Ortsgeschichte

Buch beschreibt langen Weg zur neuen Kirche in Grafenwald

Der Leiter des Arbeitskreises Grafenwald Peter Scheidgen, links, stellte mit dem Initiator Willi Stennmans, (2.v.r) und den Arbeitskreismitgliedern das neue Buch vor. Rechts Peter Pawliczek, Vorsitzender des Heimatvereins.

Der Leiter des Arbeitskreises Grafenwald Peter Scheidgen, links, stellte mit dem Initiator Willi Stennmans, (2.v.r) und den Arbeitskreismitgliedern das neue Buch vor. Rechts Peter Pawliczek, Vorsitzender des Heimatvereins.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Kirchhellen.  Band 50 der Schriftenreihe des Heimatvereins ist da. Er schildert, wie der Bergbau nach Grafenwald kam und welche Verwerfungen er auslöste.

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Als der Bergbau 1958 nach Grafenwald kam, hat er die katholische Gemeinde dort stark wachsen lassen. Die große Mehrheit der Bürger von Grafenwald war deshalb für den Neubau ihrer Kirche, wehrte sich aber gegen den Bau überdimensionierter Wohnblöcke. Das ist eine Erkenntnis aus dem Buch „Neues aus Grafenwald - zweiter Band“, den der Heimatverein vorgestellt hat.

Schon im ersten Band „Neues aus Grafenwald“ 2015 hatte der Arbeitskreis Grafenwald im Verein für Orts- und Heimatkunde eine Schwerpunkt auf das Thema Kirche gelegt und die Entstehungsgeschichte der 1899 fertiggestellten „Use Kiärkske“ nachgezeichnet. 1971 wurde mit dem Neubau am Prozessionsweg begonnnen, 1972 die alte Kirche abgerissen. Der Arbeitskreis hatte bei der Veröffentlichung angekündigt, ein zweiter Band werde sich mit der Vorgeschichte des Neubaus beschäftigen.

Originaldokumente aus den Archiven

Das hat Willi Stennmans jetzt getan. Und das gründlich. Sehr gründlich. Auf 257 Seiten breitet er mit Hilfe zahlreicher Funde aus den Archiven die Entstehungsgeschichte der Neubaupläne aus. Gleichzeitig schildert er den Kampf der Wöller gegen aus ihrer Sich überdimensionierte Neubaupläne der Bergbaugesellschaft Arenberg, Nachfolgegesellschaft der Rheinstahl.

Stennmans hat zu Gunsten historischer Detailtiefe den Zeitraum seiner Betrachtung von Kriegsende bis zum Tod des Pfarrers Bernhard Franke 1967 gewählt, weil dessen Namen untrennbar verknüpft ist mit dem Kampf um eine größere Kirche, aber gegen zu große Neubausiedlungen: „In der Rückschau kann man wohl behaupten, dass Pfarrer Franke die ausschlaggebende Person war, die für den Abriss der alten Kirche und die planerischen Voraussetzungen zum Bau der neue Kirche sorgte.“

Unterstützung von der ganzen Gemeinde

Unterstützung dafür fand er sowohl im Kirchenvorstand als auch in der gesamten Gemeinde. Im Gegenzug unterstützten Franke und sein Kirchenvorstand den Protest der Bürger gegen die Arenberg-Neubaupläne mit bis zu viergeschossigen Wohnblocks. Aus einer Bürgerversammlung gründete sich im Oktober 1958 die „Bürgerschaft Grafenwald“, mit mit allen Mitteln verhindern wollte, dass höher als zweigeschossig gebaut wird. Einen Tag später schloss sich der Kirchenvorstand diesem Einspruch an.

Stennmans dokumentiert auch, dass dieser Widerstand nur teilweise erfolgreich war. Gegen die Stimmen aus Grafenwald stimmte der Gemeinderat Kirchhellen 1959 einem Kompromissvorschlag von Arenberg zu. Er sah 152 Wohnungen vor, davon 52 in drei Geschossen, sogar ein viergeschossiges Haus sollte entstehen. Die Bürgerschaft Grafenwald warf dem Gemeinderat vor, „einen verhängnisvollen Weg eingeschlagen zu haben“. Rat und Verwaltung wehrten sich über die Zeitung: „Verhandlungserfolge verdienen ein besseres öffentliches Echo“.

Kampf um die größere Kirche

Dass Grafenwald eine größere Kirche brauchen wäre, war für Pfarrer Bernhard Franke schon bei seinem Dienstantritt 1938 klar. Nach dem Krieg kämpfte er gemeinsam mit dem Kirchenvorstand zunächst für eine Sanierung der Kirche. Den Wechsel von Erweiterung zum Neubau kann Stennmans auf den Tag genau bestimmen: In der Kirchenvorstandssitzung am 16. Juli 1962 fällt der Beschluss: „Wenn ein Neubau nicht mehr, vielleicht sogar noch weniger kostet als ein Erweiterungsbau, dann ist ein Neubau vorzuziehen.“ Damit beginnt ein langer Kampf mit dem Bistum Münster, in dem Franke, wie seine Gemeinde ihn kennt, kein Blatt vor den Mund nimmt.

Teil drei zum Thema Neubau

Peter Scheidgen, Leiter des Arbeitskreises, lobt die Detailvielfalt des Buches. Er habe „unzählige neue Einzelheiten erfahren, die mir bis dahin völlig unbekannt waren, obwohl ich durch Erzählungen meines Vaters viele Dinge wusste, die er durch die Tätigkeit meines Großvaters als langjähriger stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands erfahren hatte.“

Ein dritter Teil „Neues aus Grafenwald“ soll sich demnächst mit dem eigentlichen Neubau und dem Abriss der alten Kirche befassen.

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