Plastikfrei

Bottroper Unverpackt-Laden expandiert nach Oberhausen

Annette Metzgen inmitten der Spendersysteme, in denen bei „Allerlei Verpackungsfrei“ in Bottrop unterschiedlichste Waren zum Abfüllen angeboten werden.

Annette Metzgen inmitten der Spendersysteme, in denen bei „Allerlei Verpackungsfrei“ in Bottrop unterschiedlichste Waren zum Abfüllen angeboten werden.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Das Bewusstsein für plastikfreies Einkaufen ist gewachsen, sagen die Inhaber von „Allerlei Verpackungsfrei“. Wie Supermarkt-Betreiber das sehen.

Einkaufen möglichst ohne Plastikmüll: Die aktuelle Debatte um den Klimaschutz und Medienberichte über die Belastung von Plastik für Umwelt und Gesundheit haben das Bewusstsein dafür wachsen lassen. Das ist die Erfahrung von Annette Metzgen. Mit ihrem Sohn Sebastian eröffnete sie vor gut zwei Jahren den ersten so genannten Unverpackt-Laden in Bottrop – und jetzt expandieren die beiden nach Oberhausen.

Bei „Allerlei Verpackungsfrei“ an der unteren Hochstraße gibt es (fast) alles zum Abfüllen nach individuellem Bedarf in mitgebrachte Behälter: Nudeln und Hülsenfrüchte, Mehl und Öle, Waschmittel und Duschgel, um nur einiges zu nennen.

Ein bewusster Einkauf

„Am Anfang war das nicht so gut nachgefragt“, erinnert sich Annette Metzgen. „Es ist ein Geschäft, zu dem man vorbereitet kommen muss.“ Nämlich ausgestattet mit Gläsern, Dosen oder Beuteln, die es allerdings auch vor Ort zu kaufen gibt. „Unsere Kunden müssen bewusst einkaufen wollen und können.“

Der Unverpackt-Laden habe sich langsam entwickelt. „Ich habe Kontakte aufgenommen mit Kitas und Ganztagsschulen.“ Einige beliefern die Metzgens jetzt etwa mit Obst in Bio-Qualität. Auch Privatkunden werden teils beliefert. Und: Die Geschäftsinhaber werden angefragt, Vorträge über Plastikvermeidung zu halten.

Filiale soll im Januar in Sterkrade eröffnen

Heute kommen die (vorwiegend Stamm-)Kunden aus Bottrop, Gladbeck, Dorsten, Essen – und von Beginn an auch schon aus Oberhausen. Dort, in Sterkrade an der Steinbrinkstraße, soll voraussichtlich im Januar die erste Filiale eröffnen. Um das zu stemmen, haben die Metzgens wieder eine Crowdfunding-Aktion gestartet und auf Unterstützer gesetzt, die sich mit individuellen Geldbeträgen an der Geschäftseröffnung beteiligen.

„Die Kunden, die zu uns kommen, möchten etwas ändern und etwas für die Umwelt tun“, sagt Annette Metzgen. Sie erkundigten sich auch danach, was sie zur Müllvermeidung daheim austauschen können. Dann fallen ihr als erstes Produkte aus dem Bad ein: die Zahnpasta aus der Tube, das Duschbad in Kunststoffflaschen. Shampoo gibt’s im Laden zum Beispiel als Seife.

Eine Frage der Hygiene

Wolfram Triebe, Betreiber mehrerer Rewe-Märkte, beobachtet die Entwicklung rund um die verpackungsfreien Lebensmittel mit Skepsis. Er glaubt, dass es sich dabei um ein Randthema im Markt handelt. Nichtsdestotrotz, in seinem Markt in Recklinghausen testet er gerade an der Fleischtheke den Service, dass Kunden ihre eigenen Dosen mitbringen. Doch der Aufwand sei groß – aus hygienischen Gründen. „Die Mitarbeiter dürfen die Dose der Kunden nicht anfassen. Sie werden auf ein Tablett gestellt, dann über die Theke gegeben und befüllt und dann wieder zurück gegeben.“ Und nicht zuletzt trage der Kunde dann das Risiko, was die Reinheit seiner Dose angeht.

Anders sei es im Obst- und Gemüsebereich. Da seien die Verpackungen in den letzten Jahren immer weiter zurückgedrängt worden. „Wir verkaufen kaum noch abgepacktes Obst und Gemüse“, so Triebe. Und auch die Plastiktüten im Kassenbereich seien längst durch Papiertüten ersetzt worden. Doch dass sich verpackungsfreie Lebensmittel im Massenmarkt durchsetzen werden, daran glaubt Triebe derzeit nicht.

Banane in der Plastiktüte

Ähnliche Erfahrungen macht Thomas Zakrzewski, der einen Edeka-Markt im Fuhlenbrock betreibt. „Der Verbraucher ist noch nicht sensibel genug, er will weiterhin die Plastiktüten“, das jedenfalls beobachte er oft gerade auch im Obstbereich. Da werde zum Teil eine Banane noch in eine Obsttüte gesteckt. Er biete das Obst und Gemüse teils bereits verpackt, teils lose an, damit der Kunde wählen kann. „Ab und zu mal kommt ein Kunde mit eigenem Netz“, erzählt Zakrzewski. Seine Kunden drängten auch nicht darauf, an der Käse- oder Fleischtheke Waren in eigene Dosen legen zu lassen. Von dieser Praxis nimmt Zakrzewski derzeit auch noch Abstand, „aus hygienischen Gründen. Das ist noch nicht so ausgereift.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben