Experten-Vortrag

In Bottrop braucht der Einzelhandel neue Geschäftsmodelle

Die HRW-Professorin Sarah Hosell machte deutlich, dass der längst eingesetzte Wandel im Handel nicht aufzuhalten ist. Allerdings berichtete die E-Commerce-Expertin auch von Chancen für den stationären Einzelhandel.

Die HRW-Professorin Sarah Hosell machte deutlich, dass der längst eingesetzte Wandel im Handel nicht aufzuhalten ist. Allerdings berichtete die E-Commerce-Expertin auch von Chancen für den stationären Einzelhandel.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Expertin für E-Commerce analysiert die Lage des Bottroper Einzelhandels und zeigt auf, wo Chancen liegen. Der Wandel ist aber nicht zu stoppen

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Wenn unsere Innenstädte verwaisen, viele Geschäfte leerstehen, weil immer mehr Einzelhändler ihre Ladenlokale aufgeben, dann wird das oft mit der übermächtigen Konkurrenz des Online-Handels begründet. Aber muss das auf Dauer so sein? Kann der stationäre Handel in Zukunft existieren und Geld verdienen? Können sich aus dem Wandel auch Chancen ergeben? Diesen Fragen ging Prof. Dr. Sarah Hosell von der Hochschule Ruhr West (HRW) im Rahmen des Studium Generale nach.

Bei ihrem öffentlichen Vortrag im Filmforum „Handel im Wandel“ machte sie die Veränderung der Geschäftsmodelle durch neue Technologien, Trends und Kundenerwartungen transparent. Unsere Gesellschaft unterliege Veränderungen, die nicht aufzuhalten seien. Die junge Generation mache beispielsweise fast alles per Smartphone. Unstrittig sei, dass der Handel auf Veränderungen reagieren muss, so wie er es auch früher schon getan habe, wie ein Rückblick auf die Einführung der ersten Selbstbedienungsläden zeige.

Von der Bedienung und Beratung zur Regalbestückung

Die Tätigkeit der Verkäufer bei Discountern habe sich von der Bedienung und Beratung zur Regalbestückung gewandelt. Die Umsätze im Einzelhandel sind von Jahr zu Jahr gestiegen, wie die Dozentin mit vielen Statistiken bewies. Aber der Anteil des Online-Handels ist dabei erheblich schneller gewachsen. Laut einer Prognose wird er sich bis 2025 auf einen Anteil von 25 Prozent steigern.

Das Online-Geschäft gehe weiter zu Lasten der Innenstädte, die Frequenz und Umsatz einbüßen. Es gebe keine Patentrezepte für den Einzelhandel, betonte Hosell. Die Zukunft sei abhängig von den einzelnen Geschäften, ihrem Sortiment und ihrer Lage. Indes, der Zuwachs des Online-Handels sei nicht aufzuhalten.

Eine Maßnahme: Geschickte Kombination aus stationärem Handel und Online-Präsentation

Die Zukunft könne für viele Händler auch aus einer geschickten Kombination von stationärem Handel und Online-Präsentation bestehen. Eine gute Internet-Präsentation sei dabei unerlässlich. Online könne auch eine Zubringerfunktion für den Einzelhandel haben, denn viele Kunden informierten sich zuerst im Internet, bevor sie dann im Handel kauften.

Die Professorin unterschied zwischen Kaufverhalten zur Bedarfsdeckung und einer Freizeitbeschäftigung. Bei der Bedarfsdeckung gehe es um den schnellen Einkauf mit kurzen Wegen, bei der Freizeitbeschäftigung gebe es andere Prioritäten wie Event- und Aufenthaltsqualität, Branchenmix, attraktive Geschäfte und Beratung.

Das Thema Parkplätze hat zwei Seiten

Das viel diskutierte Thema der Parkplätze sei nur ein Problem bei der Bedarfsdeckung. Dafür wolle der Kunde kein Geld ausgeben. Im Freizeitbereich dürfe der Parkplatz dagegen Geld kosten. Als Beispiel nannte Hosell die akzeptierten hohen Parkgebühren bei Fußballspielen und Freizeitparks.

Zu Veranstaltungsbeginn hatte die Referentin angekündigt, ihr Vortrag sei „keine Berieselung“ und gesagt: „Sie müssen auch etwas tun“. So standen sich auf der Bühne in einer aus dem englischen Parlament bekannten Diskussionsform die Hardcore-Gruppen „Onliner“ und „Offliner“ gegenüber. Die bekennenden Innenstadtbesucher und Online-Shopper schleuderten sich in dieser „Unterhausdiskussion“ abwechselnd Argumente für die eigene oder gegen die andere Haltung entgegen.

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