Neuer Vorstand

Die Schützen der Alten Allgemeinen sind lockerer geworden

Der Vorsitzende der Alten Allgemeinen, Andreas Pläsken (links), und sein Vorgänger Günter Korte sitzen im Kompanielokal der ersten Kompanie. Im Hintergrund die Ahnenwand mit den Königspaaren aus der Kompanie.

Der Vorsitzende der Alten Allgemeinen, Andreas Pläsken (links), und sein Vorgänger Günter Korte sitzen im Kompanielokal der ersten Kompanie. Im Hintergrund die Ahnenwand mit den Königspaaren aus der Kompanie.

Foto: Thomas Gödde / Funke Foto Services

Bottrop.  Nach 30 Jahren im Vorstand der Alten Allgemeinen in Bottrop hört Günter Korte auf. In all den Jahren hat sich vieles im Schützenwesen verändert.

Die zerknautschte Schützenmütze vor Günter Korte erzählt von einem langen Schützenleben. Wobei: Streng genommen erzählt sie von zwei Schützenleben, denn schon Kortes Vater trug diese Mütze. Von daher war es wohl irgendwie logisch, dass Korte in die Alte Allgemeine eintrat und dort auch Verantwortung übernahm. 30 Jahre hat er im Vorstand der Gesellschaft mitgearbeitet, zuletzt 15 Jahre als Vorsitzender. Eine Zeit in der sich viel verändert hat – im Schützenwesen und bei der Alten Allgemeinen.

Die Schützen seien lockerer geworden, die Gesellschaft habe sich weiter geöffnet, so Kortes Einschätzung. Nur so könne sie auch bestehen. Und der Erfolg sei messbar. Nach wie vor hat die Alte Allgemeine rund 600 Mitglieder. „In diesem Jahr haben wir zum Schützenfest rund 30 Jungschützen neu aufgenommen“, freut sich Korte über die Entwicklung. Als Jungschützen gelten die unter 30-Jährigen.

Balance zwischen Tradition und Lockerheit

Er selbst ist auch in jungen Jahren in die Gesellschaft eingetreten – wobei er schon als Kind mittendrin war. Schließlich gehörte seiner Familie die Brennerei in der Stadt. Dort traten die Schützen montags vor dem Vogelschießen an zur Zielwassereinnahme. „Ich habe mich immer gefreut wie Bolle wenn die da waren.“

Auf der letzten Sitzung hat er nicht mehr für den Vorsitz kandidiert, die Schützen wählten seinen bisherigen Stellvertreter Andreas Pläsken zu seinem Nachfolger. Pläsken will den Kurs seines Vorgängers fortsetzen und sich bemühen, die Balance zu halten zwischen Tradition und Lockerheit. Denn selbstverständlich gebe es unter den Schützen und vor allem in einer Gesellschaft, die 1876 gegründet wurde, gewisse Traditionen, an denen festgehalten werden soll. Pläsken: „Das ist in der heutigen schnelllebigen Zeit immer schwieriger, aber auch immer nötiger.“

Alte Allgemeine soll eine Männergesellschaft bleiben

So sei es etwa bei aller Lockerheit wichtig, zu bestimmten Situationen – etwa zum Großen Zapfenstreich – auch förmlicher zu werden. Daran wolle niemand rütteln. Und Korte schätzt auch eine andere Tradition. Nämlich die, dass die Alte Allgemeine immer noch eine reine Männergesellschaft ist. „Das finde ich schon in Ordnung“, sagt der ehemalige Vorsitzende.

Ihm ist es auch gelungen, neue Traditionen zu begründen – etwa den Bataillonsfrühschoppen auf seinem Hof. Immer in dem Jahr, in dem kein Schützenfest ist, treffen sich dort alle drei Kompanien der Gesellschaft. Das sei zu Anfang gar nicht so einfach gewesen, erinnert er sich. Denn die drei Kompanien sind durchaus selbstbewusst, planen eigene Veranstaltungen und Aktionen für ihre Mitglieder und stehen auch in gewisser Konkurrenz zueinander. „Als dann die Idee dieses Frühschoppens aufkam, waren einige schon sehr skeptisch“, erinnert sich Korte. Heute ist das Treffen aus dem Schützenkalender nicht mehr wegzudenken.

Den Zusammenhalt zwischen den Kompanien stärken

Denn ihm sei immer wichtig gewesen, das Gemeinsame zwischen den Kompanien zu betonen und auszuweiten. „Denn letztlich sind wir alle Schützen und wollen Schützenfest feiern.“ Ein Anliegen, das Andreas Pläsken so weiterführen will, von dem er aber auch glaubt, dass es sich in der Gesellschaft durchgesetzt hat. Es funktioniere eben nur, wenn letztlich alle Kompanien an einem Strang ziehen.

Andererseits hat sich Korte auch nicht davor gescheut, alte Zöpfe abzuschneiden. In diesem Jahr fand das Vogelschießen schon zum zweiten Mal an einem Sonntag statt und nicht wie sonst in den Jahrzehnten zuvor am Montag. Die Vorteile lägen auf der Hand. So sei in den beiden Jahren, an denen sonntags geschossen wurde, das Festzelt an allen Abenden voll gewesen. „Vorher war es oft genug so, dass vor allem der Sonntagabend schlecht besucht war. Das ist aber doch eigentlich der Abend für das Königspaar.“

Das Vogelschießen soll zu einem Fest für die ganze Familie werden

Außerdem, so Pläsken, seien nun auch viel mehr Gäste und Zuschauer zum Festplatz an der Bogenstraße gekommen, um den Kampf um die Krone zu verfolgen. Während die Eltern also beim Vogelschießen zuschauten, wurden die Kinder vom Team des Spielmobils betreut. Geht es nach Andreas Pläsken, soll es sich weiter entwickeln, soll das Vogelschießen zu einem Familienfest werden.

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