Karriere

Heimarbeit verlangt Selbstdisziplin – ein Bottroper erzählt

Bei der Arbeit in der eigenen Wohnung gilt es, strukturiert zu sein, berichtet ein erfahrener „Heimarbeiter“ aus Bottrop. (Symbolbild).

Bei der Arbeit in der eigenen Wohnung gilt es, strukturiert zu sein, berichtet ein erfahrener „Heimarbeiter“ aus Bottrop. (Symbolbild).

Foto: dpa Picture-Alliance / Christin Klose

Bottrop.   Das Homeoffice bringt für ihn Vorteile, etwa durch Familienfreundlichkeit. Aber es kann auch seine Tücken haben, berichtet der Bottroper.

Die Nachfrage nach Heimarbeit steigt in Bottrop, das berichten sowohl die Stadtverwaltung als auch das Finanzamt. Wie es sich arbeitet – und lebt – als „Heimarbeiter“, das weiß ein Bottroper, der bereits seit 2005 vom Homeoffice aus agiert. Er kennt viele Vorzüge wie die Familienfreundlichkeit. Er scheut sich aber auch nicht, Nachteile zu benennen – wie die fehlende persönliche Kommunikation mit Kollegen.

Ein selbstständiges Arbeiten im heimischen Büro

Der Bottroper – wir nennen ihn Peter Baumann, weil er seinen richtigen Namen hier nicht lesen möchte – ist im Vertrieb tätig, im Bereich der medizinischen Güter. Weil Projektarbeit, Vorbereitung und Ausarbeitung großen Anteil an seinem Job haben, verbringt Baumann nach eigener Auskunft 80 bis 90 Prozent seiner Arbeitszeit im heimischen Büro, den Rest beim Kunden.

Wöchentliche oder monatliche Präsenztage bei seinem Arbeitgeber in Norddeutschland gebe es nicht – „außer beim Weihnachtsmeeting. Und wir treffen uns immer mal wieder in kleinen Teams überall verteilt.“

Ein sehr selbstständiges Arbeiten also, das dem Beschäftigten auch einiges abverlangt: „Man muss Selbstdisziplin haben und sich organisieren. Und das gilt in beide Richtungen: Man muss die Arbeit erledigen – und irgendwann auch Feierabend machen.“ Erst neulich etwa habe er einen Kollegen anrufen wollen und dann bemerkt: Es ist schon kurz nach 19 Uhr. Recht häufig sei es so, dass er seine eigentliche Arbeitszeit überschreite.

Teilnahme am Familienleben möglich

Andererseits könne er als Vater am Familienleben teilnehmen. „Spätestens wenn die Kinder aus dem Haus sind setze ich mich ins Büro und arbeite. Teilweise bringe ich die Kinder auch zur Schule oder früher in den Kindergarten“, erzählt der 41-Jährige, der ursprünglich aus dem Handwerk kommt. „Das gehört zu den Vorteilen: Wenn die Kinder das wollen, kann ich sie bringen und abholen.“ Oder im Sommer auch mal mit dem Laptop auf die Terrasse gehen, wenn’s passt vielleicht sogar früher Feierabend machen.

Wobei er per Firmenhandy bei jeder Auszeit erreichbar bleibe. „Am Ende des Tages muss es für beide Seiten passen, für den Arbeitnehmer und für den Arbeitgeber“, sagt Peter Baumann mit Blick auf die flexible Verteilung der Arbeitsstunden.

Kinder bringen Leben ins Haus – und Lautstärke

Wenn jedenfalls die beiden älteren Kinder aus der Schule wieder da sind, „dann leben sie auch im Haus. Da kann es lauter werden.“ Und für ihn anstrengender, konzentriert zu arbeiten. Gleichzeitig bestehe die Gefahr, Arbeitsstress ungefiltert in die Familie zu tragen.

Die Zusammenarbeit mit den Kollegen verläuft per Telefon oder Mail. „Einfach zum Kollegen rüber gehen, das kann ich nicht“, bemerkt der Bottroper. Diese persönliche Kommunikation mit Kollegen aber ist das, was dem 41-Jährigen teils fehlt. Irgendwann, bevor sein jüngster Nachwuchs (fast zwei Jahre) auf die Welt kam, „ist mir ein bisschen die Decke auf den Kopf gefallen. Alle waren aus dem Haus, ich habe hier viel geschafft. Dann waren die Kinder und meine Frau wieder zurück – und ich hatte das Haus immer noch nicht verlassen.“

Im Homeoffice fehlt die soziale Kommunikation

Da habe er sich schon über den Paketboten gefreut. Und sich einen Arbeitsplatz in einer Bürogemeinschaft gesucht, „das brauchte ich für die soziale Kommunikation“. Für rund eineinhalb Jahre habe er das regelmäßig genutzt. Im Vergleich kann er sagen: „Zu Hause in Ruhe kann ich konzentrierter arbeiten als in einer Bürogemeinschaft.“

Sein Fazit: „Für mich persönlich ist das Homeoffice ein Gewinn.“ Es passe in seine Lebenssituation.


>> WAS VERMIETER ZUR HEIMARBEIT SAGEN

Kann die Arbeit im Büro daheim zu Konflikten mit dem Vermieter führen? Eher nicht, meint Markus Kruse, Geschäftsführer vom Eigentümerverein Haus & Grund in Bottrop. „In der Regel ist das völlig unproblematisch“, sagt er. „Ich habe noch nie erlebt, dass Vermieter etwas dagegen gehabt hätten.“

Mieter hätten Anspruch darauf, wenn die Heimarbeit zu keiner Beeinträchtigung führe, die über den normalen Wohngebrauch hinaus gehe, so Kruse.

Bei Kundenverkehr oder Lärm wird Vereinbarung nötig

Laut Experten der Versicherung Arag sieht es aber etwa bei einem freiberuflichen Versicherungsvertreter, der zu Hause Kunden empfängt, anders aus: „Durch den Kundenverkehr werden nicht nur Treppenhaus und Wohnung stärker abgenutzt, sondern unter Umständen auch die Nachbarn gestört. Das geht nicht ohne eine Vereinbarung mit dem Vermieter, der die geschäftlichen Aktivitäten nicht dulden muss.“

Die heimische Tätigkeit ablehnen dürfe der Vermieter auch, wenn sie mit Lärm verbunden ist, wie etwa beim hauptberuflichen Musiklehrer. Allerdings gelte auch umgekehrt: „Hat die Tätigkeit keine Außenwirkung, selbst wenn sie hauptberuflich erfolgt, muss der Vermieter sie nach Recht und Glauben erlauben.“

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