Gefährdete Vögel

Kiebitze unter Folie gefangen? Bottrops Naturschützer warnen

Seltene Kiebitz brüten in Kirchhellen. Vogelschützer schlagen Alarm, weil Jungvögel womöglich unter eine Folie geraten sind und verhungern könnten.

Seltene Kiebitz brüten in Kirchhellen. Vogelschützer schlagen Alarm, weil Jungvögel womöglich unter eine Folie geraten sind und verhungern könnten.

Foto: Oliver Mengedoht

  Seltene Vögel brüten auf dem Acker an der Dorfheide. Das Feld wurde mit Vlies abgedeckt. Naturschützer fragen: Müssen die Küken jetzt verhungern?

Kiebitze fliegen an dem Erdbeerfeld an der Dorfheide immer wieder aufgeregt hin und her. Sie schreien offenbar nach ihren Jungen. Die seltenen Kiebitze brüten jetzt. Doch das Erdbeerfeld ist mit einem Vlies abgedeckt worden. „Kann es sein, dass wir in Kirchhellen so die letzten Kiebitze brutal ausrotten?“, schlägt Stefan Voßschmidt vom Bottroper Naturschutzbund Alarm.

Denn womöglich sind nun junge Kiebitze unter dem Vlies auf dem Erdbeerfeld gefangen, befürchtet der stellvertretende Vorsitzende des Bottroper Naturschutzbundes. Die Bodenbrüter stehen auf der Internationalen Roten Liste gefährdeter Vogelarten. Das Vorstandsmitglied des Naturschutzbundes hat Oberbürgermeister Bernd Tischler und das städtische Umweltressort alarmiert. Denn die Stadt hatte zugesagt die Kiebitze in Kirchhellen zu schützen.

Naturschützer befürchtet, dass die Küken sterben

Geeignete Flächen in Kirchhellen seien selten. So blieben den Kiebitzen während der Brutzeit nur die Erdbeerfelder, erklärt der Naturschützer. Das sei zwischen Stadt und Landwirt auch so abgestimmt worden. „Nun werden aber seit Tagen die Erdbeerfelder mit Folie überzogen. Wenn sich die Kiebitzküken ducken, werden sie gefangen und müssen verhungern“, warnt Stefan Voßschmidt. Er wirft die Frage auf, welche anderen Tiere unter den Folien sterben können.

„Ich hoffe, wir können etwas bewirken, um die Tiere zu retten“, sagte der zweite Nabu-Vorsitzende. Es sei einerseits wichtig, die unmittelbar bedrohten Kiebitzküken an der Dorfheide zu retten, andererseits aber auch zu verhindern, dass weitere Felder, auf den Kiebitze brüten, mit Folien oder Flies überzogen werden. „Die Stadt muss sofort handeln“, fordert der Naturschützer.

Das Feld wurde nicht wie sonst mit Stroh abgedeckt

Das Feld an der Dorfheide wurde nicht wie sonst oft üblich mit Stroh abgedeckt, sondern mit einem Textil-Vlies, erklärt Tobias Rautenberg, Mitarbeiter der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet. Ob dabei womöglich junge Kiebitze unter den Stoff geragten seien, lasse sich im Nachhinein nicht mehr zweifelfrei nachweisen. Die Jungvögel auf dem Erdbeerfeld hätten ungefähr drei Wochen alt sein müssen, schätzt er. „Sie sind in dem Alter eigentlich recht mobil und gut zu Fuß, aber wenn sie sich entscheiden, sich auf den Boden zu drücken statt wegzulaufen, wäre das natürlich fatal“, meint der Bio-Geograf. „Aber dies ist Theorie und wir können das jetzt nicht mehr zweifelfrei klären“, erklärt er.

Das Feld sei abgedeckt worden, ohne die Bio-Station vorab zu informieren. Das sei mit dem Bewirtschafter eigentlich anders abgesprochen gewesen, betont Tobias Rautenberg. „Wir konnten jedoch auf der benachbarten Baustelle an der Dorfheide an einer Wasserfläche einen älteren Jungvögel samt seiner intensiv warnenden Eltern finden, der mit großer Wahrscheinlichkeit von dem Erdbeerfeld stammt, da im Bereich der Baustelle keine Bruten stattgefunden haben“, berichtet der Fachmann. Außerdem brüte zurzeit ein Kiebitz auf der Fläche direkt nördlich des Erdbeerfeldes. Die Kiebitzschützer wollen daher dort eine Nestmarkierung setzen können, für den Fall, dass auch dort der Boden bearbeitet werden sollte. Derzeit sehe es aber eher nicht danach aus.

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