Baumsterbent

Es hilft nichts: Die Kastanien müssen gefällt werden

Dieser Baum blutet aus: Die Kastanienallee an der Hauptstraße ist nach Angaben des Fachbereichs Grün nicht mehr zu retten. Das sehen auch andere Experten so.

Dieser Baum blutet aus: Die Kastanienallee an der Hauptstraße ist nach Angaben des Fachbereichs Grün nicht mehr zu retten. Das sehen auch andere Experten so.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Kirchhellen.  Der Fachbereich Grün schlägt Alarm: Die Kastanien an der Hauptstraße müssen weg. Auch die nachgepflanzten Bäume sind schon weder krank.

Ab Mitte Oktober wird der Fachbereich Umwelt die Kastanienallee entlang der Hauptstraße fällen. Elf der 49 Bäume sind in den letzten drei Jahren schon als Gefahrenbäume gefällt worden. 30 weitere hat der Bakterienbrand mehr oder weniger krank gemacht - und bei den letzten gesunden ist es auch nur noch eine Frage der Zeit.

Eine Menge Holz wird damit innerhalb eines Jahres gefallen sein entlang der Straßen in Kirchhellen. Die Erlen an der Grafenmühle, die Eschen am Jugendkloster sowie zwischen Schölsbach und Papenheide, das städtische Waldstück am Sensenfeld in Grafenwald - und jetzt die Kastanien an der Hauptstraße.

Muss das wirklich sein? Ja, sagen die Experten

Diese Fällung weckt Emotionen, weiß Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder (CDU). Vor allem, da die Bäume einst von der Brezelgesellschaft gesendet worden seien. Da werden noch mehr Bürger fragen: Muss das denn wirklich sein?

Das haben die Bezirkspolitiker natürlich auch gefragt. Zum dritten Mal binnen eines Jahres werden sie sich heute in der Sitzung der Bezirksvertretung befassen. „Wir haben es uns wirklich nicht leicht gemacht“, sagt Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder (CDU). Seine Fraktion hat ernsthaft darüber nachgedacht, die Einschätzung des Fachbereichs noch einmal überprüfen zu lassen.

Dicke Äste können jederzeit abbrechen

„Wir haben kein teures Gutachten machen lassen“, sagt er. Aber er hat sich Sachverstand aus dem Dorf geholt und ist mit dem Landschaftsarchitekten Peter Drecker die Allee von der Pelsstraße bis zur Antoniusstraße noch einmal abgegangen. Das Ergebnis bestätigt die Einschätzung der Experten vom Fachbereich: Der Pseudomonas-Pilz sitzt in fast allen Bäumen, dicke Äste können jederzeit absterben und auf die Straße fallen.

Gegenüber dem Jugendkloster brauchen die Experten der Kastanie nicht einmal mehr in die Krone zu sehen, um zu wissen: Dieser Baum stirbt. Am Stamm blutet er Bakterienschleim, typisches Symptom für den Befall mit Bakterienbrand. An vielen Bäumen sind bereits ganze Äste kahl, andere Kronen tragen fast kein Laub mehr. „Wenn so ein dicker Ast runterkommt, womöglich hier an der Bushaltestelle: Das ist schon eine echte Gefahr“, sagt Schnieder. Und: „So ein kranker Baum hilft auch dem Klima nicht mehr.“

Heilung nicht möglich

Eine Heiling des Baumes ist nicht möglich. Das haben die Experten des Fachbereichs noch einmal deutlich gemacht. Im Gegenteil: Ist der Bakterienbrand erst mal im Baum, kommen noch weitere Schädlinge hinzu wie der Austernseitling oder der Samtfußrübling. Abteilungsleiter Ulrich Kollath erinnerte an den hohen Aufwand, mit dem der Fachbereich ein Jahr lang um die Kastanien an der Parkstraße gekämpft hatte. Vergeblich: Am Ende mussten sie doch gefällt werden.

Das steht jetzt auch an der Hauptstraße an, urteilt der Fachbereich: „Die Kastanien sind nicht mehr als sicher einzustufen und müssen gefällt werden.“ Und zwar alle, und das sofort. Nicht nur der Bezirksbürgermeister hätte sich gewünscht, beim Brezelfest 2020 nochmal unter den gespendeten Kastanien marschieren zu können.

Aber es macht keinen Sinn, einzeln Bäume stehen zu lassen, sagt Philipp Heidt, Sachgebietsleiter im Fachbereich: „Die Idee der Neubepflanzung ist doch, den Alleecharakter wieder herzustellen. Dafür sollten gleich alte Bäume gleichzeitig gepflanzt werden.“

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