IHK-Umfrage

Nach sechs Jahren Aufschwung schwächelt die Konjunktur

Für die erste Halbzeit des Jahres kann die für Bottrop zuständige IHK noch ein Umsatzwachstum von 1,7 Prozent bilanzieren. Doch die Zeichen stehen auf Veränderung.

Für die erste Halbzeit des Jahres kann die für Bottrop zuständige IHK noch ein Umsatzwachstum von 1,7 Prozent bilanzieren. Doch die Zeichen stehen auf Veränderung.

Foto: Erwin Wodicka

Bottrop.  Im Emscher-Lippe-Raum werden die Auftragsbücher dünner. Die Umsätze sinken wieder. In Bottrop verzerrt das Ende des Bergbaus die Statistik.

Die konjunkturelle Entwicklung im hiesigen Emscher-Lippe-Raum gibt den Wirtschaftsexperten wenig Anlass zur Freude. Zwar kann die zuständige Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen für die erste Halbzeit des Jahres noch ein Umsatzwachstum von 1,7 Prozent bilanzieren, doch stehen inzwischen die Zeichen auf Veränderung.

IHK-Geschäftsbereichsleiter Sebastian van Deel ordnet das jüngste Umfrageergebnis ein: „Noch ist es bei vergleichsweise geringen Einbußen geblieben, doch angesichts der eingetrübten Aussichten für den Welthandel und der Unsicherheiten durch Brexit und Protektionismus ist mit weiteren Rückgängen zu rechnen.“ Die Emscher-Lippe-Region sei eben keine Insel. Dennoch, die Entwicklung sei nicht so negativ, wie sie auf den ersten Blick erscheine. „Die negative Entwicklung der Gesamtumsätze speziell in Bottrop wird durch das Ende des Bergbaus verzerrt.“

Seit sechs Jahren schrumpft die Wirtschaft wieder

Unruhige Zeiten befürchtet Dirk Erlhöfer, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen. „Die Wirtschaft schrumpft erstmals seit sechs Jahren wieder, die Kommunen sind klamm, und speziell im Ruhrgebiet kriegen wir die PS nicht auf die Straße.“ Erlhöfer beklagt neue arbeitsrechtliche Hürden und lähmende Verwaltungs- und Aufzeichnungsvorschriften, die dringend abgebaut werden müssten.

Nach der aktuellen IHK-Umfrage gelingt es der Wirtschaft im hiesigen Raum zudem immer weniger, die Fachkräftelücke zu schließen. Ausbildungsplätze blieben vor allem deshalb unbesetzt, weil keine geeigneten Bewerbungen vorlagen. Besonders große Probleme hatte das Gastgewerbe. In der Verkehrsbranche meldeten fast 40 Prozent der Betriebe unbesetzte Stellen. Auch jedes dritte Industrieunternehmen musste Ausbildungsplätze frei lassen. „Dabei haben sich die Unternehmen insgesamt schon gut auf die veränderte Situation auf dem Ausbildungsmarkt eingestellt“, sagt Carsten Taudt, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Bildung und Fachkräftesicherung. Ein Ruf als guter Ausbildungsbetrieb mit einem angenehmen Betriebsklima zahle sich bei der Nachwuchsgewinnung immer aus.

Die Betriebe erwarten eine höhere Ausbildungsreife

Warum Betriebe Probleme haben, geeignete Bewerber zu finden, zeigt sich an den Antworten auf die Frage nach der Ausbildungsreife. Schwächen im mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen stellten 56 Prozent der Betriebe fest, die Belastbarkeit der Auszubildenden bemängelte mehr als die Hälfte. Besonders besorgniserregend sei aber, dass 60 Prozent der Betriebe Defizite bei Leistungsbereitschaft und Motivation festgestellt haben. „Schulische Mängel kann ein Ausbildungsbetrieb in gewissem Umfang ausgleichen. Aber jemanden auszubilden, der eigentlich nicht will, ist kaum machbar“, meint Taudt.

Etwa ein Fünftel der Betriebe nimmt bei der Fachkräftesicherung auch Geflüchtete in den Blick. „Das ist der richtige Weg, auch wenn es bei der Umsetzung vor Ort oft praktische Probleme gibt“, sagt Taudt. Die so genannte Drei-plus-zwei-Regelung, die einen Abschiebeschutz während einer dreijährigen Ausbildung und einer zweijährigen Anschlussbeschäftigung garantieren soll, werde aber von den Ausländerbehörden unterschiedlich angewandt, kritisierte der IHK-Bildungsexperte.

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