Aggressive Proteste

Integrationsrat in Bottrop verurteilt Gewalt nach Kurdendemo

Seref Yarisli, Vorsitzender des Bottroper Integrationsrates, äußert sich auf dem Pferdemarkt zum Konflikt zwischen Kurden und Türken.

Seref Yarisli, Vorsitzender des Bottroper Integrationsrates, äußert sich auf dem Pferdemarkt zum Konflikt zwischen Kurden und Türken.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Zu aggressiven Protesten und Gewalt kam es nach einer Kundgebung gegen den Angriff der Türkei auf Nordsyrien. Das sagt der Integrationsrat dazu.

Der Bottroper Integrationsrat verurteilt die gewalttätigen Ausschreitungen und gegenseitigen Provokationen nach der Kundgebung gegen den Einmarsch türkischer Truppen in den von Kurden kontrollierten Norden Syriens. „Ich finde es traurig, dass es zu solchen Ausschreitungen gekommen ist“, sagte Seref Yarisli, Vorsitzender des Integrationsrates, während eines Besuchs in der WAZ-Redaktion. Der Bottroper kritisierte vor allem, dass nach den Protesten in der Innenstadt fünf Polizisten und drei weitere Personen verletzt worden sind. „Ich hoffe, dass sie schnell wieder auf die Beine kommen“, sagte Seref Yarisli.

Bei der Kundgebung hatten sich auf dem Pferdemarkt um die 200 Menschen versammelt, um gegen den Angriff der Türkei zu demonstrieren. Ihnen stand auf der anderen Seite der Osterfelder Straße schließlich eine etwas größere Menge überwiegend türkischstämmiger junger Männer gegenüber, die lautstark gegen die Kundgebung protestierten. Die Polizei spricht von Störern. Ein großes Polizeiaufgebot hielt die beiden Gruppen auch nach der weit vor der Zeit beendeten Kundgebung voneinander fern.

Bottroper verteidigt das Recht auf Demonstrationen

Hier gibt es mehr Artikel, Bilder und Videos aus Bottrop „Ich war am Pferdemarkt und habe gesehen, dass die Demonstranten sich gegenseitig mit Flaschen beworfen haben, und dass es Ausschreitungen gab“, bedauert der Vorsitzende des Integrationsrates. Auch Steine, Schirme und Getränkedosen wurden geworfen. „So etwas geht gar nicht. Andere zu verletzen, ist einfach unmöglich. Ich möchte so etwas in Bottrop nicht erleben“, kritisierte Seref Yarisli.

Der gebürtige Bottroper, dessen Eltern aus der Türkei eingewandert waren, beurteilt den Einmarsch der Türkei in den Norden Syriens anders als die Kundgebungsteilnehmer, die gegen den Angriff protestierten. Seref Yarisli betont allerdings ausdrücklich: „Man kann demonstrieren, aber friedlich. Das gilt für alle. Das ist unser demokratisches Recht. Man muss reden können. Das ist wichtig“. Dazu gehöre auch, dass andere auch anderer Meinung sein können. „Das muss man dann eben aushalten“, erklärte der Vorsitzende des Integrationsrates.

Kritik am Zeigen von Bannern der kurdischen Milizen

Ihm sei aufgefallen, dass viele der Demonstranten, die sich bei den Protesten in der Innenstadt gegenüber standen, nicht in Bottrop wohnen. „Ich habe türkische Freunde, und ich habe auch kurdische Freude. Ich komme mit allen gut aus“, betonte der Vorsitzende des Integrationsrates. Die meisten von ihnen lebten sowohl in Deutschland wie in der Türkei friedlich miteinander. „Probleme gibt es immer nur mit besonders fanatischen Leuten“, sagte Seref Yarisli.

Kritisch beurteilt der Vorsitzende des Integrationsrates, dass es nach der Kundgebung auf dem Pferdemarkt provozierende PKK-Rufe gegeben habe. „Die PKK ist schließlich eine Terror-Organisation und verboten“, sagte der Bottroper. Deutsche Behörden seien ihm in dieser Hinsicht zu nachlässig und müssten entschiedener dagegen vorgehen. Auch dass Zeigen der Banner der YPG und YPJ auf dem Pferdemarkt sieht der Bottroper wegen der Nähe dieser kurdischen Milizen zur PKK kritisch. „Das geht gar nicht“, ärgert sich Seref Yarisli.

Die Flagge Kurdistans und die Fahnen türkischer Nationalisten

Gegen die Flagge Kurdistans, also die rot-weiß-grüne Trikolore mit der gelben Sonne im Zentrum, habe er nichts einzuwenden. Auch die Fahnen auf türkischer Seite müsse man akzeptieren. „Ja, da waren auch Nationalisten. Die sind aber eben nicht verboten“, erklärte das SPD-Mitglied. Nach Ende der Kundgebung sei es allerdings auf beiden Seiten zu Provokationen gekommen. „Beide Seiten haben da Fehler gemacht“, bedauert Seref Yarisli.

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