Kokerei Prosper

Bottroper sehen ersten Lichtblick im Streit um Staubwolken

Ein Messglas hat die Stadt im Garten von Peter Hünselar aufgestellt. Das kann hier so lange stehen wie nötig, meint der Welheimer.

Ein Messglas hat die Stadt im Garten von Peter Hünselar aufgestellt. Das kann hier so lange stehen wie nötig, meint der Welheimer.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Nachbarn der Bottroper Kokerei klagen auch in diesem Sommer über Staub und Schmutz. Etwas Hoffnung machen ihnen erste Messergebnisse der Stadt.  

Auf seine Gartenterrasse möchte sich Peter Hünselar mit seinen Nachbarn eigentlich nicht so gern setzen. „Da muss ich ja erst mal alles abwischen“, sagt der Welheimer. Auf dem Terrassentisch hinter dem Reihenhaus am Kämpchen verteilen sich schwarze Staubspuren. Einer der Gäste wischt sie schnell mit einem bereit liegenden Putzlappen beiseite. Im Nu ist auch das leicht angefeuchtete Wischtuch verschmutzt. Das sei noch gar nichts, sagt Peter Hünselar. Es habe auch in diesem Sommer wieder weit schlimmere Tage gegeben. Genau das hatten die Welheimer Nachbarn ja befürchtet: dass ihnen auch in diesem Sommer wieder Staub und Schmutz in die Gärten und Wohnungen wehen wird. Dennoch haben sie jetzt ein wenig Hoffnung, dass das ja vielleicht doch besser werden könnte.

Als kleinen Lichtblick sehen die Anwohner die Staubmessungen der Stadt an. Auch wenn es noch keine offiziellen Ergebnisse vorliegen, halten Mitarbeiter des städtischen Umweltressorts ja schon einmal fest, dass es im Bottroper Süden Probleme mit dem Staub gibt. In einer Vorlage für den Umweltausschuss des Stadtrates berichten die Fachleute, dass in vier von sechs Proben „eine deutlich erhöhte Staubdeposition“ festgestellt worden sei. Dass der Staub zu ihnen weht, wissen die Welheimer zwar sowieso, doch jetzt haben sie es immerhin von neutraler Stelle auch schwarz auf weiß.

Im Streit um Staub drehen sich die Kokerei und die Bürger ständig im Kreis

„Das Problem ist ja: Da kommt Staub zu uns, und der ist schwarz. Die Kokerei aber sagt: Der ist nicht von uns. So drehen wir uns immer wieder im Kreis“, meint Roswitha Pausch. Jetzt aber lässt auch die Stadt die Messproben daraufhin untersuchen, in welcher Menge darin koksstämmige Anteile enthalten sind. Denn auch sie will in Erfahrung bringen, woher der grobe Staub kommt. Für die Anwohner liegt der Verdacht ohnehin nahe, dass der Schmutz von der Kokerei Prosper herüber weht.

„Wir zählen da einfach drei und drei zusammen“, sagt Helmut Löwenberg. Bei relativ starkem Wind aus südwestlicher Richtung wehe der Dreck von der Kokerei herüber nach Welheim, wahrscheinlich von der Kohlenmischhalde. Die Kohlenanteile in den Staubproben solle die Stadt überprüfen, meint Peter Pausch, und Ehefrau Roswitha wirft die Frage auf, ob nicht Vergleichsproben viel einfacher Klarheit über die Verursacherin der Luftbelastung schaffen könne. Sie würde die Zusammensetzung der Staubproben aus dem Garten von Peter Hünselar mit der einer Probe von der Kohlenhalde der Kokerei vergleichen. „Das lässt die Kokerei aber nicht zu“, argwöhnt die Welheimerin.

In den letzten drei Jahren kam es immer wieder zu Verschmutzungen

Dass die Stadt eigene Proben nimmt, sei im Sinne der Kokereinachbarn, bekräftigt Peter Hünselar. Denn den Vertretern der Kokerei trauen die Welheimer nicht wirklich. Zu oft seien ihnen in Anwohnertreffen Verbesserungen versprochen worden. „Dann gehen wir nach Hause und müssen dann ja doch wieder Dreck wegfegen“, begründet Peter Pausch. In den letzten drei Jahren seien die Probleme mit der Verschmutzung von Luft und Gärten massiv aufgetreten, stellt Helmut Löwenberg fest. „Jedes Jahr kommt mindestens einmal sehr viel Dreck zu uns herüber. Das war in den 25 bis 30 Jahren vorher nicht so“, sagt der Welheimer.

Zwar kündige die Kokerei freiwillige Entschädigungszahlungen an, wenn sie sich als Verursacherin von Verschmutzungen sehe, doch es sei nicht zu durchschauen, nach welchen Kriterien sie dabei vorgehe. Bei Beschwerden suchten Mitarbeiter der Kokerei die Anwohner auf, um Staubproben zu nehmen. Das sei aber nicht bei allen Beschwerden gleich. „Bei den einen werden Proben genommen, bei anderen wieder nicht“, meint Peter Hünslar. „Wir wissen auch gar nicht, was da bei den sogenannten Mischproben zusammengeschüttet wird, um auf eine ausreichende Menge zu kommen“, zweifelt auch Peter Pausch die Vorgehensweise an. Im Ergebnis wecke die Ungleichbehandlung bei Zahlungen Misstrauen unter den Nachbarn, und so mancher Betroffene frage sich: Wieso bekommt der eine die Entschädigung, ein anderer ein paar Häuser weiter aber nicht.

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