Amokfahrt an Silvester

Muss der Bottroper Amokfahrer dauerhaft in die Psychiatrie?

Spurensicherung auf dem Berliner Platz nach der Amokfahrt in der Silvesternacht.

Spurensicherung auf dem Berliner Platz nach der Amokfahrt in der Silvesternacht.

Foto: einrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop.   Am Essener Schwurgericht beginnt der Prozess um die Amokfahrt an Silvester. Staatsanwalt wirft Andreas N. versuchten Mord in zwölf Fällen vor.

Amokfahrer Andreas N., der in der Silvesternacht in Bottrop und Essen 14 Menschen gezielt angefahren und verletzt hat, steht ab dem 7. Juni vor Gericht. In einem Sicherungsverfahren wird geprüft, ob er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und dauerhaft in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen wird. Für dieses Verfahren sind zehn Prozesstage angesetzt.

Nach der Attacke setzt er zurück

Andreas N. (50) hatte in der Silvesternacht mit seinem Mercedes Kombi in der Bottroper Innenstadt und in Essen immer wieder Menschen anzufahren versucht, die er für Ausländer hielt. Auf dem Berliner Platz fuhr er gezielt in eine Menschenmenge, die dort Silvester feierte. Dabei verletzte er eine Frau (46) lebensgefährlich. In einer Notoperation konnte Ärzte ihr Leben retten Auf Smartphone-Videos ist zu sehen, wie Andreas N. seinen Kombi zurücksetzt, um weitere Personen anzufahren. Insgesamt wurden in den Horror-Minuten auf dem Berliner Platz sechs Menschen verletzt, darunter ein vierjähriges Kind. Bei einem weiteren Angriff in Essen wurde er festgenommen und machte dabei fremdenfeindliche Ausfälle.

Entsetzen auf dem Berliner Platz

Die Bottroper reagierten entsetzt auf die Amokfahrt. Andreas N. hatte überhaupt nur auf den Berliner Platz fahren können, weil dort eine Bühne aufgebaut wurde. Am Mittag des Neujahrstages hätten auf dieser Bühne die Feiern zum Stadtjubiläum starten sollen. Der geschockte Oberbürgermeister Bernd Tischler sagte diese Feier unter dem Applaus aller Zuschauer ab: „Heute ist uns nicht zum Feiern zumute.“

Am Nachmittag des Neujahrstages machte sich NRW-Innenminister Herbert Reul ein Bild vom Tatort am Berliner Platz. Er verkündete, dass die Polizei weitere Unfälle untersuche, die sich in der Silvesternacht ereignet hatten: „Es könnte noch weitere Tatorte geben.“

Zahl der Opfer steigt von acht auf 14

Die weiteren Ermittlungen bestätigten diese These: Die Zahl der Verletzten wurde von zunächst acht auf jetzt 14 korrigiert. Inzwischen hat Staatsanwältin Julia Schweers-Nassif die Amokfahrt von Andreas N. nachgezeichnet (siehe Karte). Demnach attackierte der 50-jährige Essener zuerst gegen 23.30 Uhr am Pferdemarkt eine neunköpfige Gruppe am Pferdemarkt und zehn Minuten später am Rathaus einen Vater und seinen elfjährigen Sohn. Alle Opfer dieser Attacke blieben unverletzt.

Ein weiteres Handyvideo zeigt, wie er kurz danach von der Osterfelder Straße in die Fußgängerzone Richtung Hansastraße rollt. Dort fuhr er in eine Gruppe von sieben Menschen, zwei wurden verletzt.

Auf dem Weg Richtung Berliner Platz traf er kurz vor Mitternacht erneut auf die Gruppe, die er schon am Pferdemarkt attackiert hatte. Ein Mensch wurde verletzt, bevor Andreas N. seine blutigen Attacken auf die Menschen auf dem Berliner Platz fuhr. Danach fuhr er einen Mann auf der Essener Straße und fuhr dann weiter nach Essen-Frintrop. Bei drei weiteren Auto-Attacken verletzte er dort vier Menschen. Polizisten konnten ihn kurz darauf stoppen und festnehmen.

Vorwurf: Versuchter Mord in zwölf Fällen

Die Staatsanwaltschaft wirft Andreas N. versuchten Mord in zwölf Fällen vor, dazu gefährliche Körperverletzung und gefährliche Eingriffe in der Straßenverkehr. Ein Gutachter hat ihm paranoide Schizophrenie attestiert. Deshalb sitzt er bereits in der Psychiatrie. Die Besonderheit dieses Gerichtsverfahrens: Es geht nicht um die Frage von Schuld und Strafe, sondern um seine dauerhafte Einweisung. Warum braucht es dazu zehn Prozesstage? „Eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie ist nur möglich, wenn ihm die Taten nachgewiesen werden“, sagt Johannes Hidding, Sprecher des Essener Landgerichtes. „Also muss das Schwurgericht zwölf einzelne Taten aufklären.“

Für eine Debatte vor Gericht mit den sechs Nebenklagevertretern über die Schuldfähigkeit des Beschuldigten gibt es bisher keine Anzeichen. Deshalb sagt Hidding: „Wir müssen abwarten, ob wir wirklich allle Verhandlungstage brauchen werden.“

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