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Kunstrasenplätze hat Bottrop zum Glück auf Sand gebaut

Hier dämpft Sand und nicht Granulat: Der jüngste Kunstrasenplatz der Stadt auf dem Sportplatz in Welheim wurde am 7. Juni eröffnet.

Hier dämpft Sand und nicht Granulat: Der jüngste Kunstrasenplatz der Stadt auf dem Sportplatz in Welheim wurde am 7. Juni eröffnet.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Die Debatte um Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen schlägt hohe Wellen in den Ruhrgebietsstädten. In Bottrop ist das Problem klein. Winzig klein.

Verbietet die EU ab 2022 die Nutzung von Kunstrasenplätzen, weil sie Mikoplastikschleudern sind? Diese Sorge hat der Städte- und Gemeindebund per Rundschreiben losgetreten. In Bottrop können sich Sportpolitiker und Sportbetrieb bei diesem Thema zum wiederholten Mal entspannt zurücklehnen. Obwohl: Mit einem im Wortsinn winzig kleinen Problem werden sie sich auf Sicht dennoch beschäftigen müssen.

Die Gummifüllungen von Kunstrasenplätzen machen seit vielen Jahren immer wieder Schreck-Schlagzeilen, weil sie angeblich krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten. Ziemlich genau vor drei Jahren hat eine solche Warnung in den Niederlanden dazu geführt, dass an einem Wochenende 40 Spiele vor allem der Jugendabteilungen abgesagt wurden.

Brandbrief vom Städte- und Gemeindebund

Ein Auslöser der aktuellen Debatte um die Kunstrasenplätze ist eine Studie des Fraunhofer Institutes aus dem Jahr 2018. Die Forscher hatten ausgerechnet, dass in Deutschland jährlich 11.000 Tonnen Mikroplastik in Form von Gummigranulat aus Kunstrasenplätzen in die Umwelt gelangen. Das hat die Europäische Chemikalienagentur ECHA auf den Plan gerufen, die den Zusatz von Mikroplastik verbieten will. Das wiederum hat Alarm ausgelöst beim Städte- und Gemeindebund. Er hat in seinem Brandbrief vorgerechnet, auf die Eigentümer von Granulat-Kunstrasenplätzen kämen Kosten in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe zu, wenn sie das Granulat austauschen müssten.

„Im Rückblick können wir in Bottrop sehr froh sein, dass wir beim Bau von Kunstrasenplätzen von Anfang an auf höhere Qualitätsstandards gesetzt haben“, sagt Oberbürgermeister Bernd Tischler heute. Sportbetrieb und Sportpolitik hatten sich beim Bau aller Kunstrasenplätze festgelegt: Wir verfüllen nicht mit Granulat, sondern mit Quarzsand. Den hat Bottrop nicht nur reichlich vor der Haustür in der Kirchheller Heide; es schien dem Sport- und Bäderbetrieb auch von Anfang an die sauberere Lösung.

Bottroper Entscheidung: Sand statt Granulat

Heidtmann erinnert an die Erfahrungen mit Granulat in der Nachbarstadt Oberhausen, wo „die Spieler mit schwarzen Schuhe vom Platz gekommen sind“. Der Architekt, der die städtischen Kunstrasenanlagen geplant hatte, habe zudem schon vor Jahren auf mögliche Belastungen des Granulates mit Schadstoffen hingewiesen. Entscheidend für den Beschluss, Sand statt Granulat einzusetzen, sei allerdings ein sehr praktischer Grund gewesen, erinnerte sich Heidtmann schon 2016: „Das Granulat verschmilzt so stark mit der Kunstfaser des Belages, dass der Kunstrasen sehr hart wird.“ Sand dagegen behält seine dämpfende Wirkung.

Und überhaupt leidet die aktuelle Kunstrasendebatte unter akuter Überhitzung, sagt Heidtmann. Er hat dem Betriebsausschuss des Sport- und Bäderbetriebes schon berichtet von einem Beruhigungsschreiben des Sportstätten-Prüflabors Lehmacher/Schneider aus Osnabrück „an alle Bauherren, Kommunen, Verwaltungen und Vereine“. Geschäftsführer Oliver Schneider versichert ihnen; „Alle Spielfelder können gesundheitlich unbedenklich gebaut werden, sofern diese den Anforderungen der gültigen Normen entsprechen.“ Außerdem sei die Fraunhofer-Studie von anderen Voraussetzungen ausgegangen. Tatsächlich verbleibe das Granulat „zum allergrößten Teil auf dem Spielfeld und wird dort gesammelt, wieder ausgebracht Und entsorgt.“ Und drittens werde der Gesetzgeber auch die Themen Bestandsschutz und Übergangsfristen im Auge behalten müssen.

Problem: Abrieb der Kunstfasern

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lles gut also auf den Kunstrasenplätzen in Bottrop? Ein klitzekleines Problem muss auch der Sport- und Bäderbetrieb noch lösen, sagt Jürgen Heidtmann: „Der Abrieb der Kunstfasern des Kunstrasens ist auch Mikroplastik, und der bleibt im Sand. Das müssen wir bei der Entsorgung berücksichtigen.“

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