Geschichte des Bergbaus

Neues Buch über die Grubenunglücke in Bottrop und im Revier

Der Autor Friedhelm Wessel stellt sein Buch „Gerettet! - Grubenunglücke im Revier" vor.

Der Autor Friedhelm Wessel stellt sein Buch „Gerettet! - Grubenunglücke im Revier" vor.

Foto: Rainer Raffalski

Bottrop.  Mit „Gerettet!“ legt Friedhelm Wessel ein Buch über Grubenunglücke im Revier vor und lässt viele Zeitzeugen, darunter auch aus Bottrop, erzählen.

Über 10.000 Tote hat es im deutschen Steinkohlebergbau gegeben, von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1984, dem letzten schweren Grubenunglück. Autor Friedhelm Wessel wirft jedoch einen – etwas – positiveren Blick auf dramatische Vorkommnisse unter Tage: Er präsentiert ein Buch, das sich auf Grubenunglücke im Revier konzentriert, bei denen Bergleute gerettet wurden – oft in dramatischen Hilfsaktionen.

Zeitzeugen kommen zu Wort

„Gerettet“ lautet der Titel des neuesten Werkes. Seit er nach seiner Zeit als Redakteur bei den Ruhr-Nachrichten vor gut zehn Jahren in den Ruhestand ging, trifft er ehemalige Kumpel, schreibt Bergbau-Bücher, rettet Gruben-Geschichte vor dem Vergessen.

Wessel hat Zeitzeugen zu etlichen Bergwerksunglücken im Revier gefunden. Insgesamt sei es heute nicht mehr einfach, Überlebende von Bergbau-Unglücken zu finden. „In Bochum-Hofstede traf ich den 84-jährigen Günter Barnehl, der 84 Stunden verschüttet war. Er fing an zu erzählen und hat geweint.

Das Unglück steckte ihm nach so langer Zeit immer noch in den Knochen.“ Und die Tochter habe ihm eröffnet, dass ihr Vater über diese Erinnerungen noch niemals berichtet habe. Das Foto mit dem kohlenschwarzen Gesicht von Heinz Frank ziert den Buchdeckel.

Der Bergmann, der ein Grubenunglück im Jahr 1974 auf der Zeche Minister Achenbach in Lünen überlebte, ist zwar mittlerweile verstorben. Wessel machte aber seine Ehefrau ausfindig, die gerne berichtete, was damals passierte: „Hildegard Frank konnte sich sogar noch erinnern, was sie ihrem Mann kochte, als er endlich gerettet war und wieder nach Hause kam. Es waren Klöße, sein Leibgericht.“

Auch Bottroper Zeitzeugen wie Heinz Schallwig, der das Unglück vom Juni 1958 auf Prosper erlebte und mit Hanns Ketteler, später Bergwerksdirektor, die Rettungsaktion in Gang setzte, sind vertreten.

Natürlich kommt auch die Dahlbusch-Bombe vor, mit der zahlreiche Bergleute gerettet wurden. Das Gerät war 1955 nach einem Unglück auf der gleichnamigen Zeche in Gelsenkirchen-Rotthausen in aller Munde und ist längst Geschichte – wie der Steinkohlenbergbau an der Ruhr insgesamt.

Friedhelm Wessel: „Gerettet!“, Wartberg Verlag, 63 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 12,90 Euro.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben