Luftbelastung

Schon mehr als 100 Strafanzeigen gegen Bottroper Kokerei

Die Kokerei von Arcelor Mittal an der Prosperstraße steht in der Kritik. Eine Bürgerinitiative macht sie verantwortlich für die Luftbelastung im Bottroper Süden.

Die Kokerei von Arcelor Mittal an der Prosperstraße steht in der Kritik. Eine Bürgerinitiative macht sie verantwortlich für die Luftbelastung im Bottroper Süden.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Bottrop.   Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Essen ist die Anzahl der Strafanzeigen gegen den Kokereibetreiber Arcelor Mittal inzwischen dreistellig,

Der Staatsanwaltschaft Essen liegen bereits mehr als 100 Strafanzeigen gegen den Betreiber der Bottroper Kokerei vor. Dem Betreiber Arcelor Mittal wird Körperverletzung durch den Schadstoffausstoß der Anlage vorgeworfen. „Ich kann bestätigen, dass die Zahl der Anzeigen dreistellig ist“, sagt Oberstaatsanwältin Anette Milk.

Kokerei war auch Thema im Landtag

Am Mittwoch hat sich auch der Umweltausschuss des Landtages NRW mit der „Immissionsbelastung im Umfeld der Kokerei Bottrop“ beschäftigt. Das Umweltministerium hat zu dieser Sitzung Frane des Bottroper SPD-Landtagsabgeordneten Thomas Göddertz beantwortet. „Mir ist es ein großes Anliegen, die Ängste der betroffenen Bürgerinnen und Bürger ernst zu nehmen – deswegen habe ich mich mit entsprechenden Fragen an die Landesregierung gewandt“, sagt der Abgeordnete.

Unterstützung für Verzehrwarnungen

Der Bericht des Ministeriums enthält die wesentlichen Aussagen zu Luftbelastung und der Untersuchung von Grünkohl um Umfeld der Kokerei, wie sie Vertreter von Landesumweltamt und Bezirksregierung Münster sowie Amtsarzt Dr. Christian Marga am Dienstag bei der Sondersitzung von Umwelt- und Gesundheitsausschuss vorgestellt haben. Das Umweltministerium NRW wartet auf die Auswertung der Bodenproben und will im Herbst einen Bericht nachreichen mit einer „Bewertung im Hinblick auf den Schadstofftransfer über den Direktpfad Boden-Mensch“.

Die Warnung des Bottroper Umweltamtes vor dem Verzehr von Gemüse aus dem Bottroper Süden unterstützt das Ministerium ausdrücklich: „Die Verzehrempfehlung dient dem Schutz der Bevölkerung und wird auf Grundlage neuer Erkenntnisse gegebenenfalls fortgeschrieben.“

„Defizite“ auf der Kokerei bei den Ofentüren

Bei der Bewertung der steigenden Benzo(a)pyren-Belastung betont das Ministerium die Verantwortung des Kokereibetreibers und verweist auf den Gutachter, der die nicht dicht genug schließenden Koksofentüren als Hauptemissionsquelle nennt. Als Gründe benennt er „Defizite bei Wartung und Pflege, Anlagebedienung, Nutzung vorhandener Absaug- und Reinigungseinrichtungen und Mitarbeiterqualifikation und -schulung“.

Debatte um Gesetzesänderung

Für Göddertz geht es nun vor allem um die Frage, „ob die schwarz-gelbe Regierung eine Gesetzesänderung von sogenannten Zielwerten zu strengeren Grenzwerten bei der Schadstoffbelastung der Luft befürwortet.“ Nach seinen Angaben hat die Landesregierung zugesagt, , das Gespräch mit anderen Bundesländern für eine gemeinsame Regelung zu suchen. Göddertz: „Hinsichtlich weiterer Maßnahmen bei einer möglichen Verfehlung der Zielwerte äußerten sich CDU und FDP in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz nicht.“

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