme mehr hilft unserer europäischen Fraktion“.

Um die 30 SPD-Anhänger und Wähler umringen die Spitzenpolitikerin am SPD-Stand am Pferdemarkt. Von dort aus schlendert die Bundestagsabgeordnete über die Hochstraße von Marktstand zu Marktstand und verteilt rote Rosen unter den Leuten. Immer wieder bilden sich Menschentrauben. An Nahles kommt dann kaum einer auf die Schnelle vorbei. „Am Sonntag ist Europawahl, wissen Sie ja“, spricht die SPD-Chefin Kundin um Kunde an. Einige versichern ihr, dass sie wählen werden. „Hoffentlich, die richtigen“, ruft ihnen die Politikerin schnell zu.

Andrea Nahles machte sich mit der Bottroper SPD-Vorsitzenden Sonja Voßbeck und Europa-Kandidatin Kirsten Einck auf den Weg. Sonja Voßbeck stellte ihr die Hernerin vorher kurz vor. Kirsten, wer? Das fragen nicht wenige. Bürgerferne werfen sie den Berufspolitikern vor. „Die haben kein Gespür mehr für die Leute“, sagt Hans-Jürgen Dimpel. Das sei nicht nur in Brüssel so, sondern auch in Berlin und Düsseldorf, findet Dirk Rücker. Dass sich die SPD-Vorsitzende den Fragen der Bürger stellt, erkenne er an. „Das ist aber doch nur Wahlkampf. Sie sollte uns aber auch zuhören, wenn keine Wahl bevor steht“, meint er.

Wirkliches Vertrauen hätten die Leute doch nur noch in Kommunalpolitiker, findet auch der Bottroper Norbert Rassel. Oberbürgermeister Bernd Tischler etwa lobt der frühere Jugendfeuerwehrwart ausdrücklich. Die Europäische Union findet Norbert Rassel dennoch gut. „Europa, das heißt Frieden“, betont er. Der Schuh drückt ihm ähnlich wie so vielen woanders. Über deutsche Themen wie die Grundrente zum Beispiel wollen sie mit Andrea Nahles diskutieren oder sich über die Doppelbeiträge für Betriebsrentner beschweren. Ein älterer Herr wird dann doch europäisch. „Enteignung der Sparer“, wirft er in die Runde. Die SPD-Chefin stutzt. Schnell begreift sie, worum es geht. Wegen Europas Geldpolitik machen Sparer ja Minus. „Tja“, sagt Andrea Nahles. Die Zinsen werden langsam ansteigen. Zu schnell dürfe das nicht gehen, erklärt sie, sonst verliere Europa auch noch Italien - und Italien wirkt auf einmal weiter entfernt denn je vom Alltag ihrer Zuhörer.

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