Vestisches Gymnasium

Schulleiter geht und sagt: „Die Schüler werden mir fehlen“

Sein letzter Arbeitstag im Dorf: Schulleiter Matthias Plaputta hat Montag seinen ersten Arbeitstag als Qualitätsprüfer für Schulen bei der Bezirksregierung Münster.

Sein letzter Arbeitstag im Dorf: Schulleiter Matthias Plaputta hat Montag seinen ersten Arbeitstag als Qualitätsprüfer für Schulen bei der Bezirksregierung Münster.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Kirchhellen.  Überraschender Weggang am Vestischen Gymnasium: Schulleiter Matthias Plaputta hat am Montag seinen ersten Arbeitstag als Qualitätsprüfer.

Nach fast neun Jahren verabschiedet sich Schulleiter Matthias Plaputta überraschend vom Vestischen Gymnasium. Die Bezirksregierung Münster hat ihn in den Sommerferien zum Qualitätsprüfer gemacht; Montag ist sein erster Arbeitstag.

Mit 62 Jahren noch einmal den Beruf und die Perspektive wechseln? Genau dieser Perspektivwechsel und die Aussicht auf ein viel strukturierteres Arbeiten haben Plaputta gereizt, als er auf die neue Stelle angesprochen wurde; er vermutet einen Zusammenhang mit der Qualitätsprüfung seines Gymnasiums im Schuljahr 2017/18. Plaputta hat sich beworben auf die Stelle des Qualitätsprüfers - und dann ging alles sehr schnell: Gestern hat er an der Schulstraße seinen Schreibtisch geräumt.

Rückblick auf fast neun Jahre als Schulleiter

Zum Abschied blickt Plaputta zurück auf fast neun Jahre als Schulleiter und sieht dabei zwei Höhepunkte und eine Achterbahnfahrt. Sie begann mit der Umstellung von neun auf acht Jahren bis zum Abi, dem Doppeljahrgang 2013 und dem Weg zurück zum Modell G9: „Das war mehr Arbeit, als ich dachte.“

Der erste Höhepunkt war der Wechsel von der 45-Minuten-Schulstunde zum Stundenmodell. „Unser Lehrerteam hat die Umstellung umfangreich vorbereitet. Wir haben uns zwei Jahre Zeit für die Probephase gegeben, das Projekt mit der Hochschule Ruhr-West bewertet und befunden: Das war eine gute Sache.“ Der zweite Höhepunkt war die Zertifizierung als „Schule ohne Rassismus“. Weil dieser Erfolg ganz viel zu tun hat mit dem Schulklima, das er mit Lehrern, Eltern und Schülern gemeinsam gepflegt hat.

Offener Umgang mit Problemen

„Es gibt Schulen, die sagen: Unter unseren Schülern gibt es kein Mobbing“, sagt Plaputta. „Das ist Quatsch. Wir gehen mit diesem Thema ebenso offen um wie mit allen anderen Problemen an unserer Schule.“ Offen ist das Lehrerteam auch die jüngste große Veränderung angegangen: den Einzug der Sekundarschule im abgelaufenen Schuljahr.

Mit der Hauptschule nebenan habe es früher wenige Berührungspunkte gegeben: „Zwischen unseren Schulen stand ein Zaun. Der hatte Symbolkraft.“ Mit dem Neubau für die Sekundarschule hat sich das geändert. Die Schüler des Vestischen, der Sekundarschule und der 2020 auslaufenden Hauptschule teilen sich jetzt einen Schulhof, und der ist nicht groß. Natürlich, sagt Plaputta, hat es Reibereien gegeben zwischen Sekundarschülern und Schülern des Vestischen. „Aber wir haben immer eine Lösung gefunden.“

„Wir sind ein Schulzentrum“

Dabei haben zwei Umstände geholfen: das gute Einvernehmen zwischen den Schulleitern und das gemeinsame Selbstverständnis. „Wir sind nicht mehr drei Schulen, sondern werden ein Schulzentrum“, hat Plaputta vor dem Einzug der Sekundarschule als Parole ausgegeben. Und das vorgelebt, indem er zur Begrüßung der neuen Kollegen zum gemeinsamen Grillen eingeladen hat. „Das Vestische hat uns einen herzlichen Empfang bereitet“, lobt Sekundarschulleiter Stefan Völlmert.

„Wir leben Schule mit Wertschätzung“, fasst Plaputta zusammen. „Wenn ich sagen kann, dass ich dazu beigetragen habe, will ich zufrieden sein.“ In seinen letzten Dienstjahren wird er nun anderen Schulen helfen, ihre selbst gesteckten Ziele ebenso zu erreichen wie die Vorgaben der Bezirksregierung. Auf die neue Perspektive „im Herbst meiner beruflichen Laufbahn“ freut er sich. Was er vermissen wird, weiß er auch schon. Nicht die täglichen Aufgaben eines Schulleiters. „Das ist so schnelllebig. Das werde ich nicht vermissen.“ Aber: „Die Schüler werden mir fehlen.“

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