Prozess

Frau sticht Freund mit Buttermesser in Rücken: Bewährung

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Psychisch gestört ist die Bottroperin. Doch als sie ihrem Freund ein Messer in den Rücken stach, war sie schuldfähig, sagt das Landgericht Essen.

Skurril klang sie, nannte sich Millionärin, lehnte ihren Namen ab. Doch trotz ihrer psychischen Auffälligkeiten stufte die XVI. Essener Strafkammer die 25 Jahre alte Bottroperin als schuldfähig ein. Sie hatte ihrem Freund ein Buttermesser in den Rücken gestochen, und dafür bekam sie jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung ein Jahr Haft mit Bewährung.

Damit setzte die Kammer sich über die Empfehlung des psychologischen Gutachters Malik Mbamba hinweg. Er hatte die Angeklagte als schuldunfähig gesehen und wegen ihrer Gefährlichkeit die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie empfohlen. Staatsanwältin Bettina Haschke-Delgmann war ihm mit ihrem Antrag gefolgt, Verteidiger Thorsten Rühl zum Teil. Er sah seine Mandantin zwar auch schuldunfähig, hielt sie aber nicht für gefährlich.

Zuerst nur am Bottroper Amtsgericht angeklagt

Vor den Plädoyers hatte die Kammer sich ein Bild von der psychischen Störung machen können. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft den Fall als kleinere Kriminalität eingestuft und am Bottroper Amtsgericht angeklagt. Doch schon bei der Frage nach ihren Personalien überraschte sie damals mit der Bemerkung, das sei nicht ihr Name. Weil die Psychiatrie drohte, verwies das Amtsgericht den Fall wegen der Zuständigkeit ans Landgericht Essen.

Auf Fragen von Richter Hahnemann blieb die 25-Jährige jetzt dabei, dass der Name in der Akte nicht ihrer sei. Dass sie sich als "Regierung" bezeichne", stimme nicht: "Ich stehe über der Regierung, über Angela Merkel".

Angeklagte spricht von fünf eigenen Kindern

So ging es weiter. Fünf Kinder habe sie zur Welt gebracht und zur Adoption freigegeben. Das Älteste sei 18 Jahre alt, sagt sie und antwortet auf noch gar nicht gestellte Fragen: "Ich weiß, das ist schwer verständlich, weil ich erst 25 bin." Immerhin hat sie Verständnis dafür, wenn andere das als krank sähen.

Psychisch krank sei sie tatsächlich sagt der Gutachter und spricht von paranoider Schizophrenie und Drogenabhängigkeit. Richter Hahnemann hinterfragt das Gutachten kritisch. Denn wie es im Urteil nachher auch die Kammer sieht, glaubt Hahnemann nicht, dass die Erkrankung bei der Tat eine Rolle gespielt habe.

Freund hatte die Wohnung nicht verlassen wollen

Denn die Angeklagte habe damals seit Tagen versucht, den Freund, der sich ungefragt eingenistet hatte, aus ihrer Wohnung zu verweisen. Als er darauf nie reagierte, habe sie ihm am 27. Mai das Messer aus Wut und Verärgerung spontan in den Rücken gestochen. Drei Zentimeter tief drang die Klinge mit der abgerundeten Spitze in den Körper ein.

Sie hatte zwar seine Lunge verletzt, und die Anklage spricht von einem potenziell lebensgefährlichen Pneumothorax. Doch ganz so wild hatte es das Opfer selbst nicht gesehen. Der Mann blieb noch in der Wohnung, übernachtete dort auch. Am nächsten Morgen rief die Angeklagte die Polizei, damit er endlich ging. Erst als die Beamten kamen, wies er diese auf die Verletzung hin. So kam das Strafverfahren in Gang.

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