Gründungsreport

Die Hürden zur Selbstständigkeit sind noch immer zu hoch

Auf Gründermessen wie hier zuletzt in Oberhausen tauschen sich Firmengründer aus und holen sich Rat. Die IHK stellt aber in einer Umfrage fest, dass es noch immer zu viele Hürden für junge Unternehmer gibt.

Auf Gründermessen wie hier zuletzt in Oberhausen tauschen sich Firmengründer aus und holen sich Rat. Die IHK stellt aber in einer Umfrage fest, dass es noch immer zu viele Hürden für junge Unternehmer gibt.

Foto: Kerstin Bögeholz

Bottrop / Emscher-Lippe-Region.  Die für Bottrop zuständige IHK hat Firmengründer nach ihren Schwierigkeiten gefragt. Die nannten so manche Hürde.

Die Hürden auf dem Weg zur Selbstständigkeit sind aus Sicht vieler Gründer nach wie vor noch zu hoch. Das ist ein zentrales Ergebnis einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen bei 1500 Unternehmensgründern aus der Region.

Anlass für die Studie gab der Umstand, dass immer weniger Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Seit 2014 sank die Zahl der jährlichen Unternehmensgründungen landesweit von knapp 70.000 auf unter 60.000 im Jahr 2018. „Es muss uns gelingen, diesen negativen Trend umzukehren und wieder mehr Menschen davon zu überzeugen, dass Selbstständigkeit ein sehr lohnenswertes und attraktives berufliches Ziel ist“, sagt Sven Wolf, Teamleiter Unternehmensförderung der IHK Nord Westfalen.

Nicht einmal die Hälfte spricht von einem guten oder gar sehr guten Gründungsklima

Insgesamt wurden über 10.000 Unternehmer, die im ersten Halbjahr 2018 mit ihrem eigenen Betrieb gestartet sind, danach befragt, was sie dazu angespornt und was sie gebremst hat. Nur noch 33 Prozent der antwortenden Unternehmer aus der Region sehen keinerlei Schwierigkeiten bei der Betriebsgründung. Vor zwei Jahren lag dieser Wert sechs Prozentpunkte höher. Zwei von fünf Befragten bemängeln zudem den „großen bürokratischen Aufwand“. Dazu passt, dass lediglich 43 Prozent der Antwortenden dem Land ein gutes oder gar sehr gutes Gründungsklima bescheinigen.

In kleinen Schritten zur Entlastung von Bürokratie

Ein IHK-Arbeitskreis aus Unternehmerinnen und Unternehmern erarbeitet zurzeit Vorschläge, wie die Politik schon mit kleinen Maßnahmen Unternehmen spürbar entlasten und Bürokratie abbauen kann. Wolf: „Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass Gründen nicht einfacher geworden ist.“ Die in der Umfrage spürbare leichte Abkühlung des Gründungsklimas könnte aber schon wieder umgeschlagen sein, denn einige Maßnahmen zur Vereinfachung und Förderung der Unternehmensgründung sind am 1. Juli 2018 in Kraft getreten. Die Befragten der aktuellen Studie konnten davon noch nicht profitieren. „Wir sind gespannt, wie sich das Gründungsklima in den kommenden beiden Jahren bis zur nächsten Befragung verändern wird.“

Die meisten brauchen weniger als ein halbes Jahr zur Vorbereitung

Wie schon bei der ersten Studie überraschte bei der Auswertung der Fragebögen, wie schnell sich im IHK-Bezirk die Gründer für den Schritt in die Selbständigkeit entschlossen: Über 75 Prozent brauchten für die Vorbereitungsphase weniger als sechs Monate, lediglich gut zwölf Prozent brauchten mehr als ein Jahr. Auffällig ist, dass nur wenige Gründer sich beraten ließen. Nahmen im Jahr 2017 gut 23 Prozent der Befragten eine Gründungsberatung in Anspruch, waren es nun nur noch 19 Prozent.

Die Mehrheit setzt zum Start relativ wenig Kapital ein

Die meisten der antwortenden Gründer starteten mit relativ wenig Kapital. Mehr als die Hälfte setzte weniger als 5000 Euro ein, knapp 27 Prozent bis zu 25.000 Euro, rund 13,5 Prozent bis zu 100.000 Euro und knapp acht Prozent investierten mehr als 100.000 Euro. Die Zahl der Gründer, die mehr als 100.000 Euro investieren, stieg dabei um zwei Prozentpunkte. „Ein Grund dafür dürfte das aktuell sehr niedrige Zinsniveau sein“, so Wolf. Über 70 Prozent setzten ausschließlich auf eigenes Geld, nur 29 Prozent nutzten zur Gründung Fremdkapital.

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