Bottroper Figurentheatertage

Gratwanderung - eine Oper als One-Man-Show

„Die Bettleroper“, Gastspiel des Puppentheaters Gugelhupf. Hier Spieler Frieder Kräuter mit zwei Protagonisten in der Inszenierung von Jörg Kräuter im Kammerkonzertsaal des Bottroper Kulturzentrums.

„Die Bettleroper“, Gastspiel des Puppentheaters Gugelhupf. Hier Spieler Frieder Kräuter mit zwei Protagonisten in der Inszenierung von Jörg Kräuter im Kammerkonzertsaal des Bottroper Kulturzentrums.

Foto: Andreas Hofmann / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Bei der langen Nacht der Figurentheatertage gab es „Die Bettleroper“ als One-Man-Show. Die „Berliner Stadtmusikanten“ mussten eine Zugabe geben.

23 internationale Figurentheater-Kompanien sind zurzeit in Bottrop zu Gast. Einer der Höhepunkte fand jetzt im Kammerkonzertsaal des Kulturzentrums statt: die lange Figurentheaternacht. Den Anfang machte das Puppentheater Magdeburg mit der „Bettleroper“. Die Geschichte basiert auf einer Oper aus dem Jahr 1728, die in der Londoner Unterwelt spielt. Durch eben diese „Beggars Opera“ ließen sich später Brecht und Weil zur Dreigroschenoper anregen.

Vorlage wurde stark eingedampft

Bei seiner Bettleroper arbeitet Spieler Frieder Kräuter ohne große Bühne, Orchester oder Chor sondern als One-Man-Show und erweckt in einer Bretterkiste mit einem Dutzend Puppen die Londoner Unterwelt zum Leben. Obwohl handwerklich solide inszeniert, weist die Vorführung doch einige Schwächen auf. So ist manchmal der Text kaum zu verstehen, was das Verständnis der Handlung erschwert. Auch ist zu bezweifeln, ob die auf 60 Minuten eingedampfte Story sich Zuschauern erschließt, die die ursprüngliche Geschichte nicht ohnehin kennen.

Nach der Pause wird es dann märchenhaft. Gleich der Begrüßungsapplaus für das „Theater Zitadelle“ macht deutlich: Da sind viele Wiederholungstäter im Publikum, die die Teile I und II der „Berliner Stadtmusikanten“ kennen und jetzt unbedingt wissen wollen, wie die Story weitergeht. Was bisher geschah: Eine modebewusste Kuh, ein einäugiger Wolf, eine demente Katze und ein kesser Spatz hatten sich aufgemacht, in Berlin ihr Glück zu finden, landeten aber stattdessen im Altenheim „zum Sonnenschein“, wo sie unter dem Regime betrügerischer Pflegekräfte litten. Der Fund des millionenschweren „blauen Diamanten“ löst zunächst alle Geldprobleme und die vier können nun ihr Leben in Saus und Braus genießen. Ob Wellnessmassagen oder teure Designerklamotten – wie wäre es mit einem Ballonkleid von Versace für die Kuh? – alles ist möglich.

Skurrile Mischung aus Märchen und Gaunerkomödie

Aber der Schein trügt. Die beiden Gauner, Pfleger Eugen und Schwester Gisela – dargestellt von den herausragenden Puppenspielern Regina und Daniel Wagner - jagen ebenso hinter dem „blauen Diamanten“ her wie die verbrecherische Dogge Don und der skrupellose Fuchs und schrecken dabei auch nicht vor der Entführung eines Katzenbabys zurück.

Schnell wird klar, diese skurrile Mischung aus Märchen und Gaunerkomödie, bringt alles mit, was einen unterhaltsamen Abend garantiert: eine klug verwobene Geschichte, ein großartiges Bühnenbild, stimmig arrangierte musikalische Untermalung und vor allem Sinn für Humor mit treffsicherem Wortwitz und augenzwinkernder Selbstironie. So erzählt die Katze dem Baby als gute Nachtgeschichte der Gebrüder Grimm: Die Bremer Stadtmusikanten. Selbst wenn die Absurdität mit Seniorendisco nebst Headbanger-Einlage auf die Spitze getrieben wird, gehen die Zuschauer begeistert mit. Und natürlich gibt es ein Happy End. Das entführte Katzenbaby verzaubert den böse Don und wird freigelassen, der Fuchs kommt bei einem Polizeieinsatz ums Leben und die Alten-WG schmiedet Pläne für die Zukunft.

Am Ende gibt es tosenden Applaus vom Publikum und zuletzt noch eine kleine Zugabe, in der zwei kalauernde Schafe feststellen, dass die Berliner Stadtmusikanten allesamt Helikoptereltern für das Katzenbaby sind – vor allem der Spatz!

Das Festival endet am 27. September - nächste öffentliche Vorstellungen

Die 15. Bottroper Figurentheatertage enden Freitag, 27. September, mit der öffentlichen Aufführung der „Bremer Stadtmusikanten“ des Schweizer Figurentheaters Fährbetrieb für Menschen ab fünf Jahren um 15 Uhr im Spielraum, Prosperstraße 71.

Am Dienstag, 24. September zeigt die Bühne Cipolla aus Bremen den Klassiker „Michael Kohlhaas“ und am Donnerstag, 26. September, Neville Tranter das Stück „Babylon“, jeweils 19.30 Uhr im Kammerkonzertsaal, Böckenhoffstraße 30.

Karten im WAZ-Leserladen, Osterfelder Straße 13, 46236 Bottrop, oder an der Theaterkasse unter 02041/70 33 08.

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