Junge Familien

Im Marienhospital Bottrop bahnt sich ein Geburtenrekord an

Dr. Hans-Christian Kolberg, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Marienhospital in Bottrop, blättert mit Hebamme Barbara Albersmann im Geburtenbuch.

Dr. Hans-Christian Kolberg, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Marienhospital in Bottrop, blättert mit Hebamme Barbara Albersmann im Geburtenbuch.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Schon im Oktober zählte das Team um Chefarzt Dr. Hans-Christian Kolberg die 1000. Geburt am MHB. So lautet seine Prognose für 2019.

In diesem Jahr kann der bisherige Geburtenrekord am Marienhospital fallen: Dr. Hans-Christian Kolberg, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, rechnet mit rund 1250 Babys, die bis Ende des Jahres im MHB das Licht der Welt erblicken. Denn schon Mitte Oktober verzeichnete das Geburtshilfe-Team dort die 1000. Entbindung. „So früh im Jahr haben wir diese Zahl noch nie erreicht“, sagt Kolberg.

2017 war bisher das Jahr mit den meisten Geburten in den Bottroper Kreißsälen, 1220 gab es vor zwei Jahren, meldet der Chefarzt. Gefolgt übrigens von gut 1200 Entbindungen im Jahr 2018.

2017 schloss die Gladbecker Geburtshilfe

2017 war auch das Jahr, in dem die Geburtshilfe in Gladbeck schloss und sich schwangere Frauen aus der Nachbarstadt neu orientieren mussten. Immerhin rund 500 Entbindungen wurden dort jährlich gezählt. „Direkt am Anfang haben wir da sicherlich von profitiert“, meint Kolberg. „Aber inzwischen hat sich das stabilisiert.“ Aus Gladbeck zähle man 200 bis 250 Geburten. Ins MHB kämen aber inzwischen auch mehr Schwangere aus Essen und anderen umliegenden Städten zur Entbindung.

„Es gibt insgesamt einen Trend, dass Perinatalzentren einen Geburtenzuwachs verzeichnen“, sagt der Chefarzt mit Blick auf dieses spezielle Versorgungsangebot für Schwangere sowie Früh- und Neugeborene (siehe Info-Box). „Und zwar, weil die Menschen sich eine höhere Sicherheit wünschen. Das betrifft nicht nur die Risikoschwangerschaften, sondern auch ganz normal verlaufende Schwangerschaften.“ Auch aus einer Niedrigrisiko-Geburt könne sich eine Komplikation ergeben. „Die Leute wünschen sich, dass dann sofort reagiert werden kann.“

Ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis

Zur Personalausstattung im Perinatalzentrum erläutert Kolberg: „Im Team sind zwei Ärzte mit dem Schwerpunkt Spezielle Geburtshilfe. Es sind immer zwei Hebammen im Dienst und ein Kinderarzt sowie ein Neonatologe.“ Außerdem gebe es eine besonders hohe Personalzahl im pflegerischen Bereich auf der Neugeborenen-Intensivstation in der Kinderklinik.

Ein stark ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis sei auch verantwortlich für einen Teil der Kaiserschnitte am MHB. „Die Kaiserschnittrate liegt bei uns relativ gleichbleibend unter dem Landesschnitt bei 31 Prozent“, so Kolberg. Nicht alle Kaiserschnitte seien medizinisch gesehen notwendig. Aber: „Wenn jemand Angst hat, ist das auch eine psychische Indikation für einen Kaiserschnitt. Man muss das ernst nehmen“, sagt Kolberg und hebt gleichzeitig hervor: „Wir versuchen natürlich schon, die Betroffenen von einer normalen Entbindung zu überzeugen. Wenn sie diese nach ausführlicher Beratung und Erklärung aber nicht wünschen, weisen wir sie nicht zurück.“

Hebammen werden gesucht

Der Babyboom im MHB führt nicht zuletzt zu einem höheren Personalbedarf: Dort werden neue Hebammen gesucht, zwei der 14 Stellen seien unbesetzt. „Durch das ungewöhnlich hohe Engagement unserer Hebammen können derzeit Krankenzeiten und Ausfälle abgefedert werden“, lobt Kolberg. Er fürchtet, dass die Akademisierung des Berufes die Lage nicht verbessert. „Durch das Studium werden Frauen, die für den Beruf geeignet wären, ausgeschlossen. Und anderen öffnen sich nach ihrem Abschluss auch noch andere Berufsfelder.“ Was nicht heißt, dass Kolberg keine Vorteile in der Akademisierung sieht: „Von den Studiengängen gehen auch Studien aus, in denen wissenschaftliche Fragen beantwortet werden“, sagt der Chefarzt und nennt das Thema Stillen als Beispiel. Die Bottroper Klinik arbeitet seit Jahren mit der Hochschule für Gesundheit in Bochum zusammen und bildet Studentinnen in der Hebammenkunde aus.

Lachgas im Kreißsaal

Räumlich komme man in der Geburtshilfe noch zurecht. „Es kann sich mal knubbeln. Aber wir haben bisher noch nie eine Frau abgewiesen und es ist auch unserer Politik, dass das so bleibt.“ In der Regel klappe es sogar, dass die Patienten auf Wunsch ein Familienzimmer bekämen. Insgesamt helfe die relativ kurze Verweildauer der Patientinnen in der Frauenklinik. „In der Geburtshilfe gehen die Damen nach zwei, drei Tagen wieder heim.“

Dort können sie dann bald von einer neuen Methode zur Schmerzausschaltung berichten, die laut Kolberg aktuell Mode in den Kreißsälen ist: der präzise dosierte Einsatz von Lachgas. „Wir werden ein entsprechendes Gerät anschaffen.“

Alles zum Kreißsaal-Check

Diese Krankenhäuser in der Region haben im Kreißsaal-Check unsere Fragen beantwortet:

Bocholt

Kreißsaal-Check: Das St. Agnes-Hospital in Bocholt

Bochum

Kreißsaal-Check: Die Augusta-Kranken-Anstalt in Bochum

Kreißsaal-Check: Das St. Elisabeth-Hospital in Bochum

Bottrop:

Kreißsaal-Check: Das Marienhospital in Bottrop

Dinslaken:

Kreißsaal-Check: Das St. Vinzenz-Hospital in Dinslaken

Duisburg:

Kreißsaal-Check: Das Bethesda Krankenhaus in Duisburg

Kreißsaal-Check: Die Sana Kliniken in Duisburg

Kreißsaal-Check: Das Krankenhaus St. Anna in Duisburg

Kreißsaal-Check: Die St. Johannes Klinik in Duisburg

Düsseldorf:

Kreißsaal-Check: Das Evangelische Krankenhaus in Düsseldorf

Kreißsaal-Check: Das Sana Krankenhaus in Düsseldorf-Benrath

Kreißsaal-Check: Das Florence-Nightingale-Krankenhaus Düsseldorf

Essen:

Kreißsaal-Check: Das Elisabeth-Krankenhaus in Essen

Kreißsaal-Check: Das Marienhospital in Essen-Altenessen

Kreißsaal-Check: Das Universitätsklinikum in Essen

Kreißsaal-Check: Das Alfried Krupp Krankenhaus in Essen

Geldern:

Kreißsaal-Check: Das St.-Clemens-Hospital in Geldern

Gelsenkirchen:

Kreißsaal-Check: Das Marienhospital in Gelsenkirchen

Kreißsaal-Check: Sankt Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen

Herne:

Kreißsaal-Check: Das Marien Hospital in Herne

Kreißsaal-Check: Das St. Anna Hospital in Herne

Kleve:

Kreißsaal-Check: Das St. Antonius-Hospital in Kleve

Moers:

Kreißsaal-Check: Das Krankenhaus Bethanien in Moers

Kreißsaal-Check: Das St. Josef Krankenhaus in Moers

Mülheim:

Kreißsaal-Check: Das Evangelische Krankenhaus in Mülheim

Oberhausen:

Kreißsaal-Check: Das Evangelische Krankenhaus in Oberhausen

Kreißsaal-Check: Das Katholische Klinikum in Oberhausen

Velbert:

Kreißsaal-Check: Das Helios Klinikum Niederberg in Velbert

Wesel:

Kreißsaal-Check: Das Marien-Hospital in Wesel

Witten:

Kreißsaal-Check: Das Marien Hospital in Witten

Kreißsaal-Check: Unsere weitere Berichterstattung zum Thema:

  • Die Stadt Hattingen hat seit 2007 keine Geburtsstation mehr. Werdende Eltern sollten die Entbindung und Betreuung durch eine Hebamme sehr früh planen. Lesen Sie hier mehr.
  • Hebamme Regine Hoffmann aus Witten begleitet bis zu 300 Schwangere jährlich – seit mehr als 40 Jahren. In ihren Vorbereitungskursen räumt sie mit längst überholten Weisheiten auf: „Hecheln ist mega-out!“ Lesen Sie hier mehr.
  • In Dortmund und Duisburg können werdende Mütter ihren Nachwuchs im Fußball-Kreißsaal auf die Welt bringen. Die Nachfrage bei den Fans ist groß. Lesen Sie hier mehr.
  • Adina Stracke ist Hebamme in Sprockhövel. Sie erklärt, warum es immer weniger freiberufliche Hebammen gibt und wie Eltern die Bürokratie spüren. Lesen Sie hier mehr.
  • Eine Hebamme erklärt, warum der Babyblues nicht ungewöhnlich, eine Wochenbett-Depression aber gefährlich ist. Lesen Sie hier mehr.
  • Das Baby von BVB-Star Marco Reus kam in Witten zur Welt. Ein BVB-Fan tröstet sich damals im April 2019 so: „Solange sie nicht in Gelsenkirchen geboren ist, ist alles gut. Hauptsache, im Meisterschaftsjahr.“ Lesen Sie hier mehr.
  • Die Elternschule Essen hat in Rüttenscheid Räume gefunden. Die hohe Kurs-Nachfrage zeigt: Auch in Essen gibt es einen Hebammenmangel. Lesen Sie mehr.
  • Im Marienhospital Bottrop bahnt sich ein Geburtenrekord an. Schon im Oktober zählte das Krankenhaus die 1000. Geburt am MHB. So lautet seine Prognose für 2019.
  • In Deutschland sind Hausgeburten eher Ausnahme als Norm, in den Niederlanden sind es hingegen 13 Prozent. Warum Hausgeburten in den Niederlanden beliebter sind.

Kreißsaal-Check: Geburtsstationen aus der Region:

Zur interaktiven Karte
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben