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Ein Schulbuch für Erwachsene

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Für Kinder in Bottrop änderte sich die Welt im Jahr 1652. Damals wurde die erste Schule gegründet. Es war die Schule an der Cyriakuskirche. Das war der Anfang aller Schulen in der Stadt, sozusagen die „Mutter-Schule“. „Es waren damals ja zuerst die Kirchen, die Schulen gründeten“, erklärt Professor Karl Eckart. Er hat sich in den vergangenen drei Jahren alles über die Entwicklung der Schullandschaft in Bottrop von den Anfängen bis zum heutigen Stand zusammengetragen. Im September, zur Eröffnung des neuen Campuses der Hochschule Ruhr West als bisheriger Höhepunkt der Bildungs-Entwicklung hier, wird das Buch erscheinen.

Es soll kein Fachbuch nur für Experten sein, sagt Eckart, der bis zu seiner Pensionierung 2004 Professor für Angewandte Wirtschafts- und Sozialgeografie an der Mercator-Universität Duisburg war. Es richte sich an alle Leser, die sich für die Schulen interessieren.

Bottrop dient Eckart als Beispiel für die Entwicklung des Schulwesens insgesamt, erklärt er. Rein städtische Besonderheiten ließen sich kaum ausmachen, denn Schule sei früh staatliche Aufgabe gewesen, nicht städtische. Aber eine städtische Besonderheit ist ihm doch aufgefallen: „Die Hartnäckigkeit, mit der die Verantwortlichen damals daran festhielten, dass sich nur Menschen katholischen Glaubens hier niederlassen durften“, erzählt der Bottroper. Mitte des 17. Jahrhunderts sei ein Edikt erlassen worden, wonach es „strengstens verboten“ gewesen sei, dass sich Andersgläubige für längere Zeit in Bottrop niederlassen durften. „Das galt bis zur Industrialisierung.“ Die erste evangelische Kirche – die Lutherkirche – sei daher auch vergleichsweise spät, 1884, gebaut worden, die evangelische Schule erst daran anschließend.

Aber Karl Eckart geht nicht nur der Geschichte nach, er hat sich auch mit den Schul-Reformen beschäftigt. Eine einschneidende Reform der neueren Zeit sei beispielsweise Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erfolgt, als die Volksschule aufgelöst und in Grund- und Hauptschule aufgeteilt wurde. In den 70er Jahren dann seien allgemein bildende Schulen und berufsbildende Schulen verquickt worden. „In den Berufskollegs wurde das umgesetzt. Das starre System von Volksschule, Gymnasium und Hochschule wurde aufgebrochen. Das war eine gute Sache. Jetzt hat jeder Schüler die Möglichkeit, dort einen Abschluss bis hin zum Abitur zu erwerben.“

Und was ist schief gelaufen in der Schule? „Zuletzt“, sagt der Experte, der einen breiten historischen Überblick hat, „gab es zu viele Reformen zu kurz hintereinander.“

Das war 1652 noch ganz anders. Da war es schon eine Reform, dass es überhaupt eine Schule gab.

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