Filmfestival

Filmfestival Bottrop: Auch der Balkan kann Science-Fiction

2. Filmfestival „Bosnia Herzegovina looks around“ in Bottrop: Künstl. Leiter Dieter Wieczorek (3.v.l.)., Schirmherr Oberbürgermeister Bernd Tischler (9.v.l.) sowie Jury-Mitglieder, Sponsoren und Organisatoren vor dem Filmforum.

2. Filmfestival „Bosnia Herzegovina looks around“ in Bottrop: Künstl. Leiter Dieter Wieczorek (3.v.l.)., Schirmherr Oberbürgermeister Bernd Tischler (9.v.l.) sowie Jury-Mitglieder, Sponsoren und Organisatoren vor dem Filmforum.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Das 2. Bosnische Filmfestival in Bottrop war gut für Überraschungen und überzeugte durch Qualität. Hauptpreis für „Third Kind“ von Yorgos Zois.

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Es ist die unglaubliche Vielfalt der Filme quer durch die Genres und dazu die Qualität und Aktualität, mit der diese zweite Auflage des Bottroper Filmfestivals „Bosnia Herzegovina looks around“ seinen künstlerischen Anspruch erneut manifestiert. So war es für die fünfköpfige Jury kein Leichtes, aus über 20 Produktionen, die der künstlerische Leiter des Festivals, Dieter Wieczorek, präsentierte, nach anderthalb Tagen den mit 300 Euro dotierten Hauptpreis „Third Kind“ (Griechenland/Kroatien, 2018) von Regisseur Yorgos Zois auszuwählen.

„Unglaublich große, schöne Bilder, dazu eine Geschichte von der Rückkehr dreier Archäologen auf die verlassene Erde, die zunächst an eine Dystopie des zerstörten Planten denken lässt, dann aber im Laufe dieses 32-minütigen Films das Flüchtlingsthema aufgreift, was ,Third Kind’ auch zu einem heimlichen Dokumentarfilm macht“, so Jury-Sprecher Armin Ceric (Berlin) in der Begründung. Gefilmt wurde u.a. in einem verlassenen Athener Flughafen und einem Stadion.

Hauptpreis und drei Kategorien

Dazu kommen drei Produktionen in den Kategorien „Feingefühl“, „Überraschung“ und „Zukunft“. Sie gingen an „Breath“ von Ermin Bravo (Bosnien-Herzegowina, 2018), ein Film, der „ohne Worte aber mit unheimlich starken Bildern das immer noch fast als Tabu behandelte Thema jüngerer Mann fühlt sich zu viel älterer Frau hingezogen, die dazu noch in einem Hospiz lebt behandelt“, so heißt es in der Jury-Begründung. „The last Well“ von Filip Filkovic kommt als Science-Fiction-Thriller im Tarantino-Stil daher, in dem es 2037 um den Kamp um das Wasser des letzten sauberen Brunnens im Kroatien geht. Thema und Realisation sind dabei sicher auch kinotauglich, und das nicht nur im Bereich Nischeninteresse. Die Kategorie Zukunft belegt schließlich „The Children will come“ (Mazedonien 2017) der jungen Regisseurin Ana Jakimska. Eine hochpoetische Arbeit über eine Lehrerin, die in ein Bergdorf geschickt wird, in dem sie außer einer alten Frau niemanden antrifft. Als die alte Frau stirbt und das Fährboot zerstört ist, beginnt für die junge Lehrerin der Weg in eine ungewisse Zukunft.

Treffpunkt nicht nur für Cineasten

Neben den ausgezeichneten Produktionen ermöglichte das Festival auch jetzt wieder Einblicke in eine auch mehr als 20 Jahre nach Ende der letzten Kriege auf europäischen Boden unruhige Region, die von ethnischen Konflikten aber auch Korruption und Abwanderung geprägt ist. Daneben ist aber gerade auch Bosnien ein Gebiet, in dem der Islam seit hunderten von Jahren ein eigenes europäisches Antlitz entwickeln konnte - jenseits arabisch-fundamentalistischer Einflussversuche, denen die Bevölkerung zum weit überwiegenden Teil ablehnend gegenübersteht, wie der bosnische Imam Nedzad Becic aus Castrop-Rauxel bei Festivaleröffnung im Gespräch betont. So ist das Festival nicht nur spannend für Cineasten, sondern auch ein Treffpunkt für Menschen vom Balkan und für alle, die sich für die Region interessieren.

Hinter dem Festival steht neben öffentlichen und privaten Sponsoren auch der Verein „Aktion Leben und Lernen in Bosnien“.

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